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Remscheid: Terrorgefahr - Polizei stärkt Wachdienst

Remscheid : Terrorgefahr - Polizei stärkt Wachdienst

Nach dem blutigen Attentat von Paris werden im bergischen Städtedreieck die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Auch wenn Treffpunkte in Solingen und Wuppertal aufgelöst sind, gilt die Region weiter als Salafisten-Hochburg.

Das eiskalte, brutale Vorgehen der Pariser Attentäter auch gegen französische Sicherheitskräfte hat auch im Polizeipräsidium Wuppertal tiefe Spuren hinterlassen. "Viele Kollegen waren geschockt", sagt Polizeisprecher Christian Wirtz. "Das Thema ist tief im Bewusstsein eines jeden Beamten", sagt der Sprecher des Wuppertaler Präsidiums, das auch für die Sicherheit in Remscheid und Solingen zuständig ist. "Wir gehen sensibel und mit geschärften Sinnen vor." Bei der Eigensicherung gibt es bereits seit einigen Jahren die Anweisung, bei Außeneinsätzen kugelsichere Westen unter der Dienstkleidung anzulegen. Bei besonderer Gefahr liegen dickere Schutzwesten in den Wachen und Dienstfahrzeugen bereit.

Bei der Einschätzung der Sicherheitslage im Städtedreieck übernimmt das Wuppertaler Präsidium die Sprachregelung von LKA und BKA. Tenor: Die Gefährdung ist abstrakt hoch, Anschläge sind also jederzeit möglich, Hinweise auf konkrete Ziele gibt es auch im Bergischen nicht. Gleichwohl hat die Polizei "die Schutzmaßnahmen an mehreren Objekten verstärkt". Nähere Angaben macht Wirtz aus taktischen Gründen nicht. Immer wieder waren Synagogen und jüdische Einrichtungen Anschlagsziele, zuletzt in Hamburg auch ein Verlagshaus.

Das Bergische bleibt eine Hochburg des Salafismus, auch nachdem 2012 die Millatu Ibrahim Moschee in Solingen von Polizeikräften durchsucht und geschlossen wurde. Auch das salafistische Zentrum an der Klopphausstraße in Wuppertal ist seit Ende Dezember dicht, nachdem der private Mietvertrag gekündigt und eine städtische Nutzungsgenehmigung für das ehemalige Industriegebäude entzogen wurde.

Die Zahlen sprechen für sich: Die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden gehen von etwa 150 Personen aus, die aus NRW in die Krisenregionen Syrien und Irak ausgereist sind. Etwa 20 Prozent dieser ausgereisten Islamisten sind nach Angaben der Behörden bislang wieder nach Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt. "Bei mehreren dieser Personen muss davon ausgegangen werden, dass sie sich für den Islamischen Staat (IS) an Kampfhandlungen beteiligt haben", berichtet das Landeskriminalamt. 19 dieser in Kampfgebiete ausgereisten Personen kommen nach früheren Angaben des Präsidiums allein aus Remscheids Nachbarstadt Solingen. Dort hat es in den vergangenen Monaten auch immer wieder Prozesse gegen Salafisten gegeben, die an den Maikrawallen 2012 in der Klingenstadt beteiligt waren, bei denen Salafisten gewaltsam gegen die Polizei vorgingen. Zuletzt hatte ein Interview des CDU-Politikers Jürgen Todenhöfer für Aufsehen gesorgt, der bei einer Reise ins syrische Kampfgebiet Kontakt zu 80 deutschen Salafisten aufgenomen hatte. Darunter war auch der Solinger Christian David Ende, mit dem er sich ablichten ließ. Der junge Mann, der sich seit 2011 im Fokus der Sicherheitsbehörden befindet, gilt als kampferprobt und gefährlich.

(RP)