Steigende Altersarmut bei Frauen in Remscheid

Gleichstellungsbeauftragte in Remscheid warnt : Steigende Altersarmut bei Frauen

Die Remscheider Gleichstellungsbeauftragte Christel Steylaers plädiert für mehr Aufklärung. Denn in gut zehn Jahren verschlechtern sich die Verhältnisse dramatisch.

Die Altersarmut bei Frauen in Remscheid wird deutlich steigen. Das geht aus einem Bericht von Christel Steylaers hervor. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt sieht zwar in der aktuellen Zahl von 506 Frauen, die eine Grundsicherung beziehen, im Vergleich zu anderen Städten noch keine besonders auffällige Entwicklung. Aber in gut zehn Jahren ändern sich die Verhältnisse dramatisch. „Fast jede dritte, alleinstehende Frau wird dann Grundsicherung beziehen“, sagt Steylaers. Sie verweist darauf, dass nun nach und nach die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Jahrgänge, bei denen besonders Frauen gebrochene Erwerbsbiografien aufweisen. Zu ihrem finanziellen Nachteil bei der Rente.

Sofern sie nicht von Transferleistungen leben, verdienen die Männer durchschnittlich 21 Prozent mehr Geld als Frauen. Falls sie Kinder haben, verbringen sie in der Regel weniger Zeit mit ihnen; wenn sie geschieden sind, bleiben die Kinder in mehr als 90 Prozent der Fälle bei der Frau. Diese hat wiederum nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch danach ihre Arbeit unterbrochen und steigt bei ihrer Rückkehr ins Erwerbsleben häufig nur noch als Teilzeitbeschäftigte ein. Oder bleibt in Mini-Jobs hängen. Diese typischen bundesweiten Fakten treffen auch auf Remscheid zu. Nur mit einer Besonderheit. Frauen in Remscheid sind häufiger ohne Arbeit. Der Frauenanteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betrug 2017 41,5 Prozent. Der Frauenanteil an den Arbeitslosen 45,5 Prozent. Das belegen Statistiken. Das Abgleiten in die Grundsicherung scheint programmiert. Die Kosten übernimmt die Kommune. Die Grundsicherung entspricht etwa dem Niveau von Hartz IV.

An wichtigen Stellschrauben zur Bekämpfung von Altersarmut kann die Kommune nicht drehen. Steuer- und Rentenpolitik ist Sache des Bundes. Für Steylaers werden Frauen in doppelter Hinsicht benachteiligt. Zum einen werden für Frauen steuerliche Anreize geschaffen, damit sie zu Hause bleiben. Zum anderen werden sie durch niedrige Renten bestraft, weil ihnen Zeiten der Erwerbstätigkeiten später fehlen. „Wer heute nur den Mindestlohn bekommt, landet in der Grundsicherung“, sagt Steylaers. Und wer einem Mini-Job nachgeht, erwirbt einen Rentenanspruch von fünf Euro pro Jahr. Über diese Armutsfallen könne die Kommune vor Ort aufklären und gemeinsam mit den Arbeitgebern ermuntern, so früh wie möglich von Teilzeitjobs auf Vollzeitstellen zu wechseln. Betreuungsplätze für Kinder jeden Alters bilden dabei eine wichtige Unterstützung.

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Altersarmut hat viele Gesichter. Dazu gehört auch das Wohnen. In Remscheid gibt es zwar im Vergleich zu den Ballungszentren noch preiswerten Wohnraum. Aber was nutze einer Frau mit geringen Alterseinkünften eine preiswerte Wohnung, wenn die Heizkosten explodieren, weil das Haus nicht wärmegedämmt ist?, fragt die Gleichstellungsbeauftragte. Kluge Förderprogramme seien ebenfalls ein Mittel gegen Altersarmut. Zehn Jahre sind aus rentenpolitischer Sicht ein Katzensprung. „Wer heute Mitte Fünfzig ist, kann an seinen Renteneinkünften nicht mehr viel drehen“, sagt Steylaers. Es sei denn, die Bundesregierung führe eine bedingungslose Grundrente ein. Das wäre für Steylaers ein gerechter Weg und würde viele Frauen vor unwürdiger Altersarmut schützen.

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