Tagesmütter organisieren sich

Tagespflege in Remscheid : Tagesmütter organisieren sich

Tagesmütter haben sich auf die Fahne geschrieben, das Image ihres Berufs zu verbessern und eine Lobby aufzubauen. Insgesamt 290 Kinder gehen in Remscheid derzeit in die Tagespflege.

Die Tagesmutter als Notlösung, wenn es mit dem Kindergarten nicht klappt? Die Kindertagespflege als Aufbewahrungsanstalt? Regine Zins und Susanne Kammerhoff von der Kindertagespflege „Kinderkosmos“ und Anke Thomas von der Kindertagespflege „Wilde Hummeln“ haben schon viele Vorurteile gehört. Sie wollen damit aufräumen. „Wir müssen etwas gegen das Bild im Kopf tun, dass Kinder bei Tageseltern von jemand Unqualifiziertem beaufsichtigt und vor den Fernseher gesetzt werden“, bringt es Anke Thomas auf den Punkt. So sehe die Kindertagespflege heute nirgendwo aus – trotzdem würden das viele vermuten.

„Deshalb haben wir es uns auf die Fahne geschrieben, das Image der Tageseltern zu verbessern und eine eigene Lobby aufzubauen“, sagt Regine Zins. In einem ersten Schritt haben die Tagesmütter zusammen mit anderen Mitstreitern die Kommunalgruppe Remscheid im Berufsverband für Kindertagespflegepersonen NRW gegründet. Mit Flyern machen sie auf sich aufmerksam – und erklären klar und deutlich: Die Kindertagespflege hat sich professionalisiert und bietet gerade im Bereich der Kinder unter drei Jahren eine echte Alternative zur Betreuung im Kindergarten.

„Mit der Gründung der Kommunalgruppe haben wir Gleichgesinnte hinter uns, das hilft uns, stark zu sein“, sagt Kammerhoff, die hofft, dass sich noch viele weitere Tageseltern anschließen. Schließlich ist die Zahl der Tagespflegepersonen beachtlich: 69 gab es im Juni in Remscheid. Insgesamt betreuten sie 290 Kinder. „Trotzdem wissen viele nicht, wie die Kindertagespflege genau aussieht“, sagt Zins.

Sie und Kammerhoff – beide sind ehemalige Krankenschwestern – betreuen in ihrer Einrichtung an der Wilhelmstraße neun Kinder unter drei Jahren. Dafür stehen mehrere Räume bereit. Es gibt Möglichkeiten zu spielen, zu toben, sich zurückzuziehen. In der Küche wird jeden Tag frisch gekocht – dass es sich nicht um einen Kindergarten handelt, ist nur daran festzumachen, dass eben nur neun Kinder betreut werden. „Es gibt Eltern, die gerade so etwas für ihre Kinder suchen“, sagt Zins. Die Gruppe ist klein, auch die Kleinsten gehen im Trubel nicht unter. „Unser Jüngster ist gerade einmal acht Monate alt – und es funktioniert“, berichtet Thomas von ihrer Kindertagespflege „Wilde Hummeln“ an der Kremenholler Straße.

Damit die Kinder auch pädagogisch gefördert werden, müssen sich Tagesmütter qualifizieren – 160 Stunden sind Minimum, eine Erhöhung auf 300 Stunden werde derzeit angestrebt, erklären die Tagesmütter, die selbst jede Menge Zusatzausbildungen vorweisen können. Das Jugendamt kontrolliert die Einrichtungen regelmäßig. „Da können Eltern auch sicher sein, dass ihre Kinder gut betreut werden“, sagt Kammerhoff: „Und später gut vorbereitet in den Kindergarten kommen.“ Trotzdem gebe es immer noch viele Eltern, die mit dem Konzept nichts anfangen können, von unqualifiziertem Babysitterersatz ausgehen oder auch nicht wissen, wie die Tagespflege funktioniert. Bei den „Wilden Hummeln“ und im „Kinderkosmos“ ist nach drei Jahren Schluss. „Trotzdem gibt es immer wieder Anfragen von Eltern, die ihre Kinder mit zweieinhalb bei uns anmelden wollen“, sagt Thomas. Die wiederum gehören dann schon eher in den Kindergarten. Die Tagesmütter sind sich einig: Die Anmeldung älterer Kinder hängt auch damit zusammen, dass es an Kindergartenplätzen fehlt.

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