Turnen Sportliche Schnitzeljagd

Mit rund 1000 Teilnehmern jeden Alters und Geschlechts ist der Wahlwettkampf das Herzstück eines jeden Turnfestes. Aus sechs Sportarten können vier Übungen frei ausgesucht werden. Einen festen Zeitplan gibt es nicht.

 Die neunjährige Carla Wenningmann entschied sich bei ihrem ersten Wahlwettkampf bei einer von vier Übungen fürs Bodenturnen.

Die neunjährige Carla Wenningmann entschied sich bei ihrem ersten Wahlwettkampf bei einer von vier Übungen fürs Bodenturnen.

24 Stunden zuvor war es nur schwer möglich gewesen, bei der Wettkampfleitung der Mehrkämpfe im Gerätturnen eine ausführliche Auskunft zu erhalten. Geschweige denn ein paar aufmunternde Worte, wenn ein Mädchen seine Überziehhose gesucht und nicht gefunden hatte. Stress pur war in der Sporthalle Vogelsang angesagt gewesen bei der Erfassung der Ergebnisse von knapp 500 Teilnehmerinnen.

Beim Wahlwettkampf, das Herzstück eines jedes Turnfestes, lagen sogar doppelt so viele Anmeldungen vor. Und trotzdem sitzt Ulla Francke entspannt zurückgelehnt in ihrem Stuhl, beantwortet geduldig die Fragen, die hier und da anfallen. Von Stress keine Spur. "Wenn wir einen Wettkampfplan zu festen Zeiten hätten, würden wir mit den Massen gar nicht durchkommen", erklärt die Vorsitzende der Technischen Kommission fürs Gerätturnen im Rheinischen Turnerbund (RTB). 1000 Teilnehmer jeden Alters und Geschlechts an einem Tag können nur durchgeschleust werden, weil jeder von ihnen alleine, mit einer Freundin oder in einer Kleingruppe mit Mitstreitern aus dem gleichen Verein seine eigenen Wege geht. Da kann es schon mal sein, dass die 72-Jährige Trainerin gemeinsam mit ihren zehnjährigen Zöglingen an den Start geht.

Nur die Startzeit ist vorgegeben

Vorgegeben wurde lediglich die Startzeit, die schon vor dem NRW-Turnfest bekanntgegeben worden war. Ab 8 Uhr wurden Wettkampfkarten alle 30 Minuten vor der Sporthalle Vogelsang ausgegeben. "So ist gewährleistet, dass nicht plötzlich 500 Leute gleichzeitig starten wollen", sagt Ulla Francke. Mehr ist nicht vorgegeben. Deswegen rät die RTB-Funktionärin zwei Turnerinnen der SG Coesfeld, die zum ersten Mal einen Wahlwettkampf bestreiten, die Reihenfolge ihrer Übungen jeweils nach dem Andrang an den einzelnen Geräten zu bestimmen. Mit dem Zettel in der Hand begeben sich Hannah Bethke und Carla Wenningmann auf ihre sportliche Schnitzeljagd.

Schwimmen, Leichtathletik, Gymnastik, Trampolin, Seilchen springen ? Oder vielleicht Schwebebalken, Sprung, Bodenturnen, Reck oder Barren ? Aus sechs Sportarten müssen vier Übungen ausgewählt werden. Ganz nach Belieben und Talent. Hannah Bethke und Carla Wenningmann haben schon daheim ihre ganz bunt gemischte Auswahl getroffen. Nach dem Prinzip: Das können wir, und es macht Spaß. Für die Prüfungen am Boden und Balken mussten die Turnerinnen aus Coesfeld nicht extra trainieren, dafür aber für den Sprung auf dem Minitrampolin und fürs Rope Skipping. Für Letzteres "hat unsere Trainerin extra Seilchen mitgebracht." Für die 30-sekündige Prüfung müssen die neun- und 13-jährigen Mädchen noch die Sporthalle wechseln. Wie 180 weitere Wahlwettkämpfer, die sich bei einer ihrer vier Übungen für das Rope Skipping entschieden haben.

Was nur fehlt, ist die direkte Konkurrenz. Aber das scheint gar nicht so wichtig zu sein.

(RP)