Leichtathletik: Konzept für Walker muss auf den Prüfstand

Leichtathletik : Konzept für Walker muss auf den Prüfstand

13. Röntgenlauf: Läufer und Geher kommen sich in die Quere. Strecke oder Startzeit ändern? Teilnehmerrekord auf der Ultra-Distanz.

Ausruhen? Ein anderes Mal. Kaum war der 13. Röntgenlauf Geschichte, musste Bernd Fiedler schon wieder anpacken. Diesmal bei Tochter Malyn, die es beruflich zum Badminton-Olympiastützpunkt nach Mülheim an der Ruhr zieht. "Deswegen habe ich auch noch keine Zeit gehabt, mir mal die Feedbacks in Ruhe durchzulesen", gestand Remscheids Sportamtsleiter und Mitorganisator des Lauf-Events gestern.

Aber auch ohne großes Hintergrundwissen war ihm gestern klar, dass die Neuerung mit der 16-Kilometer-Runde der Walker und Nordic-Walker nicht der Stein der Weisen war. "Aus meiner Sicht müssen wir unser Konzept noch einmal überdenken", sagte Fiedler, nachdem er noch am Sonntag Kritik von Läufern zu hören bekam, dass die Walker bisweilen kaum zu überholen waren, ohne in Tuck mit den Wanderstöcken zu geraten. Fiedler: "Vielleicht müssen wir die Strecke oder die Startzeit verändern. So wie am Sonntag geht es aber aus meiner Sicht nicht mehr."

Ansonsten gab es kaum Klagen. Im Gegenteil. Der Ultra wächst sich mehr und mehr zu einer Vorzeige-Disziplin des Röntgenlaufs aus. Über 500 Starter sorgten für einen neuen Teilnehmerrekord. Dass umgekehrt in der Gesamtbilanz durch die Herbstferien nicht so viele Teilnehmer wie sonst am Start waren, störte nicht. Manchmal schien es sogar, als sei die Stimmung dadurch noch entspannter als in den Vorjahren.

Was den Röntgenlauf immer mehr auszeichnet, ist seine Ankerfunktion. Sportler, die längst nicht mehr in der Region zu Hause sind, nutzen die Veranstaltung als willkommenen Anlass, Freunde und Familie wiederzusehen. Das galt auch für Andrea Moritz. Wie gestern berichtet, lebt die 46-jährige Lenneperin, die ihren Schulabschluss am Röntgen-Gymnasium machte, seit 27 Jahren in Kanada. Aber wenn das letzte Oktoberwochenende naht, zieht es die Regierungssprecherin in Ottawa in die Heimat. Zwar konnte sich die Auswanderin, die sich auf den ganz langen Strecken am wohlsten fühlt und unter anderem bereits die 100km beim Röntgenlauf sowie Langstreckenrennen in Südafrika und Australien bestritt, verletzungsbedingt nicht starten. Das hinderte sie aber nicht daran, ihren Mann Marc Pelosse (17. im Ultra) anzufeuern und Freunde und Familie beim interkontinentalen Treffen zu sehen. In der Halle Hackenberg gab es nach dem Zieleinlauf ein gepflegtes Bier — gemeinsam mit Schulfreundin Jasna Omic-Giese, mit Angelika und Hans-Peter Schwick (Tante und Onkel) sowie dem belgischen Freund Rob Clark.

Ein Familientreffen gab es auch bei den Mehlfelds aus Lübeck. Vom ersten Röntgenlauf an kommen sie nach Remscheid. Ein Ende ist nicht absehbar. "Wir fühlen uns hier pudelwohl", sagt Christa Preuß, die mit Mann Thorsten Mehlfeld und Sohn Dennis beim Ultra antrat. Unterwegs wurde dann Wiedersehen gefeiert. "Einige Gesichter an den Verpflegungsständen sind einem inzwischen vertraut", schmunzelt Thorsten Mehlfeld.

Stammgäste der Veranstaltung sind auch vier Lenneper, die sich Jahr für Jahr in neue Kostüme stecken. Diesmal waren Uwe und Jens Heckmann, Holger Schulz und Markus Dobke als Neandertaler verkleidet auf der Halbmarathon-Distanz unterwegs. Das sorgte auf und neben der Strecke immer wieder für freudiges Gejohle. Läuferische Ambitionen wurden zurückgestellt, das Mitmachen war wichtiger — und die Pausen, bei denen entlang der Strecke versteckte Getränke vernichtet wurden. Dass dies wiederum in direktem Zusammenhang mit dem Gerücht steht, ein Läufer der Vierer-Bande habe die Strecke zwischendurch als Fahrgast in einem Auto abgekürzt, ist allerdings eine bis jetzt noch nicht nachweisbare Unterstellung . . .

(RP)