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Stadtbibliothek Remscheid befindet sich im Umbruch

Remscheid braucht Fördergelder für neues Selbstverbuchersystem : Stadtbibliothek befindet sich im Umbruch

Vor acht Jahren begann das digitale Zeitalter in der Zentralbibliothek an der Scharffstraße. Seitdem brauchen die Nutzer nicht mehr mit Stempelkarten und Scheckheften zu hantieren. Sie scannen ihr Buch beim Ausleihen und Zurückgeben ein. Den Rest erledigt die Technik.

Doch ein solches Selbstverbuchersystem ist nicht für eine halbe Ewigkeit gebaut. Eines der Geräte hat bereits seine Dienste eingestellt. Mit dem technischen Ableben der anderen rechnet Nicole Grüdl-Jakobs in absehbarer Zeit. Fachleute haben die Leiterin des Kommunalen Bildungszentrums, zu dem die Zentralbibliothek gehört, darauf hingewiesen, das etwa nach zehn Jahren die Geräte in einen dauerhaft defekten Zustand von jetzt auf gleich abstürzen können. Das in der Bibliothek benutzte System sei schon gar nicht mehr auf dem Markt. Reparaturen seien daher nicht vorgesehen. Damit aber die Ausleihe und Rückgabe störungsfrei funktioniere, müsse heute schon an Investitionen für ein Nachfolgemodell gedacht werden.

Um die Investitionskosten für die Stadt so gering wie möglich zu halten, will Grüdl-Jakobs Fördergelder beim Land beantragen. Doch dieser Schritt lässt ein anderes Projekt nach hinten rutschen. Die weitere Öffnung der Bibliothek an mehr als vier Sonntagen sowie den Umbau des Hauses zu einem sogenannten „Dritten Ort“.

Silvina Pimentes bedient das Selbstverbuchersystem der Stadtbücherei. Foto: Christian Peiseler

Die CDU hatte einen Antrag gestellt, vom Land Fördergelder für die Sonntage in der Bibliothek einzuwerben. 1,2 Millionen Euro stellt das Land zur Verfügung. Die Frist läuft Mitte März aus. Doch Grüdl-Jakobs mahnte zur Bescheidenheit. Würde die Stadt nun einen größeren Betrag anmelden, laufe sie Gefahr, bei der notwendigen Beschaffung eines neuen Selbstverbuchersystems leer auszugehen.

Vier Sonntage im Jahr soll die Bibliothek öffnen. Das sei ein erster Schritt auf dem Weg, ein echter „Dritter Ort“ zu werden. Wenn pro Sonntag 800 Euro an Unterstützung vom Land beantragt werden, würden die Fördergelder für die Buchungssysteme wohl nicht gefährdet, so Grüdl-Jakobs.

Nach Ansicht von Kulturdezernent Sven Wiertz sei es für die Bibliothek nicht leicht, die zusätzlichen Stunden in den Dienstplan des Personals zu integrieren. Die Fünf-Stunden am Sonntag müssten in der Woche eingespart werden. Zudem entstehen höhere Kosten durch hohe Zeitzuschläge. Der Personalrat der Stadt hat sich bisher gegen Sonntagsarbeit der Angestellten der Stadtbücherei ausgesprochen. Die Leitung befürwortet den Schritt. Die Sonntage sollen mit speziellen Veranstaltungen die Bürger locken. Fördergelder vom Land will die Stadt auch für einen anvisierten Umzug der Stadtteilbibliothek Lüttringhausen in die „Alte Feuerwache“ beantragen. Ein Vorhaben, das ganz oben auf der Liste der Veränderungen steht. Die Räume an der Gertenbachstraße sind nicht behindertengerecht.

Neue Systeme, neue Öffnungszeiten, Umzug – aus den Reihen der Politik ist von vielen Seiten zu hören, das Thema „Dritter Ort“ größer zu denken als immer nur in kleinen Schritten. Ein paar Ideen liegen bereits seit vorigem Jahr auf dem Tisch. Die Bibliothek soll einen freien Marktplatz (Market Space) bekommen. Dort haben die Besucher die Möglichkeit, Facetten der digitalen Welt auszuprobieren. Vorstellbar ist die Installierung eines 3D-Druckers, von Kopiergeräten und digitalen Arbeitsplätzen. Aber auch eine gemütliche Ecke mit Sesseln und Sofas, wo Besucher bei einem Kaffee verweilen, steht ganz oben auf der Liste für künftige Einrichtungen. Das Foyer mit seiner Bühne soll moderne Technik samt Lautsprecheranlage, Leinwand und Beamer erhalten. Um das Gebäude an der Scharffstraße für Veranstaltungen auszustatten, braucht es ein technisches Lifting. Schnelles Internet wird eine Selbstverständlichkeit sein im Zuge des Breitbandausbaus.

Die Bezeichnung „Dritter Ort“ stammt von dem amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. Dieser hatte schon 1989 Orte gefordert, an denen sich Menschen aller Schichten, Altersstufen und Bildungsniveaus regelmäßig treffen können, um ins Gespräch zu kommen oder gemeinsam Dinge zu tun. Diese Orte sollten nicht der Wohnort (erster Ort) oder der Arbeitsplatz (zweiter Ort) sein.

Die skandinavischen Länder haben diese Idee bereits umgesetzt. Ob diese Ideen am Standort Scharffstraße verwirklicht werden oder an einem anderen Ort, ist zurzeit nicht absehbar. Kulturausschussvorsitzender Karl-Heinz Humpert schlug vor einigen Monaten vor, das Sinn-Leffers-Gebäude für die Bibliothek der Zukunft zu nutzen. Dafür müsste die Stadt das Gebäude erwerben und viel Geld für einen Neubau ausgeben.