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Tag der Städtebauförderung​: Spurensuche in der Remscheider Innenstadt

Stadtführung am Tag der Städtebauförderung : Auf Spurensuche in der Remscheider Innenstadt

Gästeführer Daniel Sieper lud am Samstag zum „Tag der Städtebauförderung“ zu einer spannenden Tour ein, um die Entwicklung der neusten Projekte vom Friedrich-Ebert- bis zum neuen Quartiers-Platz in Stachelhausen zu beleuchten.

Mit einer eleganten Handbewegung zieht Daniel Sieper ein laminiertes Schwarz-Weiß-Bild aus seiner Umhängetasche, das einen fremden Straßenzug zeigt. Er grinst. „So sah das früher hier aus“, sagt er keck und deutet auf die Ecke der Commerzbank im Rücken der Gruppe zwischen Friedrich-Ebert-Platz und Markt. Nicht das erste Mal an diesem Vormittag, dass die Teilnehmer der Führung erstaunt und neugierig das Bild unter die Lupe nehmen.

Nur mit viel Fantasie lässt sich die fast 80 Jahre alte Momentaufnahme von damals auf das heutige Bild der Straße übertragen. Ähnlich wie die Aufnahmen, die Sieper zuvor vom Friedrich-Ebert-Platz gezeigt hatte. Ein Bild, was sich auch für die kommenden Generationen ändern wird, wenn der zentrale Busbahnhof bis 2025 umgebaut wird.

Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten den einstigen Anblick der Stadt, der mühsam nach dem Ende des Krieges wieder funktional aufgebaut werden musste. Einige Gebäude allerdings, wie die alte Böker-Villa, blieben erhalten. „Diese Villa gehörte Ferdinand Böker“, berichtet der Gästeführer. Nach dessen Tod wurde sie einer englischen Lesegesellschaft überlassen, danach zog die Stadtbücherei in die Räumlichkeiten ein, später die Musik- und Kunstschule, erzählt Sieper weiter. Heute gehört die Villa – nach hitziger Debatte im Rat und der Aussicht für die heimische Gründerschmiede, das denkmalgeschützte Gebäude für die Start-up-Szene zu entwickeln – der Küpper-Gruppe, die neben Büroräumen auch eine Gastronomie im Erdgeschoss eröffnen will.

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Die Bökers waren in Remscheid eine einflussreiche Familie, die in mehrere Bauten und Ländereien besaßen, Firmeninhaber waren und denen heute noch sehr prominente Sehenswürdigkeiten wie die Remscheider Talsperre zu verdanken sind. Ferdinand Bökers Neffe Robert etwa ließ unter anderem nicht nur die Eschbachtalsperre bauen, sondern brachte nach einem Besuch in San Francisco und einer Fahrt mit der dort typischen Cable Car die Straßenbahn nach Remscheid. Spuren davon sind heute noch am Markt zu sehen, wo ein Teil des alten Schienenverlaufs noch im Boden zu sehen ist.

Doch auch auf diesem Abschnitt hat sich mit den Jahren einiges verändert. Ganz neu sind kürzlich die kleinen Holzterrassen entstanden, die den Gastronomen eine zusätzliche Fläche für schöne Sommerabende bietet. Die Alte Bismarckstraße soll im Zuge der Städtebauförderung zu einer Bar- und Kneipenmeile entwickelt werden.

Die Teilnehmer der Gruppe sind geteilter Meinung. Schön seien die Terrassen, aber durch den benötigten Platz sei der Parkdruck noch größer geworden. „Hier parken die Leute jetzt kreuz und quer, sodass man da nicht mehr richtig durchkommt“, berichtet einer der Teilnehmer, der ein härteres Durchgreifen fordert. „Hier muss mehr kontrolliert werden.“ Auch die Terrassen selber überzeugen ihn nicht ganz, schließlich könnten Essensreste zwischen den Dielen in die Hohlräume fallen, was Ratten anlocken könnte.

Die Tour führt die Gruppe weiter zum Hauptbahnhof, in die Nähe des neugebauten Berufskollegs – ein Areal, das ursprünglich auch der Familie Böker gehörte. Die neue Schule, berichtet Baudezernent Peter Heinze dann solle im kommenden Schuljahr seinen Betrieb aufnehmen. Während der Sommerferien würde der Umzug stattfinden. Eine moderne Bildungsstätte mit perfekter Anbindung.

Der Trasse des Werkzeugs folgend, erreicht Gästeführer Daniel Sieper nach gut zwei Stunden das Ziel der Tour: Der Platz unterhalb der Kraftstation, der in den kommenden Wochen und Monaten zu einem neuen Quartiersplatz entwickelt werden soll. Spannende Einblicke, urteilt am Ende Teilnehmerin Birgit Trunk: „Solche Führungen sind immer sehr interessant. Man erfährt viele Dinge und lernt seine Stadt von einer anderen Seite kennen.“