Remscheid: Über die Rachepläne einer alten Dame

Remscheid: Über die Rachepläne einer alten Dame

Erik Wikki las beim Bestattungsunternehmer Roth aus seinem Krimi "Wehmutstrophen".

Als am Freitagabend die Dämmerung hereinbricht, machen sich 40 Leute auf den Weg durch das Remscheider Industriegebiet, an düsteren Lagerhallen vorbei. Das gemeinsame Ziel, die alte Schlachterei Am Bruch.Seit einem Jahr befinden sich dort die neuen Räumlichkeiten des Bestattungsunternehmer Ernst Roth. Dessen Inhaber, das Ehepaar Hraber, hatte eingeladen, zu einem besonderen Anlass: einer Krimilesung. Die Trauerhalle, in der diese stattfinden soll, ist am Abend dunkel. Die Fenster sind verhangen. Granitfarbene Kerzen und steinerne Engel stehen an den Wänden. Trotzdem wirkt der Raum gemütlich. Die einzige Lichtquelle beleuchtet ein Lesepult und den Mann des Abends.

Erik Wikki schreibt Geschichten seit er denken kann. Was anfangs als Urlaubsbeschäftigung begann, ist mittlerweile sein Beruf geworden. Als Schriftsteller veröffentlichte er 2015 seinen ersten Kriminologie Roman "Der Papenburger Puppenspieler". Zurzeit ist er mit seiner zweiten Erscheinung unterwegs "Wehmutstropfen": Zwei alte Damen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine liebe Omi und eine hinterlistige Diebin. Beide nehmen Kontakt auf zu einer Detektei. Die eine, um die Ermittlung im Fall ihres baldigen Todes zu bitten, die andere um Rache zu üben.

Die Geschichte entwickelt sich in zwei Erzählsträngen, von denen sich je einer auf eine der Damen konzentriert. Wikki konzentrierte sich am Freitag besonders auf die diebischen Großmutter, die eine List ausheckt, um eine von langer Hand geplante Rache auszuführen. Dabei wirft sie eine Reihe Fragen auf, die nicht nur die andere Charaktere des Romans zum Grübeln bringen, sondern auch jeden Krimifreund. Erik Wikki versteht es, ihnen im Buch zu bieten, was sie erwarten: Humor, Rätsel, Überraschung und natürlich Spannung. Seine Geschichten sind greifbar, die Charaktere lebendig. Bei seiner Lesung schafft er es, die Personen noch realer erscheinen zu lassen. Jeder Figur verleiht er seine eigene Stimme und Persönlichkeit auf unnachahmliche Weise. Eine knorrige und zugleich freundliche Stimme für die alte Dame, eine unbedarfte Stimme für ihre Enkelin, der Detektiv mit einem leicht hochmütigen Klang und bestimmten Unterton und viele mehr. Zuhörerin Silke Gaida zieht für den Abend ihr Fazit: " Erik Wikki und seine Romane sollte man im Auge behalten".

(RP)
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