Spott über Remscheids Kreisverkehr

„Bräu Comedy“ mit Maxi Gstettenbauer : Spott über Remscheids Kreisverkehr

Comedian Maxi Gstettenbauer sorgte für eine mehr als gelungene Fortsetzung des neuen Unterhaltungsformats „Bräu Comedy“ im Remscheider mk-Hotel. Dabei hatte er Schwierigkeiten, den Auftrittsort zu finden.

Derbe, knallhart und obszön, oder –wie es der Comedian selbst bezeichnet – „einfach ehrlich“, konfrontierte Maxi Gstettenbauer über zwei Stunden lang sein Publikum. Sein erster verbaler Faustschlag galt den örtlichen Gegebenheiten: „Ich freue mich hier zu sein, vor dem beschissensten Kreisverkehr der Welt. Was ist das? Ein militärisches Abwehrsystem? Wo hat man sowas gesehen, ein Kreisverkehr mit 700.000 Ampeln? Ich bin da viermal raus gefahren. Remscheid, ich bin so sauer auf euch“, sprudelte es aus dem gebürtigen Niederbayer und Wahlkölner nur so heraus. „Was ist daran so schwierig Remscheid? Ein Kreisverkehr braucht nur einen Kreis, keine Disneybeleuchtung. Ich habe echt kein Bock mehr. Aber schön heute hier zu sein.“

Bereits die ersten fünf Minuten, in denen sich Gstettenbauer über den Kreisverkehr zwischen Hotel und Bahnhof ausließ, lachte das Publikum Tränen. „Remscheid hat mir auf meine Tour noch gefehlt. Schön, dass es geklappt hat. Nach einer Zeit auf Tour kriegst du ein Gefühl für die Orte und Remscheid hat nichts.“ Das Publikum lachte weiter. „Ein geiles Wappen für die Stadt wäre ein Kreisverkehr.“

Einen gelungeneren Einstieg hätte der Comedian wohl kaum finden können. Bei seinen Fans kam das zumindest schon bestens an, wobei Gstettenbauer dann doch bemerkte: „So asozial wie heute, habe ich ein Programm noch nie angefangen.“ Und dabei, gestand er im späteren Verlauf noch, sei er mit seinen Witzen selbst einem Ingo Appelt „zu ekelig.“ Zumindest aber war das Eis gebrochen, das Niveau des Abends mehr als deutlich abgesteckt und der Comedian mitten im Flow. Sein Publikum war ohnehin schon von Minute eins bestens aufgelegt.

Sein neues Programm, dass er eigentlich präsentierte „Lieber Maxi statt normal“ behandelt eigentlich keine Kreisverkehre, sondern eher den Alltag als frisch Verheirateter, („Die Ehe verändert dich.“) und spielte auf aktuelle Themen an, wie die Entwicklung von Technik und Soziale Medien und wie die ganze High-Tech Systeme die Gesellschaft verändern.

Als Tech-Fan und ehemaliger Moderator der Videospielsendung GIGA Games sei er grundsätzlich allen neuen Trends sehr aufgeschlossen und kritisiere notorische Zukunftsverweigerer. Das kontaktlose Bezahlsystem etwa sei grandios und ein neues Werkzeug, um Frauen zu beeindrucken, zumindest ältere Damen und Kassiererinnen. Dass Schüler wie die Bewegung „Friday for Future“ für die Umwelt demonstrieren und dafür die Schule schwänzen befürworte er, („Wer Schule gut findet, war noch nie da.“) auch wenn die Kinder den Klimawandel nicht bis ins kleinste Detail verstehen oder erklären könnten. „Das kann nicht mal ich“, so der Comedian.

Soziale Netzwerke und der anhaltende Optimierungswahn in allem, seien seiner Meinung nach auch dafür mitverantwortlich, dass ein Großteil der Gesellschaft in tiefe und anhaltende Depression verfalle. Also lieber Maxi (nicht im Sinne von „Maximal“ sondern von „Maximilian“, in diesem Fall also „gestört“) als normal.