Interview Manuel Habljak : "Am Ende hat einfach alles gepasst"

Die VfB-Fußballer vertreten die Klingenstadt fortan in der Landesliga. Habljak ist der Motor hinter dem Erfolg.

Acht Jahre nach dem letzten Aufstieg war es am Sonntagnachmittag soweit: Der VfB Solingen kehrte in die Fußball-Landesliga zurück. Glückwunsch zum Aufstieg - ab wann habt ihr an die Landesliga geglaubt?

Manuel Habljak Vielen herzlichen Dank. Ich bin überwältigt, ein irres Gefühl, welches ich als Spieler schon einmal erleben durfte. Vor der Saison waren wir sehr realistisch und haben gesagt, wir wollen eine gute Rolle und schönen Fußball spielen. In der Winterpause war die Erkenntnis da, dass wir eigentlich jeden Gegner letztlich auch besiegen können.

Der Kern der Mannschaft ist schon lange zusammen - warum hat es jetzt geklappt?

Da muss man etwas ausholen. Es ist ein Prozess über ein paar Jahre gewesen. Wir waren nach dem Landesliga-Abstieg 2012 am Boden, und es sah sehr düster um den VfB aus. Dann hat mein Freund Uwe Rütjes mir geholfen, und wir haben über Jahre dieses Team auf die Beine gestellt. Der Vorschlag, dann Sahin Sezer zu kontaktieren, kam von Uwe. Sahin hat dem Team zusammen mit Rossi Tilaro und in den letzten zehn Spielen Ganija Pjetrovic immer wieder neue Impulse gegeben und es fußballerisch enorm entwickelt. Am Ende hat einfach alles gepasst, auch das nötige Glück war uns das eine oder andere Mal vergönnt. Man darf aber niemals das Team hinter dem Team vergessen. Ob Jörn Malcharek, Stephan Kölmel oder Ali Fard.

Welche neuen Anforderungen kommen in der Sechstklassigkeit auf den VfB zu?

Sportlich ist eine höhere Liga immer eine neue Herausforderung. Die Anforderungen an die fußballerische Qualität, die Physis und auch die Psyche steigen. Das war 2010 schon so, als ich selber noch gespielt habe und wird 2018 nicht anders sein. Wir machen unsere Hausaufgaben, haben mit Sebi Spinella einen Trainer verpflichtet, der genau in unser Profil passt. Für die Heimspiele werden wir uns das eine oder andere einfallen lassen, um noch mehr Zuschauer an den Bavert zu lotsen.

Mit was für einem Etat habt ihr den Aufstieg geschafft?

Ich sage es mal so: Wir haben sicher weniger als die Hälfte zur Verfügung gehabt als selbsternannte Aufstiegsfavoriten. Letztlich ist das aber egal, denn zu einem Aufstieg gehört weit mehr als nur Geld. Was den Etat für die neue Saison angeht, so muss er sich definitiv nach oben bewegen. Dafür machen die Verantwortlichen beim VfB schon sehr viel. Aber es fehlen wie so häufig die helfenden Hände und Gönner, die wir natürlich hoffen, jetzt auch von uns überzeugen zu können. Das wird die Hauptaufgabe in den nächsten Wochen.

Apropos Geld: Ist höherklassiger Fußball in Solingen aus finanzieller Sicht mittelfristig möglich?

Ich glaube fest an unsere Stadt. Ich denke, es gibt genügend Solinger Firmen, die bei einem vernünftigen Konzept mit mittelfristiger Perspektive gerne in den Fußball investieren. Ohne die Unterstützung von Sponsoren geht es heute im Fußball auch in der Landesliga nicht. Wir werden wie jedes Jahr auf Solinger Firmen zugehen und um Unterstützung bitten. Natürlich wäre es perfekt, einen Großsponsor zu finden. Aber wir sind auch hier realistisch und hoffen auf viele Firmen, die uns ein wenig helfen. Denn, und da bin ich sehr ehrlich: Einen Etat von 50 000 Euro für die Mannschaft braucht man schon, um sich länger in der Landesliga halten zu können!

Wie sieht es mit einer geeigneten Spielstätte aus? Wie kann die Jugendarbeit wieder auf ein höheres Level gebracht werden?

Das geht einher mit dem gerade Gesagten. Wenn das nötige Geld da ist, kann man in einem Verein die Strukturen für erfolgsorientieren, leistungsbezogenen Fußball schaffen. Von der Jugend als wichtigste Basis bis hin zu den Senioren. Das Spielerpotenzial ist da, aber es hat eben noch kein Verein seit dem Zweitliga-Abstieg der Union geschafft, diese Strukturen zu schaffen. Ich fände es super, wenn das einzig verbliebene Stadion in Solingen so genützt würde, dass es sowohl für Football als auch für Fußball geeignet ist - zum Beispiel durch einen Kunstrasen und entsprechendes Flutlicht. Ich denke, ein gemeinsames Gespräch, wo sich der Fußball in Solingen hin entwickeln soll, muss auch mit der Stadt geführt werden.

Blick in die Zukunft: Wenn VfB-Macher Manuel Habljak fünf Jahre vorausschaut, dann steht es wie um den Solinger Fußball?

Ich habe mal in einem Interview vor ein paar Jahren gesagt, dass ich den Traum habe, irgendwann mit meinem Sohn im Walder Stadion ein Oberliga-Spiel eines Solinger Vereins sehen zu können. Dieses Ziel verfolge ich ganz persönlich seit Jahren mit meiner Arbeit. Und wenn ich irgendwann das Gefühl gehabt hätte, es wäre unmöglich, hätte ich meine sowieso nicht reichlich vorhandene Freizeit sicher anders genutzt. Ich glaube fest daran. Mit einem großen Solinger Verein aus VfB und 03 in der Saison 2019/2020 sehe ich dieses Fünf-Jahres-Ziel als durchaus machbar. Und ich hoffe, ganz Solingen unterstützt uns bei diesem Ziel.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE TIMO LEMMER

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