Lokalsport: Joey Kelly fand's "geil", Schmidt groggy

Lokalsport: Joey Kelly fand's "geil", Schmidt groggy

Marathon: Das Stiefkind des Röntgenlaufs bekam dank zweier Protagonisten diesmal mehr Aufmerksamkeit.

Der Marathon war beim Röntgenlauf bisher eher das ungeliebte Stiefkind. Auch in diesem Jahr nahmen "nur" knapp über 220 Läufer die 42 Kilometer lange Strecke unter die Sohlen. Das könnte sich bald ändern, denn Lokalmatador Daniel Schmidt und "Promi" Joey Kelly sorgten gestern dafür, dass es ein ganz besonderer Lauf wurde.

Für Daniel Schmidt wurde das Rennen eine besonders schmerzhafte Erfahrung, über die ihn zunächst sogar der neue Streckenrekord (2.41:52 Stunden) nicht hinwegtrösten konnte. Im Zielraum wich erst die Farbe in seinem Gesicht, dann die Kraft in den Beinen. Ein Drama schien sich anzubahnen, viele machten sich große Sorgen um Schmidt. Schließlich mussten sich sogar Notarzt und DRK-Sanitäter um den Sieger kümmern, der mit einer Trage abtransportiert und über eine Stunde betreut werden musste, ehe langsam aber sicher die Lebensgeister wieder erwachten.

War es die Unerfahrenheit auf dieser selektiven Strecke? War es der erst vor zwei Wochen absolvierte Essen-Marathon, der ihm noch in den Knochen steckte? Waren es zwei Sterbefälle in seiner engsten Umgebung, denen er das Rennen gewidmet hatte? Vermutlich eine Mixtur aus allem. Hinzu kam, dass er vom Start weg lief, als gäbe es kein Morgen mehr. Schon als es in die Altstadt hinab ging, hatte er nur noch den Lübecker Dennis Mehlfeld im Schlepptau. Im Halbmarathon-Ziel wies Schmidt eine Durchgangszeit von 1.14 Stunden auf. Wahnsinnig schnell. "Zu schnell", wie er hinterher einräumte.

Der "Mann mit dem Hammer" kam schließlich bei Kilometer 35. Da waren alle Akkus leer, Sehstörungen signalisierten, dass die letzten Körner verbrannt waren. "Ab da war es eine einzige Quälerei", gestand Schmidt, der von den "bittersten sieben Kilometern" sprach, die er je gelaufen sei. Als er unmittelbar nach der Zielankunft Streckensprecher Lothar Vieler ins Mikrofon sprach, er sei "glücklich, dass er das Rennen auch noch in neuem Streckenrekord gewonnen" habe, da drückte seine Mimik ganz anderes aus. Denselben Gesichtsausdruck setzte er übrigens nach der langsamen Erholung noch einmal auf, als er gefragt wurde, ob er denn noch einmal den Marathon beim Röntgenlauf in Angriff nehmen wolle: "Ich weiß nicht. Jedenfalls nicht, wenn ich zwei Wochen vorher schon einen Marathon gelaufen bin. Ich sollte mehr auf die Vernunft hören."

Es mag ihm ein Trost gewesen sein, dass die "Konkurrenz" auf seiner Distanz im Ziel lange auf sich warten ließ. Sehr lange sogar: Nachdem ein paar Ultras durchs Freibad Eschbachtal kamen, hatte der zweitplatzierte Philipp Wösthoff (Bonn) fast exakt 40 Minuten (!) Rückstand auf Schmidt. Dieter Kopp (LTV-Runners) wurde in 3:31:20 Stunden Fünfter - und damit Sieger in der Altersklasse M 65.

Zweiter "Star" des Tages im Freibad war ein Läufer, der 5.05:04 Stunden benötigte: Joey Kelly. Dem Ex-Sänger und Extremsportler ging es aber nicht um die Zeit. Er "quälte" zunächst zehn Sportler, die sich zuvor bei "Stern TV" beworben hatten und eine "Challenge" der besonderen Art absolvierten: Binnen 30 Stunden wurde erst Spinning gefahren, anschließend mit dem Kajak auf dem Rhein gepaddelt, schließlich mit dem Mountainbike von Lohmar (Kellys Wohnort) nach Remscheid geradelt, um dort den Marathon zu absolvieren. Acht Athleten bestanden die Prüfung. Die Sendung wird am 12. November bei RTL ausgestrahlt.

Kelly war hinterher voll des Lobes für den Röntgenlauf: "Ein geiles Rennen", gab er zu Protokoll, und: "Entlang der Strecke war die Stimmung super, die Strecke ist sehr anspruchsvoll. Ich kann jedem die Teilnahme nur empfehlen", adelte der 41-Jährige die Veranstaltung. Und er versprach: "Ich war nicht zum letzten Mal hier." Zwar wollte er sich auf den Zeitpunkt des Wiederkommens nicht festlegen, sagte aber: "Jetzt fehlt mir noch der Ultra. Diese 63 Kilometer gehören zu den Besten in ganz Europa."

Weniger spektakulär verlief der Marathon bei den Damen. Hier gewann Ina Radix in 3.32:12 Stunden. Dass sie den Streckenrekord knapp verfehlte, war der Athletin nach ihrem ersten Röntgenlauf-Start wurscht: "Ich bin froh, dass ich im Ziel bin. Die letzten Kilometer waren hart, da bin ich am Anschlag gelaufen." Zweite wurde Jaqueline Funke (ASC Düsseldorf) in 3.32:49 Stunden. Remscheider Stadtmeisterin darf sich Tanja Oerder nennen, die in 3.45:02 Stunden gestoppt wurde. Monika Guntermann (Wermelskirchen) wurde Neunte.

(RP)
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