Interview mit Franco Finelli : "Christian Müller hat Großes geleistet"

Die Situation bei den Amboss-Footballern ist schwierig. Der Vorsitzende Franco Finelli bezieht Stellung und räumt Fehler ein.

Was sich meteorologisch in den vergangenen Tagen im Bergischen Land ereignet hat, liegt für den AFC Remscheid Amboss nun schon mehrere Wochen zurück: Als großes Donnerwetter konnte man die Turbulenzen beim Football-Regionalligisten bezeichnen, als Headcoach Christian Müller nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Vorstand den Verein verließ und daraufhin fünf weitere Trainer Ende April ihre Ämter niederlegten.

Haben sich die Wogen mittlerweile wieder einigermaßen geglättet?

Zumindest haben wir es geschafft, dass im Training wieder ruhig gearbeitet werden kann. Aber die Situation ist weiterhin nicht optimal.

Wie stellt sich diese denn aus Ihrer Sicht dar?

Finelli Nachdem sich die Wege zwischen dem Großteil des Trainerteams und dem Verein getrennt haben, waren wir in erster Linie darauf bedacht, Ruhe reinzubringen. Wobei uns klar war, dass ein neuer Headcoach nicht mal eben so aus dem Ärmel zu schütteln ist. Schließlich hat Christian Müller über die Jahre Großes geleistet, was so nicht leicht zu kompensieren ist. Deswegen musste ich interimsmäßig übernehmen.

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Die Suche nach einem neuen Cheftrainer war aber ja mittlerweile erfolgreich.

Das war sie. Mit Paule Gummelt haben wir einen neuen Headcoach gefunden, der früher bei uns als Spieler und dann als Defensive Coordinator tätig war. Er kümmert sich ab sofort um die Belange der Mannschaft und übt diese Rolle keineswegs interimsmäßig aus. Er war damals schon der Erste, der Verantwortung übernommen und gesagt hat, dass es nun einzig und allein darum geht, diese Saison zu retten.

Zudem wurde das Trainerteam mit Mario Bowe verstärkt.

Er ist unser neuer Offensive-Line-Coach und bringt viel Trainererfahrung mit. Mit seiner Art konnte er schon neue Impulse geben und speziell dem Mannschaftsteil, der Luft nach oben hat, helfen. Wobei man die Offensive-Liner auch in Schutz nehmen muss. Dadurch, dass sich drei unserer vier Runningbacks vor der Saison das Kreuzband gerissen haben, waren wir für jede Defensive sehr leicht ausrechenbar.

Zurück zum Zwist zwischen Ihnen und Ihrem langjährigen Freund und Mitstreiter. Wie empfinden Sie die Situation?

Auf deutsch gesagt: als echt scheiße! Das Allerschlimmste ist, dass sich mit mir und Christian Müller damals zwei Freunde gestritten haben, die den Verein mitgegründet und zusammen echt was erschaffen haben. Wir haben uns ordentlich an die Köpfe gekriegt, was so eigentlich nicht passieren darf. Und ich hoffe inständig darauf, dass unsere Freundschaft nicht komplett kaputt gegangen ist. Aber momentan herrscht zwischen uns absolute Funkstille. Ich wünsche mir einfach nur, dass alles wieder gut wird und wir nicht vergessen, was war.

Man merkt, dass Ihnen das alles sehr nahe geht.

Das kann man schon sagen. Mich beschäftigt das total und trifft mich persönlich sehr. Aber wir mussten damals schnell handeln und stehen da auch heute noch zu. Auch wenn ich sagen muss: Wir sind alle keine Profis.

Bedeutet das, Sie würden etwas anders machen, wenn Sie die Zeit noch einmal zurückdrehen könnten?

Schwer zu sagen. Fakt ist: Es war nie unsere Absicht, dass es so läuft. Im Nachhinein muss ich sagen, dass wir eher hätten miteinander reden müssen. Dadurch, dass alles über Jahre gut gelaufen ist, sind wir im Vorstand ein bisschen blind geworden.

Beim Amboss wird ja immer vom besonderen Gemeinschaftsgefühl gesprochen. Kann davon noch die Rede sein, nachdem durch den Knall zwei Lager entstanden sind?

Die Familie hat unter all diesen Turbulenzen gelitten, keine Frage. Aber die, die geblieben sind, ziehen an einem Strang. Da gibt es keine Ausreißer. Wir haben ganz viele Gespräche geführt und uns gesagt: Wir ziehen den Karren wieder aus dem Dreck. Wir können uns ja auch nicht erlauben, den Kopf in den Sand zu stecken.

Zweifellos erleben Sie die emotionalste Saison in Ihrer fast achtjährigen Amtszeit. Und das ein Jahr vor dem 20. Geburtstag des Amboss.

Das kann man so sagen. Im Moment fällt uns das allen auch nicht einfach. Wir haben wahnsinnig viele Nebenbaustellen.

Das alles zehrt ja sicher auch an Ihren Nerven. Haben Sie mal mit dem Gedanken gespielt, hinzuwerfen?

Also ich glaube nicht, dass ich noch so frisch bin, wie am ersten Tag. Und wenn es jemanden gibt, der neue Ideen hat und den Posten des Vorsitzenden übernehmen will, wäre ich der Letzte, der sich dagegen wehren würde. Mir ist nur wichtig, dass es dem Amboss gut geht.

Ist der Klassenerhalt nach vier Niederlagen in vier Spielen denn noch machbar?

Dafür bräuchten wir aus den verbleibenden acht Spielen mindestens drei Siege. Wir werden jedenfalls alles geben - in jedem Spiel.

FABIAN HERZOG FÜHRTE DAS GESPRÄCH

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