Remscheid: Technische Revolution in 3-D

Remscheid: Technische Revolution in 3-D

Das Remscheider Traditionsunternehmen Vaillant ist für Innovationen bekannt. Die jüngste Neuheit wurde am Freitagvormittag offiziell in Betrieb genommen: 3D-Cube heißt sie, dabei handelt es sich um ein Kompetenzzentrum für digitale 3D-Druckverfahren (3 D heißt dreidimensional).

Rainer Lang, Chefentwickler im Bereich Wärmepumpen, machte die Kostenersparnis an einem einfachen Beispiel sehr deutlich: "Bei der Wärmepumpenentwicklung gibt es viele Einzelteile und Elemente, die verbaut werden. Eine davon betrifft die Luftführung." Bei dieser gehe es in erster Linie darum, dass die Luft möglichst leise transportiert werde. Dazu müsse man verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, um die optimale zu finden; dies geschehe durch den Bau von Prototypen.

"Der Bau eines solchen Prototypen dauert auf konventionelle Weise etwa ein Vierteljahr. Die anfallenden Kosten belaufen sich auf rund 15.000 Euro, abhängig von den verwendeten Rohstoffen", sagte Lang. Dagegen entstünden beim 3D-Druck Kosten von etwa 500 Euro, gedruckt werde der Prototyp in ein bis zwei Tagen. "Das macht den gesamten Entwicklungsprozess flexibler und verkürzt Innovationszyklen in der Produktentwicklung", betonte Schiedeck. Brinkbäumer erklärte das Laser-Sinter-Verfahren, das hinter dem 3D-Druck stehe: "Ein Pulver wird auf 170 Grad aufgeheizt und vom Laser zu einer festen Masse verdichtet. Dadurch bekommen wir sehr hohe Genauigkeiten, die wir für die Serienproduktion brauchen."

Ein weiterer Vorteil sei die Flexibilität. "Es gibt keine geometrischen Beschränkungen mehr", sagte Brinkbäumer. Alles sei machbar, es gehe nur noch darum, die bestmögliche Funktion des jeweiligen Einzelteils herauszufinden: "Man fragt nicht mehr: Wie stelle ich das Teil her? Man überlegt: Was ist seine beste Funktion? Und dann macht man", sagte Brinkbäumer. "Das macht das Verfahren so faszinierend. Diese Freiheit erfordert aber jetzt ein Umdenken unserer Mitarbeiter." Darauf wolle man das Team im Prototyping-Bereich schulen. Brinkbäumer: "Wir können jetzt viel einfacher ausprobieren - lieber zweimal drucken, als später kostenintensiv an der Maschine nachbessern zu müssen."

Der 3D-Druck erfolge vollständig digital und datenbasiert: "Es werden keinerlei Werkzeuge eingesetzt oder manuelle Arbeiten durchgeführt", sagte Brinkbäumer. Zudem sei das Verfahren auch für Ersatzteile eine praktikable Lösung. Lang sah die Zukunft indes in der Fertigung ganzer Maschinen: "Es wurde etwa bereits eine Schwingschleifmaschine komplett gedruckt - mit der gleichen Funktionalität und Effizienz einer konventionell hergestellten Maschine. Das ist für mich eine kleine Revolution", sagte Lang.

(RP)