Remscheid: Tänze in Welten voller Wunder

Remscheid: Tänze in Welten voller Wunder

Die "Compagnie Infinity" des Teo Otto Theaters ist in den vergangenen Monaten fleißig gewesen. Die jungen Tänzerinnen fiebern ihrem Auftritt am kommenden Sonntag entgegen.

Grazil. Federleicht. Und doch voller Spannung und Kraft. Das sind nur einige Attribute, die dem Betrachter durch den Kopf gehen, wenn er die jungen Frauen der "Compagnie Infinity" beim Proben irgendwo im Obergeschoss des Teo Otto Theaters beobachtet.

Die acht Tänzerinnen im Alter zwischen 17 und 24 Jahren sind von der Choreographin und künstlerischen Leiterin Michèle Bialon im September des Vorjahres in einem Casting ausgewählt worden. Seitdem haben sie in intensiven Proben einmal in der Woche Bialons Programm "Von Weiten, die voller Wunder sind" einstudiert. Die Aufführung ist bereits am nächsten Sonntag, 17. Juni, 16 Uhr.

Die Zeit drängt, denn es gibt noch die eine oder andere Ecke "zu putzen", wie Bialon es ausdrückt, sie also zu üben, bis alles richtig sitzt und jede Bewegung, jeder "Move" und jede Gestik perfekt ist. "Wir müssen schnell ans Ziel, das stimmt", bestätigt Bialon. In einer normalen Ballettschule habe man ein Jahr Zeit, um einen Tanz einzustudieren. Die "Compagnie Infinity" präsentiert hingegen ein über 100 Minuten langes Programm mit fünf großen Tänzen, zwei Kleingruppentänzen, einem Duett, vier Solotänzen, zwei Improvisationen und drei gestalteten Texten.

Das Programm hatte Bialon im Groben bereits zum Casting fertig. "Dann zeige ich den Bewerbern, was ich vorhabe, ich stelle Teile der Choreographie und der Musik vor", sagt Bialon. Es zählen natürlich die tänzerischen Fähigkeiten der Bewerber. Aber auch der Teamgeist. "Der ist enorm wichtig, deswegen schaue ich auch, wie die Gruppe zusammenpasst", sagt Bialon, die schon seit vielen Jahren die Compagnie im Teo Otto Theater leitet. So gebe es etwa bei der Choreographie "Es lebt" eine Szene, in der die Tänzerinnen einander auffangen müssen. Das sei für das Ensemble überhaupt kein Problem gewesen. Es gebe keinen festen Turnus, in dem die Compagnie aktiv werde, die Kreativität könne und solle nicht erzwungen werden. "Wir haben eine dreijährige Pause gemacht, einfach um Ideen zu sammeln und zu entwickeln. Und jetzt war es eben wieder einmal soweit", sagt Bialon lachend.

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Die Grundidee des Programms ist es, mit dem Publikum aus einem Studierzimmer hinaus in das Weltall zu reisen, die Sterne zu besuchen und sich immer weiter von der Sonne wegzubewegen - eben hinein in "Welten, die voller Wunder sind". Dabei besuchen die jungen Tänzerinnen etwa den Merkur, bei dem sie sich tanzend aus den einengenden, schwarzen Kostümen schälen, unter denen burgunderrote Kleider zum Vorschein kommen. Eindrucksvoll ist auch der Mars, der mit arabisch angehauchten Bauchtanzelementen überrascht. Die fließenden und weichen Bewegungen wirken großartig, während die Hüften kess geschwungen werden und jede einzelne und zackige Handbewegung wie am Reißbrett konstruiert sitzt. Dazu begeistert ein perfekt einstudierter Fächertanz, der deutlich macht, welch intensive Probenarbeit bereits hinter der Compagnie liegt.

Aber neben dem Tanz ist auch der poetische, schauspielerische Ausdruck der jungen Tänzerinnen gefordert. "Unsere Mädchen bringen das Gesamtpaket mit", sagt Bialon. Zusammen mit Christoph Güldenring, selbst langjähriger Schauspieler am Westdeutschen Tourneetheater, hat Bialon drei gestalterisch umgesetzte Texte entwickelt. Bei einem müssen die Tänzerinnen etwa verschiedene Zustände wie Angst, Hitze, Erstaunen oder Freude umsetzen, was ebenfalls grandios gemacht wird. Die dazu passende Musik umschreibt das "Erwachen in einer fremden Welt" hervorragend und lässt den Betrachter ganz und gar in der Situation aufgehen.

Unterstützt werden die acht jungen Frauen von 22 Mädchen, die ebenfalls in der Tanzschule von Bialon lernen: "Die wurden allerdings nicht gecastet, sondern konnten sich einfach anmelden", sagt die Tanzlehrerin, die das Studio B in Lüttringhausen leitet. Die Mädchen sind im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren. Jungs hätten übrigens durchaus mitmachen können, wie Bialon anmerkt: "Aber es ist bei uns nun einmal so, dass das Tanzen nach wie vor eine weibliche Disziplin ist - was ich sehr schade finde." Zwei Schauspieler, die die Texte sprechen, runden das Ensemble ab.

(RP)