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Stadtwerke Remscheid: Elektrobus hinterlässt guten Eindruck

Stadtwerke Remscheid : Elektrobus hinterlässt guten Eindruck

Die Stadtwerke haben einen eCitaro auf Herz und Nieren getestet. Mit dem Fahrgefühl sind die Mitarbeiter zufrieden. „Das Ding fährt nicht, es segelt“, sagt Vladimir Grigoryev. Auch Wasserstoffbusse sollen noch ausprobiert werden.

Die Freude ist Vladimir Grigoryev anzusehen. Der 39-Jährige ist ein erfahrener Busfahrer, seit 2005 sitzt er für die Remscheider Stadtwerke hinterm Lenkrad. So ein Fahrgefühl kannte er aber noch nicht. „Das Ding fährt nicht, es segelt“, sagt er über den eCitaro. Etwas mehr als eine Woche lang war der vollelektrische Bus in Remscheid unterwegs. Die Stadtwerke haben ihn auf Herz und Nieren getestet.

Seit zwei Jahren setzen die Verkehrsbetriebe auf Hybrid-Busse. 20 sind im Betrieb. Sie verfügen über einen Elektromotor, der die Dieselmaschine unterstützt. Ganz auf alternative Antriebe umzustellen, hat das Unternehmen als eines der „zentralen Zukunftsthemen“ identifiziert.

Der Elektrobus hat einen positiven Eindruck hinterlassen. Nicht nur bei Grigoryev, sondern auch bei Manuel Kippelt. Seit dem 1. August ist er Fahrbetriebsleiter der Stadtwerke. „Der Test ist problemlos verlaufen“, sagt der 41-Jährige. Ohne Ausfälle war das Fahrzeug aus dem Hause Daimler auf den Linien 655, 664, 669 und 240 unterwegs. Bewusst entschieden sich die Verantwortlichen für diese Strecken. Ist ein Bus dort eine Schicht lang im Einsatz, legt er etwa 125 Kilometer zurück. „Wir wollten nicht an die Grenze der Reichweite gehen“, erläutert Kippelt. Die liegt bei rund 170 Kilometern. Mehr als 200 wären für die meisten Fahrdienste in Remscheid notwendig.

Futuristisch kommt der Elektrobus optisch daher, er ist etwas höher als seine Diesel-Pendants. Das liegt nicht zuletzt an den sechs Hochvolt-Batterie-Baugruppen, die sich auf dem Dach befinden. Vier weitere sitzen im Heck. Jede hat eine Kapazität von 24 Kilowattstunden. Nachts werden sie aufgeladen. 80 Prozent sind Kippelt zufolge mit einem 32-Ampere-Anschluss in ungefähr fünf Stunden erreicht.

An einen völlig neuen Arbeitsplatz musste sich Vladimir Grigoryev nicht gewöhnen. Vieles erinnert am Steuer an die aktuellen Fahrzeuge, eine digitale Anzeige des Batterieladestands ersetzt die Tanknadel. Etwas umstellen musste sich der Fahrer dennoch. „Man muss anders mit der Energie haushalten“, erklärt er. Die Reichweite machte ihm und seinen Kollegen im Testbetrieb die größten Sorgen. Gewohnt sind sie einen noch gut gefüllten Tank, wenn sie ihr Fahrzeug ins Depot bringt. Beim eCitaro werden ihnen dagegen lediglich noch rund 30 verbleibende Kilometer angezeigt.

Darauf haben sie einen direkten Einfluss. Während es bei den Dieselmodellen darum geht, möglichst gleitend zu fahren, ist es beim Elektrobus erwünscht, möglichst oft zaghaft zu bremsen. Denn dabei wird Energie zurückgewonnen. Deshalb ist die anspruchsvolle Remscheider Topographie für die „Stromer“ kein Problem, ist Kippelt überzeugt.

Sehr zufrieden zeigen sich die Stadtwerke-Mitarbeiter mit dem Fahrgefühl. Die Lautstärke ist mit den Verbrennungsmotoren kaum zu vergleichen, fast still ist es im Inneren. Weil der Elektrobus etwas schwerer ist, einen höheren Schwerpunkt hat und stufenlos beschleunigt, ruckelt es zudem weniger. Wenn der Fahrer Gas gibt, erinnert Kippelt das an die Beschleunigung einer Straßenbahn. „Der Komfort ist deutlich höher“, sagt er. Das bestätigt Ingeborg Förster. Jeden Tag fährt die Lenneperin Bus. Ihre Premiere in der strombetriebenen Variante begeisterte sie: „Es ist viel angenehmer.“ Ginge es nach ihr, könnten die Stadtwerke sofort E-Fahrzeuge anschaffen.

Ob es soweit kommt, weiß Manuel Kippelt noch nicht. Klar ist, dass es in Zukunft alternative Antriebsformen braucht. Aber wird das Strom sein? Der eCitaro hat den Fahrbetriebsleiter zwar überzeugt. Doch weiß er auch um die hohen Kosten, die mit der Anschaffung der rund 600.000 Euro teuren Busse sowie dem Einrichten der nötigen Infrastruktur verbunden wären. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Auch Wasserstoffbusse möchten die Stadtwerke noch ausprobieren.

Zunächst muss sich Vladimir Grigoryev also schweren Herzens wieder vom eCitaro trennen. Als Nächstes testen ihn die Wuppertaler Stadtwerke. Davon verspricht sich Manuel Kippelt viel: „Dort sind bereits Wasserstoffbusse im Einsatz. Die Kollegen haben den direkten Vergleich.“