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Stadt Remscheid steigt ins Medizingeschäft ein

Kinderarztpraxis in Remscheid : Stadt steigt ins Medizingeschäft ein

Der kommende Montag ist ein ganz besonderes Datum für die Stadt Remscheid. Erstmalig in ihrer Geschichte betreibt die Kommune in eigener Verantwortung eine Kinderarztpraxis.

Zwar werden die Patienten an der Peterstraße fast das gewohnte Team aus Ärzten und medizinischen Fachkräften antreffen. Betreiber aber ist die Stadt.

„Wenn es kein anderer macht, müssen wir es machen“, beschrieb Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) in einem Mediengespräch den Entschluss, den die Verantwortlichen im Rathaus fassten, als sich abzeichnete, dass die bisherigen Inhaber die Praxis aufgeben wollten. Dass die 2000 Kinder, die hier betreut wurden, danach ohne Kinderarzt dastehen, sei keine Option gewesen. Das habe auch die Politik klar gemacht, die der Stadtspitze den Auftrag gab, eine Lösung zu finden.

Wichtiger Partner für die bei diesem Thema unerfahrene Stadt ist das Sana-Klinikum, das die Stadt auf den ersten sechs Monaten dieser Reise begleiten wird. Geschäftsführerin Svenja Ehlers sprach am Freitag mehrfach von einer Übergangslösung, was die Beteiligung von Sana angeht.

Ohne Sana, das machte Sozialdezernent Thomas Neuhaus (Grüne) klar, hätte die Kommune gar keine Genehmigung für den Weiterbetrieb einer Arztpraxis in städtischer Regie bekommen. Die kommenden Monate will man nutzen, sich in die ungewohnte Materie einzuarbeiten und Erfahrungen zu sammeln.

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Neuhaus berichtete von den vergeblichen Versuchen, Nachfolger für die etablierte Kinderarztpraxis in der Innenstadt zu finden. Das habe auch damit zu tun, dass die Kinderheilkunde „weiblich“ sei, ergänzte Mast-Weisz. Die Kinderärztinnen aber sähen heute eine 60-Stunden-Woche im Sinne einer Work-Life-Balance nicht als erstrebenswertes Lebensziel. Tatsächlich enthielten alle Bewerbungen, die bei der Stadt eingingen, als klar war, dass die Praxis weitergeführt wird, den Wunsch nach einer Teilzeitbeschäftigung. Svenja Ehlers hob hervor, dass ein weiterer Grund für diese Entwicklung die Sorge der Ärzte sei, das finanzielle Risiko stemmen zu können, das eine eigene Praxis bedeutet.

In der jetzt gewählten Konstruktion liegt dieses Risiko bei der Stadt. Mast-Weisz schloss am Freitag nicht aus, dass ein ähnliches Problem in der Zukunft auch im Bereich der Hausärzte auf die Stadt zukommen könnte. Auch hier lockt Remscheid den Nachwuchs kaum.

Dr. Diana Pfitzner, Kinder- und Jugendmedizinerin bei der Stadt Remscheid mit Sitz im Gesundheitsamt an der Hastener Straße, war in der Videokonferenz die Freude über die gefundene Lösung anzusehen. Bereits seit dem Sommer des vergangenen Jahres, als die Kinderärzte die Schließungsabsicht ihren Patienten mitteilten, hätten sich die Anrufe besorgter Eltern im Gesundheitsamt gehäuft, die wissen wollten, wie es nach der Schließung der Praxis weitergehe und ob sie künftig mit ihrem Kind zum Kinderarzt nach Wermelskirchen fahren müssten. Vor allem für ärmere Familien ohne Auto hätte das ein Problem dargestellt.