Sven Graf stellt sich als neuer künstlerischer Theaterleiter vor.

Kulturpolitik : Ein Gespür fürs Publikum entwickeln

Sven Graf, neuer künstlerischer Leiter des Teo Otto Theaters, stellte sich am Dienstag im Rathaus vor. Er will mit seiner Theaterarbeit das kulturelle Leben der Stadt gestalten und die Zugänglichkeit für jedermann sicherstellen.

Ein Gespür, welche  Aufführungen und Inszenierungen in einer Stadt gut ankommen könnten, hat Sven Graf als Projektleiter der Konzertagentur Landgraf entwickelt. Der neue künstlerische Leiter des Teo Otto Theaters will nun mit den Mitteln der Theaterkunst dem kulturellen Leben Remscheids neue Energie geben. „Es war immer mein Wunsch, das kulturelle Leben einer Stadt zu gestalten“, sagte Graf am Dienstag bei der Vorstellung im Rathaus. Er sieht sich nicht als einen Bewohner des Elfenbeinturms, der sich schöne Programme ausdenkt. Er sieht sich als Vermittler, der den Dialog über die Themen und Formen, die auf der Bühne verhandelt werden, ermöglichen will. Theaterarbeit bedeutet für ihn nicht nur, Inszenierungen nach Remscheid zu holen. Er will verschiedene Dinge ausprobieren, um die Menschen zwanglos in Gespräche zu verwickeln.

Er meidet dabei den Begriff Theaterpädagogik. Mit Belehrung habe seine Arbeit nichts zu tun. Vielmehr will er über unterschiedliche Arten der Kommunikation erreichen, dass das Teo Otto Theater sich zu einem Ort weiter entwickelt, der für jedermann zugänglich ist. Theaterkunst soll helfen, dass eine „Harmonie der Diversitäten“  entstehen kann. Dabei spielt die Bevölkerungsstruktur der Werkzeugstadt eine wichtige Rolle für ihn. In Themen und Formen müsse das Theater auf die Veränderung der Stadtgesellschaft reagieren. Der Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund werde zunehmen. Das müsse sich auch im Spielplan niederschlagen.

Graf beginnt seine Arbeit am 1. September. Das Programm für die kommende Spielzeit steht. Er will die Zeit nutzen, um den verschiedenen Besuchergruppen zuzuhören. Er will erfahren, welche Wünsche sie haben, was sie vom Theater erwarten. Und er will erklären, wie er sich Theaterarbeit vorstellt, die sich mehr öffnet und einen neuen Kulturraum schaffen will.

„Qualität“ und „Unterhaltung“ bilden für ihn kein Gegensatzpaar. Beides gehört zusammen. Theaterkunst sei Handwerk. Qualität müsse in vielen Punkten sichergestellt werden, angefangen bei den Schauspielern, den Regisseuren, den Bühnenbildnern und der Dramaturgie. Ein Auswahlkriterium sei auch die Relevanz. Ist Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ heute noch interessant? Oder riecht der Klassiker nur nach Schulstoff? Für Graf stecken in dem Stück viele gegenwärtige Themen: Ein Mann verliert seinen Job, weil er zu alt ist und es nicht mehr bringt. Die Balance zwischen Leben und Arbeit hat er nie erreicht. Es droht Altersarmut. Er schliddert in einen Burnout und eine Depression, die zum Selbstmord führt.  Willy Lomann ist ein Zeitgenosse, wenn man über diese Begriffe die Zugänglichkeit zum Stück ermöglicht.

Sven Graf hat das erste pädagogische Staatsexamen in den Fächern Musik, Germanistik und Theologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg abgelegt. Doch schon früh ist er mit dem Theater fremd gegangen. Er studierte später in Berlin Kulturmanagement. Gestern hat sich der 37-Jährige Wohnungen angeschaut, um ab September in Remscheid präsent zu sein und ein Gespür fürs Publikum zu entwickeln.

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