Fußball : Real Madrid statt Brandenburg

Fußball: Ex-FCR-Keeper Thomas Feldhoff ist fester Torwarttrainer beim Nachwuchs von Borussia Dortmund.

Der Umfang hat leicht zugenommen, der Bart, den er früher noch nicht trug, ist inzwischen ebenso wie die Schläfen grau angelaufen. Aber der wiegenden Gang, mit dem er am Dienstag nach dem Spiel der U 19-Champions-League zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid über die Aschenbahn im Montanhydraulik-Stadion in Holzwickede schlendert, ist nach wie vor unverkennbar: Thomas Feldhoff ist zwar inzwischen 47 Jahre, aber wenn er geht, wenn er erzählt und wenn der Schalk in seinen Augen blitzt, dann ist es noch so, als würde er sich gleich wieder ins Tor des FC Remscheid stellen - und ein Vierteljahrhundert wäre nie vergangen.

Von 1990 bis 1997 und (nach einer Saison bei den SF Siegen und TuS Hordel) ab 1998 bis zum finanziellen Crash des FCR hütete der gebürtige Bochumer den Remscheider Kasten. "Das war eine sehr schöne Zeit", erinnert sich Feldhoff: "Wir hatten 'ne richtig gute Truppe und mit Detlef Pirsig und Friedhelm Vos auch ein gutes Trainergespann."

Dass er die letzte Blütezeit des Klubs mit dem Zweitliga-Aufstieg 1991 bis hin zum großen Drama 1998 mit dem Beginn des Absturzes in die Fußball-Niederungen meist nur auf der Bank erlebt hat, lag an André Stocki. Der Ausnahmekönner aus Radevormwald bot Feldhoff wenig Chancen, an ihm vorbeizukommen. Deswegen brachte es "Feldi" auch nur auf drei Zweitligapartien (gegen Fortuna Köln, Unterhaching und Stahl Brandenburg) sowie sieben Regionalligaspiele für den FCR. An seiner Qualität gab es aber nie Zweifel. Und an seiner Einstellung auch nicht: Feldhoff nahm sein Schicksal klaglos hin, war aber immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.

Das Torhüter-Geschäft von der Pike an gelernt und auf beträchtlichem Niveau betrieben zu haben, ist für Feldhoff bis heute von großem Nutzen. Denn die Kunst des Torverhinderns gibt er heute professionell weiter - als festangestellter Torwarttrainer bei Borussia Dortmund. In dieser Funktion saß er auch am Dienstagnachmittag bei der 2:5-Heimniederlage des BVB vor immerhin 1509 Zuschauern - unter ihnen auch die Real-Legende Roberto Carlos - in Holzwickede auf der Bank.

Dass Feldhoff, der zwischenzeitlich lange in den USA lebte und für die Lufthansa arbeitete, trotz des herrlichen Wetters nach der Partie zunächst eher missmutig Richtung Kabinentrakt schlenderte, lag nicht nur an der klaren Niederlage. Vielmehr saß auch ihm noch der Schock über die Verletzung von Patrick Fritsch in den Knochen. Ohne "Feindeinwirkung" war der Spieler liegengeblieben, hatte sich das Knie verdreht. "Ganz bitter für uns", sagte Feldhoff, der den Verdacht auf einen Kreuzbandriss aber nicht bestätigen wollte. "Damit verlieren wir einen weiteren wichtigen Spieler", sagt der 47-Jährige. Beim ersten Champi- ons-League-Spiel in Warschau hatte sich Dario Scuderi ebenfalls ohne Einwirkung des Gegners eine wahre Horror-Verletzung des Knies eingehandelt, die selbst Hartgesottene mitnahm.

Die täglichen Übungseinheiten mit dem Nachwuchs, die Koordination mit den anderen Trainern, viele Reisen, Einzeltraining - viel Zeit, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, bleibt Feldhoff nicht - auch wenn er einigermaßen regelmäßig noch Kontakt zu seinem ehemaligen Remscheider Mitspieler Martin Schiermoch hält. Trotzdem hat er die Entwicklung beim FC Remscheid aus der Distanz im Augenwinkel verfolgt. "Traurig, dass der Klub so weit abgerutscht ist", sagt Feldhoff, der mit Staunen noch einmal nachfragt, warum der Klub vor fast genau einem Jahr Thorsten Legat als Trainer verpflichtet hat. "Da habe ich mich schon sehr gewundert", sagt Feldhoff - und wie er dann grinst und Richtung Kabine schlendert, könnte man fast meinen, ein Vierteljahrhundert wäre nie vergangen.

(RP)
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