Remscheid: Starke Wirtschaft statt sozialer Umverteilung

Remscheid: Starke Wirtschaft statt sozialer Umverteilung

Frühjahrsempfang der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung. Regierungspräsidentin als Gast.

Alexander Lampe liegt der Koalitionsvertrag schwer im Magen. Der Verlust des Finanzministeriums, ein fehlendes Bekenntnis zur Wirtschaft und die deutliche Handschrift der Sozialdemokraten - der Kreisvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU in Remscheid ließ gestern beim Frühlingsempfang kaum ein gutes Wort an den Plänen der Großen Koalition.

"Wir brauchen neue Ideen und neue Visionen", appellierte Lampe, "nicht für die soziale Umverteilung, sondern für unsere Wirtschaft". Gehe es der gut, profitiere davon auch die Gesellschaft. Und das gelte auch für Remscheid, fügte er hinzu. Es sei Zeit, um Mut zu fassen für neue Entscheidungen und die Wiederbelebung alter, guter Ideen.

Dann wurde Lampe konkret: "Wir brauchen Gewerbegebiete für Remscheid", betonte der MIT-Kreisvorsitzende. Es sei ungesund für die Stadt, wenn Unternehmen aus Remscheid wegziehen. "Wofür investieren wir in Aus- und Weiterbildung und in die Forschung, wenn uns die Industrie vor Ort wegzuschmelzen droht?", fragte er. Das Thema dürfe nicht beim Dialog mit Hückeswagen und Wermelskirchen enden. "Wir müssen da jetzt unbedingt ran", appellierte Lampe.

Unterstützung bekam er vom CDU-Landtagsabgeordneten Jens-Peter Nettekoven. Man dürfe Radevormwald nicht einfach das Feld überlassen, erinnerte er und schlug vor, auch alte Gewerbeflächen wieder herzurichten. Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher, die später das Gastreferat hielt, stellte allerdings auch fest: "Im aktuellen Regionalplan wird deutlich: Es stehen nicht alle Flächen als Gewerbeflächen zur Verfügung, die Sie sich gewünscht hatten". Aber es gebe die Möglichkeit zur Expansion - die Erdbeerfelder bei Lennep etwa dürften nach den jüngsten Beschlüssen wachsen.

Alexander Lampe wünschte sich indes mehr Bewegung: In Zeiten, in denen die USA mit Strafzöllen auch die deutsche Wirtschaft bedrohten, sei Selbstbewusstsein gefragt - auch von den Unternehmern in Remscheid. "Wir müssen uns unserer Qualitäten bewusst sein, ohne selbstgefällig zu werden", riet der MIT-Vorsitzende.

Der übergab das Mikrophon schließlich an CDU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt, der den Koalitionsvertrag engagiert verteidigte. "Weiter so" sei bei vielen Themen keine schlechte Marschroute, befand er und machte den Unternehmern Mut: "Schließlich haben wir als CDU jetzt das Wirtschaftsministerium zurück", erinnerte er. Das sei eine große Chance.

Birgitta Radermacher unternahm während ihres Vortrags einen Rundumschlag zu den Aufgaben des Regierungspräsidiums - von der Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus über Verkehr und Infrastruktur, die Unterbringung von Flüchtlingen und Kampfmittelräumung bis hin zu Breitband und Schulentwicklung. Den Pendlern in der Stadt prognostizierte sie eine umsteigefreie Verbindung nach Düsseldorf, während die Verbindung nach Köln eher nicht realisiert werden könne.

Die Regierungspräsidentin befand: "Remscheid gehört nicht zu meinen Sorgenkindern." Der Schulraum sei vor allem in Wuppertal knapp, das Personal in Duisburg. Und in Düsseldorf mache ihr die Luftqualität Sorgen. "Währenddessen ist Remscheid auf einem guten Weg raus aus dem Status der Stärkungspakt-Kommune", erklärte sie.

(RP)