Ortstermin auf der Müngstener Brücke Überzeugungsarbeit in schwindelnder Höhe

Remscheid · Gerd Münnekehoff präsentierte Politikern und Radfahrern seine Idee eines Skywalks entlang der Müngsterer Brücke. Er würde Remscheid und Solingen miteinander verbinden.

 „Das wird gigantisch“: Gerd Münnekehoff (2.v.l.) stellte seine Skywalk-Idee beim Ortstermin auf der Müngstener Brücke vor.

„Das wird gigantisch“: Gerd Münnekehoff (2.v.l.) stellte seine Skywalk-Idee beim Ortstermin auf der Müngstener Brücke vor.

Foto: Theresa Demski

Rund 100 Meter unter den Füßen der heimischen Politiker und Radfahrer fließt die Wupper durch das Tal, gerade setzt sich die Schwebefähre in Bewegung. Die Metallschienen unter den Füßen klappern ein bisschen und als sich der erste Zug nähert und über den Köpfen der seltenen Besucher hinweg rauscht, hält der ein oder andere den Atem an. „Gigantisch, oder?“ sagt Gerd Münnekehoff. Er steht mit einer Besuchergruppe auf der Müngstener Brücke – eine Etage unter den Bahnschienen. Gerade kämpft sich die Sonne hinter den nahen, dunklen Wolken hindurch und taucht das Bergische Land in ein märchenhaftes Licht. Die Gäste zücken ihre Kameras.

Gerd Münnekehoff hätte das Drehbuch selbst nicht besser schreiben können. Er leistet Überzeugungsarbeit in rund 100 Metern Höhe: Hier versucht der Remscheider seinem Traum von einem Skywalk Leben einzuhauchen – während Günter Gewehr von der Deutschen Bahn die Besucher über Daten, Zahlen und Fakten zur Brücke informiert. „Wir könnten Remscheid und Solingen für Fußgänger und Radfahrer endlich auf direktem Wege miteinander verbinden“, sagt Münnekehoff, „und gleichzeitig könnten wir den Menschen diese gigantischen Eindrücke ermöglichen“. Dann deutet er auf die Wälder, auf Wupper und Brückenpark. Die Augen der Kommunalpolitiker aus Remscheid und Solingen und der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADVC) folgen seinem Zeigefinger. Wer Gerd Münnekehoff zuhört, der bekommt eine Ahnung von seiner Vision eines Skywalks, von einem Rad- und Fußweg auf dem Steig, der während der Sanierung für die Arbeiter unterhalb der Schienen entstanden ist. Seine Begeisterung ist ansteckend: „Diese Idee ist wirklich verlockend“, sagt Martin Limbach vom ADFC, „wir Radfahrer haben uns schon oft eine Brücke über das Tal gewünscht“.

ADFC-Kollege Christian Wendel, der auch für die Grünen im Solinger Stadtrat sitzt, ergänzt: „Wir Radfahrer wären auch bereit, zu schieben, wenn das der Sicherheit hier oben entgegenkäme“. Schließlich solle kein Streit unter Radfahrern und Fußgängern, unter Einheimischen und Touristen entstehen. Als er wieder in die Weite blickt, ergänzt er noch: „Aber es wird wohl politische und behördliche Probleme geben, die es dem Projekt schwer machen werden“. Die werden dann auch während der Präsentation im Bahnhofscafé laut, zu der Münnekehoff nach der Begehung eingeladen hat. Dort stellt er die Anbindung des Skywalks an Radtrassen vor, an Industriegebiete und Touristenrouten. Er rechnet vor: Rund 2,5 Millionen Euro könnte das Projekt kosten – mit allem Drum und Dran. Während Rainer Widmann, Projektleiter der Nordbahntrasse in Wuppertal, sich noch über die Begeisterung und die Ideen freut, eine Vereinsgründung anregt und seine Unterstützung anbietet, werden die politischen und behördlichen Bedenken laut: Wie es um die Sicherheit auf der Brücke bestellt sei, wer die Haftung übernehme, fragt Marina Dobbert von der Solinger SPD. Sven Stamm von der FDP in Remscheid sagt: Die Kostenfrage sei zu klären, aber er nehme die Ideen nun mit in die Fraktion.

Ein Skywalk dürfe auf keinen Fall dem „deutlich wichtigeren Ziel der Zertifizierung der Brücke als Weltkulturerbe“ in die Quere kommen, sagt Klaus Frahm von der CDU in Solingen. Und auch Susanne Pütz von der CDU in Remscheid erinnert daran, dass die Sicherheit auf der Brücke eines der wichtigsten Themen sei, das geklärt werden müsse.

 Der Skywalk würde auch die Radfahrer auf der Balkantrasse nach Müngsten locken.

Der Skywalk würde auch die Radfahrer auf der Balkantrasse nach Müngsten locken.

Foto: Udo Teifel

Gerd Münnekehoff lehnt sich nach dem langen Ortstermin ein bisschen erschöpft zurück. Gegenwind? „Das ist höchstens ein Lüftchen“, sagt er. Viele Fragen würden durch eine Machbarkeitsstudie geklärt, die am Anfang stehen müsse. Dann sagt er: „Ich habe viel Begeisterung für die Sache wahrgenommen“.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort