Interview mit Sally Haas „Ich bin selbstständige Unternehmerin“

Remscheid · Die Remscheiderin Sally Haas ist bei „The Voice of Germany“ erfolgreich. Im Interview spricht sie über ihr Leben als Influencerin.

 Erst bei „Germany’s Next Topmodel“, nun bei „The Voice“: Sally Haas.

Erst bei „Germany’s Next Topmodel“, nun bei „The Voice“: Sally Haas.

Foto: Sat.1/ProSieben/Thomas Pritschet

Sally, Du konntest zwei von vier Juroren bei der TV-Show „The Voice of Germany“ mit Deiner Performance überzeugen. Hast Du damit gerechnet?

Haas Ganz ehrlich – ich habe wirklich nicht damit gerechnet. Die Option, dass sich kein Coach für mich herumdrehen würde, war in meinem Kopf ebenfalls präsent und ich hatte mich auch darauf eingestellt. Umso größer war die Freude, dass ich Alice und Mark (Anm. d. Red.: Alice Merton und Mark Forster) überzeugen konnte.

Sido hat es nicht so gefallen. Du hättest Dir eine Zusammenarbeit mit ihm gewünscht. Bist Du enttäuscht?

Haas Enttäuscht wäre übertrieben. Ich habe mir Sido zwar als Coach gewünscht, aber einfach nur, weil ich mich seiner Musik sehr nahe fühle. Alle Coaches sind mit ihrer Erfahrung eine gute Wahl. Klar hätte ich auch gerne alle vier Coaches von mir begeistert, aber das ist ja das Schöne an Musik – jeder versteht oder fühlt sie auf seine Weise.

Wie aufgeregt warst Du vor Deinem Auftritt?

Haas Ich war schon sehr aufgeregt, was man auch ein wenig an meiner Stimme gehört hat. Durch meine temporäre halbseitige Gesichtslähmung war ich natürlich auch etwas verunsichert – aber ich wollte diesen Auftritt so sehr. Deswegen kam für mich nicht infrage, nicht anzutreten. Wenn man etwas mit Leidenschaft macht, das aber bisher noch nicht vor großem Publikum, dann ist das ein ganz besonderer Moment. Es fühlt sich ein bisschen so an, als ob man ein Geheimnis erzählt und darauf wartet, wie die anderen es bewerten. Ich möchte mit meiner Musik und meiner Stimme die Menschen erreichen und bin deshalb froh, dass es so ausgegangen ist.

Warum hast Du Dir den Song „Riptide“ von Vance Joy ausgesucht?

Haas Der Song fasziniert mich schon seit seinem Release. Er gehört zu den Songs, die ich unfassbar gerne singe, auch wenn er nicht ganz einfach ist. Der Song kann so viele unterschiedliche Stimmungen erzeugen, dass ich ihn singe, wann es nur geht.

Wie geht’s jetzt weiter? Welche Chancen rechnest Du Dir im weiteren Verlauf aus?

Haas Als nächstes stehen die Battles an. Hier treten wir innerhalb des Teams gegeneinander an. Alice hat viele starke Talente ins Team geholt. Ich freue mich auf die gemeinsame Zeit mit den anderen und auf das, was ich noch dazulernen kann.

Wie ist die Stimmung unter den Kandidaten?

Haas Freundlich und kollegial. Das schätze ich auch so sehr an Musikern und Künstlern. Man unterstützt sich und fördert die anderen auch darin, besser zu werden. Denn es geht um die Musik. Natürlich wissen wir, dass wir Konkurrenten sind, aber irgendwie ist das zweitrangig. Wir wissen alle sehr zu schätzen, was wir hier lernen dürfen.

Du hast gesagt, dass „The Voice of Germany“ vorurteilsfreier sei als „Germany’s Next Topmodel“, wo du ja auch dabei warst. Stimmt der Eindruck noch immer?

Haas Am Ende des Tages sind beides TV-Shows, das ist klar. Jedoch machen gerade die Blind Auditions bei „The Voice“ den Reiz aus. Man steht auf der Bühne und hat nur seine Stimme, die entweder gefällt oder nicht. Dabei kommt es also nicht darauf an, in welche Rolle man „schlüpfen“ kann oder wie der Kunde einen wohl äußerlich bewerten könnte. Nicht falsch verstehen – ich mag das Modeln sehr, gerade auch, dass ich dort viele Facetten haben kann. Aber es ist ein ganz anderes Geschäft.

Was erwartest Du von der Zusammenarbeit mit Alice Merton?

Haas Alice hat sich auch sehr jung in das Musikbusiness eingearbeitet, schon früh ihr eigenes Label gegründet, um unabhängig zu sein und ihr eigenes Ding machen zu können. Hier sind wir uns sehr ähnlich. Ich hatte vorher noch nie ein Vocal-Coaching oder klassischen Gesangsunterricht, auch die Vorbereitung für einen Bühnenauftritt habe ich vorher noch nie professionell gehabt. Deswegen ist gerade alles, was ich von Alice und ihrem Team lerne, so wertvoll für mich.

Warum hast Du Dich für sie entschieden und nicht für Mark Forster?

Haas Mark ist ein echt netter Typ und es liegt nicht an ihm. Seine Musik ist nur nicht nach meinem Geschmack und deshalb fühlte ich mich mehr zu Alice hingezogen.

Kannst Du Dir eine Karriere im Musikbusiness vorstellen?

Haas Es wäre ein Wunsch, im Musikbusiness Fuß fassen zu können. Musik war für mich immer schon ein Thema. „Germany’s Next Topmodel“ hat sich zufällig ergeben und ich bin diesem Zufall sehr dankbar. Deswegen ist es mein Ziel, mehr Musik und meine eigene Musik machen zu können – und das Modeln weiter auszubauen.

Hast Du Dir schon die Reaktionen Deiner Follower angesehen?

Haas Natürlich habe ich mir die Reaktionen angesehen und es berührt mich sehr, dass so viele mich und meine Stimme gut fanden. Die Frage kommt vielleicht, weil es natürlich auch kritische Stimmen wegen meiner Berufswahl oder der Teilnahme an zwei Castingshows gab. Dazu kann ich nur sagen: Chancen sollte man ergreifen, wenn man sie bekommt, unabhängig davon was andere dazu sagen. Influencer ist zwar kein anerkanntes Berufsbild, aber, wenn man es haupterwerblich macht, genauso eine Dienstleistung wie jede andere. Ich bin selbstständige Unternehmerin und vermarkte mich als Marke. Ich muss mich selber um meine Krankenversicherung kümmern, muss Buchhaltung und Steuern machen, Verträge prüfen und schließen. Anfragen abarbeiten und dann auch noch die Inhalte erstellen – das bedeutet mehr als nur mal eben ein paar Bildchen zu machen. Ich kann verstehen, dass einige mit diesem Job noch nicht viel anfangen können, würde mir aber wünschen, dass es weniger Vorurteile geben würde.

Und was hat Deine Familie zu Deinem Erfolg gesagt?

Haas Die Reaktionen waren ja auch im TV sehr gut zu sehen. Alle sind absolut begeistert gewesen. Meine Familie und Freunde wissen, wie viel mir die Musik bedeutet. Deswegen war der erste Buzzer auch für sie ein Riesen-Ding.

Welcher Auftritt Deiner Mitkandidaten hat Dir am besten gefallen?

Haas Diese Jahr sind ja einige Talente aus dem Bergischen Land vertreten, was mich sehr freut. Darüber hinaus finde ich, dass alle Talente ihre Besonderheiten und ihren eigenen Reiz haben. Persönlich fand ich den Auftritt von Selina Schulz genial.

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