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Leichtathletik: Ulrich Kunst coacht Gina Lückenkemper zum EM-Titel

Leichtathletik : Ulrich Kunst coacht Gina Lückenkemper zum EM-Titel

Als am 12. August im "Morgenmagazin" von ARD und ZDF die aktuellsten Sportmeldungen über die Mattscheibe flimmerten, erinnerten sich einige alte Remscheider Leichtathleten an längst vergangene Zeiten. Berichtet wurde über Gina Lückenkemper (LAZ Soest), der Überraschungs-Junioren-Europameisterin im Sprint, die sich als 18-Jährige für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking qualifiziert hat. Im Verlauf des Beitrages tauchte Diplom-Sportlehrer Ulrich Kunst auf - ein weit gereister Sportpädagoge, der aus Remscheid stammt, im Leichtathletikkreis Remscheid einst seine Wettkämpfe bestritt und den es später aus dem Bergischen Land bis nach Katar und Singapur in Asien führte, um dort Pionierarbeit zu leisten.

Kunst, der sein "einstiges Hobby zum Beruf machen durfte", zählte selbst nicht zu den Topathleten. Seine eher bescheidenen Erfolge erreichte er als Mitglied des Ehringhausener TV und später des Reinshagener Turnerbundes. Dabei war er keinesfalls auf irgendeine Disziplin spezialisiert. "Ich habe eigentlich alles in der Leichtathletik gemacht, leider durchweg ohne nennenswerte Erfolge oder herausragende Resultate", blickt er auf seine damalige Freizeitgestaltung zurück: "Irgendwann musste ich sogar innerhalb des Studiums an der Sporthochschule in Köln auch einen Zehnkampf bestreiten."

1950 in Remscheid geboren, legte Kunst das Fundament seiner Trainerlaufbahn mit dem Abschluss des Studiums zum Diplom-Sportlehrer. Sechs Jahre unterrichtete er an der Realschule in Lennep. Neben seiner Lehrertätigkeit kümmerte er sich um Athleten der Leichtathletik-Gemeinschaft Remscheid.

Seit 1982 arbeitet er als "hauptberuflicher Leichtathletik-Trainer". Er packte damals eine Gelegenheit beim Schopfe und wechselte als Chefcoach für den Sprint ins Scheichtum Katar. Zusammen mit weiteren europäischen Kollegen schuf und verbesserte er nicht nur die weithin fehlende Infrastruktur (Vereine, Stadien), sondern verhalf auch Athleten wie Talal Mansour zu internationalen Erfolgen (Asien-Meister, Rekordhalter, Teilnehmer an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften). "Katar war Pionierarbeit in jeder Hinsicht. Ich habe die Arbeit genossen, weil sie noch eine Art Urtümlichkeit besaß und wirklich den Anfang der späteren Entwicklung bedeutete", skizziert er.

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Sein weiterer Weg führte ihn zum TV Wattenscheid, wo er zwölf Jahre als Nachwuchstrainer arbeitete. Zwischen 2003 und 2006 zog es ihn noch weiter nach Osten. Er bildete als "Head-Coach Sprint/Hurdles and Jumps" in Singapur den Nachwuchs aus, leistete wie in Katar Entwicklungshilfe in der Trainerausbildung und in der Verbandsstruktur. "Das war multikulturell in einem hoch entwickelten Staat", blickt er gerne auf diesen Lebensabschnitt zurück.

Seit 2006 arbeitet er bei der LG Olympia Dortmund als Projektleiter der "Sprintschule Westfalen", betreut Talentförderprojekte und schafft die Grundlagen für den Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich. Gleichzeitig bringt er seine vielfältigen Erfahrungen am Bundes- und Landesleistungs- sowie am Olympiastützpunkt in Dortmund ein.

Der heute in Herten lebende Kunst kann auf seine Erfolge stolz sein. Immerhin hat er mehrfach U 20-Athletinnen betreut, die Deutsche Meister wurden oder als Teilnehmer sowie Medaillengewinner bei U20-Europameisterschaften und -Weltmeisterschaften für Furore sorgten. Und jetzt hat er Gina Lückenkemper unter seinen Fittichen. Mit Erfolg, wie man sieht.

(RP)