Stadt will Obdachlosigkeit verhindern

Workshop : Stadt will Obdachlosigkeit verhindern

Menschen, die auf Parkbänken oder Heizungsschächten übernachten – dieses aus vielen Großstädten bekannte Bild findet man in Remscheid nicht. Sichtbare Obdachlosigkeit gibt es hier nicht. So soll es auch in Zukunft bleiben.

Mit Unterstützung der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) überarbeitet die Stadt Remscheid ihr Konzept zum Kampf gegen Obdachlosigkeit. In dieser Woche gab es den ersten Workshop. Ende des Jahres soll das Konzept vorliegen. Die Kooperation wird zum großen Teil über Fördergelder finanziert

Die GISS hat Remscheid schon zur Jahrtausendwende bei ihrem ersten Konzept beraten, das als „Remscheider Modell“ auch überregional Anerkennung fand. Mittlerweile haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aber verändert, berichtete Dr. Ekke-Ulf Ruhstrat. Der Wohnungsmarkt ist enger geworden. Vermieter sind immer seltener bereit, Mietschulden zu akzeptieren, heißt es in einem Bericht der Stadt zum Thema. Es wird schneller gekündigt. Auch die Zielgruppe ändere sich, sagte Thomas Kugel, Sachgebietsleiter in der Fachstelle Wohnungsnotfallhilfen bei der Stadt. Häufig komme eine Suchtproblematik dazu.

Das führt unter anderem dazu, dass obdachlos gewordene Menschen in der ursprünglich als Übergangseinrichtung gedachten Notschlafstelle in der Schüttendelle mittlerweile länger verbleiben, berichtete Daniela Krain vom Verein BaF. Dafür seien die Räumlichkeiten aber nicht ausgelegt. Das Zusammenleben gestaltet sich schwierig.

Oberstes Ziel aller Arbeit müsse es darum sein, die Obdachlosigkeit zu vermieden, weil es sonst immer schwerer werde aus dieser Situation wieder herauszukommen, sagt Ruhstrat. „Prävention, Prävention, Prävention“, nannte der Experte bei einem Pressegespräch das zentrale Ziel der gemeinsamen Arbeit. Zusammen mit den Partnern Stadtverwaltung, Caritas und BaF will die GISS bis zum Ende des Jahres ein Konzept erarbeiten, das den neuen Herausforderungen begegnet. Mit im Boot ist auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewag. Ziel sei „ein ausdifferenziertes Modell der Vorbeugung“, sagte Ruhstrat. Über die damit verbundenen Schritte müsse dann die Politik entscheiden. Angesprochen auf mögliche Modelle, mit denen den neuen Herausforderungen begegnet werden kann, nannte Ruhstrat alternative Wohnformen. Vorbild könnte hier andere Länder sein sein. Unter dem Titel „Housing first“ hält etwa die Stadt Salt Lake City Häuser mit Wohnungen für Menschen bereit, bei denen trotz aller Bemühungen der Fall in die Obdachlosigkeit nicht verhindert werden konnte. Die Überzeugung dahinter: Mit einem Dach über dem Kopf lassen sich die anderen Probleme besser lösen. Auch in Deutschland gebe es Kommunen, die Wohnungen, für die es wegen ihres Zustandes keine Interessenten gibt, anmieten, renovieren und den Obdachlosen zur Verfügung stellen.

Welcher Weg für Remscheid der richtige sein wird, sollen die nächsten Monate zeigen. Ruhstrat könnte sich vorstellen, dass sich Remscheid das ehrgeizige Ziel setzt, im Jahr 2021 die „Stadt ohne Obdachlosigkeit“ zu sein. Ein Titel, den sich auch Sozialdezernent Thomas Neuhaus gut vorstellen kann. Er ist froh mit Ruhstrat einen Experten an Bord zu haben, der sich seit 30 Jahren mit dem Thema befasst. Klar sei: Die Hilfe für Wohnungslose sei eine gesetzliche Pflichtaufgabe.

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