Travestieshow mit Ham&Egg im Lenneper Rotationstheater

Ham&Egg im Lenneper Rotationstheater : Heidenspaß in der Travestie-Sauna

Das Bonner Duo Ham & Egg gehört zu den Stammgästen im Rotationstheater. Auch am Wochenende begeisterten sie wieder das Publikum.

Es hatte ein bisschen was von einem Saunabesuch, als die Zeit bei Ham & Egg, alias Jörg Dilthey und Andreas Schmitz, am Freitagabend in ihrer aktuellen Show „Aus Spaß verkleidet!“ ein wenig weiter fortgeschritten war. Im vollbesetzten Theater war die Luft zum Schneiden dick, als Egg eine herrlich abgedrehte Version des Caterina-Valente-Schlagers „Ganz Paris träumt von der Liebe“ im prunkvoll-goldenen Glitzerkostüm präsentierte. Zuvor war bereits der „Zalando-Song“ zum Sauna-Einsatz gekommen - mit Ham im Kostüm, auf dem sich die besungenen Schuhe wie eine extravagante Modelleisenbahn im Kreis angeordnet befanden. Denn natürlich waren es vor allem die bunten und phantasievollen Kostüme, die die beiden Travestiekünstler im Minutentakt wechselten, die auch die neue Show zum besonderen Hingucker machten.

Etwa im Song über Rio de Janeiro, der im knallgelben Obstkorb-Kostüm im Doppelpack gegeben wurde, und bei dem die sich langsam drehende Discokugel ein Flair von ganz großer Las-Vegas-Show ins beschauliche Lennep brachte. Wobei, richtig beschaulich war am Freitagabend eher gar nichts. Der Applaus und die Begeisterung im Publikum war nämlich spätestens zu diesem Zeitpunkt auf einem Höhepunkt angekommen.

Da das Bonner Duo im Rotationstheater zu den Stammgästen gehörte, ließ sich das Publikum auf jeden Spaß ein, den die beiden Beamten mit Hang zur Verwandlung auf es losließen. Das Lachen war jedenfalls auch draußen im Innenhof des Rotationstheaters noch deutlich zu hören.

Das Motto dieses knallbunten Comicabends war tatsächlich Programm. Denn was anderes als der reinste Spaß an der Sache konnte dahinterstecken, als Ham & Egg etwa in gigantische Abendkleider gehüllt auf die Bühne kamen – und diese Kleider dann auf Bügeln hingen und auf den Köpfen wie Hüte aufgesetzt waren? Einen Augenblick später waren diese Hüllen dann gefallen und der Titelsong des Programms – zur Melodie des Disco-Klassikers „I‘m so excited“ – wurde von diesem so herrlich überdrehten und bestens aufgelegten Duo, das übrigens auch den zweiten Auftritt am Samstagabend ausverkaufen sollte, mit jeder Menge Körpereinsatz gesungen und getanzt. Und natürlich hatte es was von Karneval, Jux und Spaß, wenn Ham zusammen mit dem Publikum den Bata-Illic-Gassenhauer „Michaela“ zum besten gab - aufgeteilten Refrain inklusive.

Ham & Egg gehören zum Rotationstheater wie der Ensemble-Name zum englischen Frühstück. Deswegen gab es, neues Programm hin oder her, Songs, die einfach nicht fehlen durften. Wie die Trude-Herr-Nummer von Egg. Da gab es Kabarett-Momente, die durchaus ein wenig zotig waren. „Wissen Sie, was Impotenz ist? Das ist, wenn man mit Spaghetti Mikado spielen will.“

Selbstredend gehörte zu einer Nummer über das schwergewichtige Kölner Urgestein auch Musik dazu. Die beiden Trude-Herr-Klassiker schlechthin – natürlich „Ich will keine Schokolade“ und „Niemals geht man so ganz“ – erklangen herrlich authentisch. Trude Herr dürfte im Himmel auf ihrer Wolke bestimmt ein Tränchen der Rührung verdrückt haben, als Egg wieder von der Bühne ging.

Das Duo hatte sein Publikum jedenfalls fraglos in der Hand. Wie eigentlich immer. Ein Fingerschnipsen auf der Bühne genügte, und schon reagierten die Travestiefreunde mit Gelächter, Applaus und freudigem Mitklatschen. Und doch: Die opulenten Kostüme waren doch der eigentliche Star. Jedes Mal, wenn Ham oder Egg mit einer neuen der völlig aberwitzigen Kreationen auf die Bühne kamen, ging ein anerkennendes Raunen durchs Publikum. Etwa wenn Ham zur Medienkritik „Was sagt wohl der Sender?“ in einem gigantischen Outfit mit mehreren blinkenden Tablets und Monitoren die Bühne betrat. Überall blinkte, glitzerte und blitzte es, die Kopfbedeckungen trotzten allen statischen Mindestanforderungen, und dass die beiden Künstler sich teils in nur wenigen Minuten komplett umzogen, war eine weitere Höchstleistung, die vom Publikum honoriert wurde.