Totschlag: 81-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Absichtlicher Unfall in Wuppertal : Totschlag: 81-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Im Prozess gegen einen 81 Jahre alten Mann, der keinen anderen Sinn im Leben mehr sah, als mit seiner Ehefrau in den Tod zu gehen, stand jetzt das Urteil an.

An der Grenze des emotional Erträglichen waren die Schilderungen des Mannes einer glücklichen Ehe, in der ihn eine geliebte, demente und intensiv gepflegte Ehefrau nicht mehr erkannte.

In seiner Verzweiflung hatte der Angeklagte alles minutiös vorbereitet. Er hatte eine Garage in Lennep gemietet, in der er mit seiner Frau zusammen sterben wollte. Die Nachlassregelung war abgeschlossen. Ein aufmerksamer Hausmeister in der Garagenanlage vereitelte schlussendlich den Plan. Ein Bestechungsversuch, um dessen Anruf bei der Polizei zu stoppen, blieb ohne Erfolg. Es folgte die panische Flucht Richtung Wuppertal-Beyenburg – in der Angst, von der Polizei verfolgt zu werden. Dann der Aufprall am Alleebaum, den beide zwar überlebten, an dessen Folgen aber die Ehefrau zwei Wochen später starb.

Das Gericht hatte nun die undankbare Aufgabe, die Schuld des Angeklagten zu bewerten. Bestritten hatte er nichts. Im Gegenteil, er hatte alles ohne Umschweife erzählt. Bedauern würde er nur, dass er selbst überlebt habe. Und, dass andere Menschen in diese Tragödie mit hineingezogen worden seien. Der Staatsanwalt hatte unter Berücksichtigung des Alters und der familiären Situation einen minderschweren Fall erkannt und eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten gefordert. Begründung: „Es war keine selbstsüchtige Tat. Seine erkrankte Frau war für ihn keine Last, der er sich entledigen wollte.“ Der Angeklagte sei durch die Tat selbst am meisten gestraft.

Das Gericht wies darauf hin, dass man bei einem solchen Vorgehen keinesfalls von Sterbehilfe sprechen könne. Zu einem sei dies vom Gesetz her nicht erlaubt, zum anderen setze diese eine freie Willensbekundung der Frau voraus. Die sei dazu aber schon lange nicht mehr in der Lage gewesen. Auch und gerade deshalb sei die Frau seine Schutzbefohlene gewesen. Der Entschluss, nach einem gemeinsamen Leben auch gemeinsam zu sterben, sei wohl verständlich, aber rechtlich nicht vertretbar. Die Hartnäckigkeit, mit der der Angeklagte seinen Plan bis zum Ende verfolgte, sei eher straferschwerend. Dessen bisher unauffälliges Verhalten, das volle Geständnis und auch die Gewissheit, dass keine Wiederholungsgefahr bestehe, ließ das Gericht die Forderung des Staatsanwalts annehmen und als Bewährungsstrafe aussprechen. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe von 3000 Euro zugunsten des Kinderhospizes Bergisches Land auferlegt.

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