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Remscheid: Streik – Verdi zeigt Flagge, Bürger gelassen

Remscheid : Streik – Verdi zeigt Flagge, Bürger gelassen

Trotz der Arbeitsniederlegung bei den Stadwerken, in Kitas und in der Stadtverwaltung blieb das Chaos aus. Bürger hatten sich auf die Einschränkungen eingestellt. Später mehrten sich die Staus.

Der Warnstreik im Öffentlichen Dienst hat Remscheid gestern nicht lahm gelegt. Durch die frühzeitige Information hatten sich alle auf die Einschränkungen im Nahverkehr gut vorbereitet. Die Busse der Stadtwerke blieben im Depot, am Friedrich-Ebert-Platz herrschte tagsüber ein Betrieb wie sonst an einem Sonntagmorgen. Allerdings bildeten sich am Nachmittag auf den Hauptverkehrsstraßen lange Staus.

 Lautstarker Protest bei der Gewerkschafts-Kundgebung auf dem Friedrich-Ebertplatz: Einige hundert Teilnehmer hatten die Arbeit niedergelegt, auch um für ihre Tarifforderungen zu werben.
Lautstarker Protest bei der Gewerkschafts-Kundgebung auf dem Friedrich-Ebertplatz: Einige hundert Teilnehmer hatten die Arbeit niedergelegt, auch um für ihre Tarifforderungen zu werben. Foto: Hertgen, Nico (hn-)

Nur sehr vereinzelt hatten Bürger von der Streikankündigung über Presse und Medien nichts mitbekommen und standen etwas verloren an den Bushaltestellen im Stadtgebiet. Sie wussten sich zu helfen und bestellten per Handy ein Taxi. "Ab und zu hat uns mal jemand zu einer Haltestelle gerufen", berichtete Armin Schötz, Leiter der Funktaxizentrale Remscheid. Sicherlich sei mehr los gewesen als an einem normalen Werktag üblich. "Aber der Ansturm auf unsere Fahrzeuge ist ausgeblieben." Wer sich mit den Fahrplänen auskannte, konnte zumindest auf der Strecke Südbezirk — Ebertplatz auf den Kölner Bus umsteigen, der dort regelmäßig verkehrt.

 Mit Warnwesten und Flaggen zogen Beschäftigte der Stadtwerke zur Kundgebung der Gewerkschaft Verdi auf dem Ebertplatz
Mit Warnwesten und Flaggen zogen Beschäftigte der Stadtwerke zur Kundgebung der Gewerkschaft Verdi auf dem Ebertplatz Foto: .
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"Bei uns waren die Beeinträchtigungen erstaunlich gering", bestätigte auch Carlos Sánchez Martínez, Schulleiter der Sophie-Scholl-Schule. Die Gesamtschule hat einen großen Einzugsbereich und dementsprechend viele Fahrschüler. "Umso erstaunlicher war, dass der Schulweg nur in Einzelfällen nicht geschafft wurde", sagte Sánchez. Klausuren in der Oberstufe waren vorsorglich auf den nachfolgenden Tag verschoben worden.

Auch der Schienenersatzverkehr Richtung Solingen fuhr am Morgen pünktlich. Sichtbar wurden die Streikenden dann kurz vor Mittag als sie gen Stadtmitte zur Kundgebung marschierten. Auf knapp 300 Teilnehmer schätzten begleitende Polizisten den Tross. "Wir sind es wert!" lautete der Schriftzug auf den Westen, die die Männer und Frauen trugen. Bei der Begrüßung durch Lothar Reitzer vom Verdi-Verband Rhein-Wupper machten sich die Beschäftigten aus den Remscheider Kindertageseinrichtungen und den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke besonders lautstark bemerkbar.

Vertreten waren auch Mitarbeiter der Agentur für Arbeit, des Bereichs Versorgung der Stadtwerke, der Technischen Betriebe Remscheid, des Sana-Klinikums und der Stadtverwaltung. "Sogar das Ordnungsamt ist vertreten. Heute gibt's in Remscheid keine Knöllchen", scherzte Reitzer, um dann auf den Ernst der Lage zu sprechen zu kommen. 100 Euro und 3,5 Prozent mehr Entgelt seien keine unangemessene Forderung. Reitzer: "Das haben wir verdammt nochmal verdient. Wir müssen gegenüber der Privatwirtschaft aufholen."

Klaus Ellenbeck, Personalratsvorsitzender im Rathaus, fühlt sich von seinem Arbeitgeber "missachtet". Trotz "massivem Stellenabbau und Arbeitsverdichtung" müsse man um eine bessere Bezahlung kämpfen. Wenn die Kommunen jetzt die Tariferhöhung fürchteten, hänge das nicht mit der Forderung an sich, sondern mit unrealistischen Zahlen im Haushaltsplan zusammen.

Als Pendlerin betroffen vom Streik, aber solidarisch zeigte sich Petra Klemp. Sie verfolgte die Demo vom Rand aus und zeigte als Mitglied der IG Metall Verständnis für die Verdi-Kollegen. "Anders als mit einem großangelegten Streik geht es doch nicht." Wer nur mal morgens von sechs bis neun die Arbeit niederlege, könne sich öffentlich kaum bemerkbar machen. Die Bürger hatten sich auf einen ganzen Streiktag eingestellt. Ob dies bei einer längeren Arbeitsniederlegung so sein wird, bleibt abzuwarten.

(bona)