Remscheid: Stadtverwaltung ist mit Gas unterwegs

Remscheid: Stadtverwaltung ist mit Gas unterwegs

Vier Erdgas-Fahrzeuge gehören zum Fuhrpark. Umweltamt arbeitet an einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie.

Wenn Wolfgang Putz optimistisch in die Zukunft blickt, sieht der Leiter des Remscheider Umweltamtes Erdgasautos, die mit Methan angetrieben werden, "das aus Biogasanlagen stammt oder unter Verwendung von Strom aus erneuerbaren Quellen mit Hilfe eines neuartigen Verfahrens hergestellt worden ist". Derartiges Gas führe nicht zu einer Belastung für das globale Klima.

Der Traum scheitert bisher am fehlenden Interesse der Bürger: "Die Häufigkeit von Nachfragen zu Erdgasautos ist noch relativ gering." Auch Fragen zu Elektrofahrzeugen landen bei dem gebürtigen Bochumer nur selten auf dem Tisch. Was für ihn heißt, dass es "auf den Gebieten der Information und der Motivation" noch viel zu tun gibt.

Ein erster Schritt sei, mit gutem Beispiel voranzugehen. Darum habe die Stadtverwaltung bereits vier Erdgasfahrzeuge im Einsatz. "Es handelt sich um Fahrzeuge vom Typ VW Eco Up", sagt Putz, der aus ökologischer und wirtschaftlicher Überzeugung auch privat ein Erdgasauto fährt.

Doch die Stadt verändert nicht nur ihren Fuhrpark. Sie treibt auch eine Mobilitätsstrategie voran, bei der es dem langjährigen Leiter des Fachdienstes Umwelt zufolge darum geht, "das gesamte Verkehrsaufkommen in der Stadt für die kommenden fünf Jahre umweltorientiert weiterzuentwickeln". Das beinhalte auch, den Remscheidern alternative Antriebe nahe zu bringen. "Neben Erdgas- und Flüssiggasautos sind alle Formen von E-Fahrzeugen angesprochen." Zuvor müsse jedoch für die E-Fahrzeuge die öffentliche und private Ladeinfrastruktur ausgebaut werden.

Das sieht Klaus Zehrtner, Pressesprecher der EWR, genauso: "Die Lademöglichkeiten sind neben dem Anschaffungspreis eine wichtige Grundlage für die Akzeptanz von Elektroautos." Die aktuellen Planungen der größten Autohersteller würden "ab circa 2020 den Einsatz von E-Fahrzeugen mit respektablen Reichweiten um die 500 Kilometer zu tragbaren Preisen" vorsehen. "Bis dahin sollte die Zeit genutzt werden, sich lokal im Rahmen eines Ladesäulenkonzeptes um strategisch wichtige Ladepunkte zu kümmern." Das Unternehmen will Vorbild sein: "Darum haben wir 2003 an der Neuenkamper Straße bei der Aral-Tankstelle eine Erdgastankstelle installiert und parallel rund zehn Pkw als auch Lkw als monovalente Fahrzeuge angeschafft." Diese Fahrzeuge würden "ausschließlich über Erdgas betrieben und haben nur einen kleinen Benzin-Nottank als Reserve". Neben diesen Anschaffungen, die um ein Hybridfahrzeug mit einem Mix aus Elektro- und Benzinantrieb ergänzt wurden, "hat die EWR bis heute deutlich mehr als 100 neue Erdgasfahrzeuge gefördert und kostenfrei 500 Kilogramm Erdgas zur Verfügung gestellt".

Das langfristige politische Ziel, alle fossilen Energieträger inklusive Erdgas abzulösen und nur noch auf die E-Mobilität zu setzen, betrachtet der Pressesprecher jedoch mit Skepsis: "Wer sich den aktuellen Anteil der Elektrofahrzeuge in Deutschland anschaut, stellt fest, dass hier noch deutlich Verbesserungsbedarf besteht und nicht nur die Bundesregierung ihr Ziel von einer Million E-Fahrzeugen bis 2020 zunehmend selbst sehr kritisch sieht."

Was für Marcel Schuchert (40), einen Maschinenbauer aus Remscheid-Süd, nicht überraschend kommt: "Die Deutschen sind gegenüber neuen Technologien zurückhaltend. Denn was heute noch günstig erscheint, kann morgen schon teuer sein." Das bestätige das Beispiel der Diesel-Fahrzeuge: "Hier drohen Wertverluste, Fahrverbote und deutlich höhere Steuern, obwohl die Dieseltechnologie sehr viel Potenzial hat." Er selbst sei dennoch offen für andere Technologien und habe sich im Frühjahr letzten Jahres ein Flüssiggasauto gekauft. Das sei "mal als Versuch gedacht" gewesen und ohne besonderen Glauben an diese Technologie erfolgt. Denn Flüssiggas sei als fossiler Brennstoff "nur eine Zwischenlösung". Auch Erdgasfahrzeugen räumt der Ingenieur keine Zukunft ein: "Die Technik und der Umbau in ein Gasauto sind zu aufwändig." Ferner sei das Angebot vom Werk zu gering.

Wer trotzdem ein Gasauto fährt, ist daher manchmal nur zufällig dabei gelandet. So wie Simone Schwidlinksy (37), eine junge Mutter aus Lennep, die ihren Flüssiggas-Golf vor einem Jahr gebraucht kaufte: "Die Eckdaten hatten ganz einfach gepasst". Nachdem sie zugeschlagen hatte, habe sie sich jedoch "erst einmal informieren müssen, was es heißt, ein Gasauto zu fahren". Inzwischen sei sie eine überzeugte LPG-Fahrerin: "Ich tanke alle 600 Kilometer eine Füllung Autogas bei der PM-Station in der Ringstraße und habe mit einer Smartphone-App auch bundesweit immer rechtzeitig eine Zapfsäule für Flüssiggas gefunden."

(RP)