Remscheid: UN-Auszeichnung für die Gartenarche

Remscheid: UN-Auszeichnung für die Gartenarche

Auf dem Permakulturhof Vorm Eichholz in Wuppertal wurde die Arche zum Projekt für biologische Vielfalt gekürt.

Es war ein Fest, bei dem alle Naturliebhaber auf ihre Kosten kamen. Wer gekommen war, um sich über Wildbienen oder Foodsharing zu informieren, wurde genauso fündig wie jene Besucher, die nur den Auftakt der 4. Aktionswochen rund um Wuppertals Urbane Gärten feiern wollten. Dass dabei fast schon am Rande die Mitglieder der Bergischen Gartenarche für ihre Sammlung alter Landsorten als Projekt der UN-Dekade für biologische Vielfalt ausgezeichnet wurden, machte die Veranstaltung auf dem wiederhergestellten alten Bauerngarten im Wupperviereck nur noch interessanter.

"Das ist hier genau unsere Schiene", freute sich ein 77-jähriger Besucher, der an einem Stand mit Vogelhäusern darüber diskutierte, ob das Durchfüttern von Vögeln im Winter überhaupt richtig sei. Und weil Udo Holthaus, ein pensionierter Handwerker, sich allgemein für naturnahes Gärtnern begeistert und dies mit seiner Ehefrau Monika (71) "schon seit 46 Jahren in unserem Schrebergarten umsetzt", fühlte sich der Elberfelder auch ganz am richtigen Ort.

"Es ist fantastisch, inmitten von so vielen Menschen zu sein, die alle durch eine wichtige Frage verbunden sind." Es sei die Frage, "was wir selbst - allein oder gemeinschaftlich - für die Natur tun können", ergänzt der gebürtige Wuppertaler und schaut sich Jung und Alt an, wie sie sich im Gespräch mit Experten über die ökologisch sinnvolle Nutzung von Hausgärten oder urbanes Gärtnern informieren.

"Das wird immer wichtiger", findet Holthaus. Denn nur so könne ein Trend rückgängig gemacht werden, "der für unsere Vögel und Insekten sehr schädlich gewesen ist". Gemeint sei der Trend, "sich in Gartencentern und Baumärkten Pflanzen zu besorgen, die häufig für die heimische Fauna gar keinen Nutzen haben". Holthaus rät Hobbygärtnern deswegen, besser in Baumschulen als in Baumärkten einzukaufen.

Das empfiehlt auch Christin Stienegerd (29) von der Bildungseinrichtung Natur- und Umweltschutzakademie NRW. Sie verweist dabei auf einen anderen Aspekt: "Pflanzen aus Baumärkten weisen häufig Qualitätsmängel auf und sind daher eher mit Vorsicht zu genießen." Gute und gesunde Pflanzen gebe es "eher in der Baumschule oder beim Staudengärtner", so die Leiterin des Projekts "Gemeinsam Gärtnern in NRW", die vor Ort über den Lebensraum Vorgarten informiert und Flyer verteilt, die für "blühende Vielfalt" als Alternative zu Schottergärten werben.

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Stienegerd zufolge ist das Interesse an solchen Informationsblättern groß, weshalb es sich lohne, sie in den städtischen Umwelt- und Grünflächenämtern auszulegen. "Es zeigt sich hier zunehmend ein Bedürfnis, einen eigenen Beitrag zum Naturschutz zu leisten." So sieht es auch Liesbeth Bakker, eine gebürtige Niederländerin, die ein paar Stände weiter über den Verein Bob Kulturwerk informiert. "Bei dieser Initiative soll mitten in Oberbarmen-Wichlingen unter anderem ein Gemeinschaftsgarten entstehen."

Das Interesse von Nachbarn und Schulen aus dem Quartier sei groß. Denn die meisten Kinder seien klassische Stadtkinder und würden hier zum ersten Mal in ihrem Leben mit Gärtnerarbeit in Kontakt kommen. "Das begeistert sie total", freut sich die Leiterin des Büros "Ideaalwerk", das sich für eine nachhaltige Stadt einsetzt und für den Verein Bob Kulturwerk verschiedene Projekte ausführt.

Den Nachwuchs für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und dabei zugleich etwas für die Pflanzenwelt im Bergischen Land zu tun - das kommt auch bei Nadja Hildebrand und Michael Felstau von der Bergischen Gartenarche gut an. Denn aus ihrer Sicht kann es gar nicht genug Menschen geben, die sich auf diesem Gebiet engagieren. "Auch die Bergische Gartenarche braucht noch mehr Aktive", sagt Felstau, der sich bei Wuppertals Urbanen Gärten um die Vernetzungsarbeit kümmert.

Was die Auszeichnung der Vereinten Nationen angehe, sei es gut, dass die Gartenarche hierdurch viel Anerkennung erhalten habe und in der Region noch bekannter geworden sei. "Toller wäre es jedoch, wenn auch die Zahl von aktiven Mitgliedern weiter steigen würde." Man müsse jedoch nicht unbedingt Mitglied werden, um die Arche zu unterstützen. "Es genügt bereits, uns alte Gartenpflanzen und altes Saatgut zu bringen, oder uns einfach zu fragen, was man ansonsten für ein lebendiges Kulturerbe im Bergischen tun kann."

(RP)
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