Handball : HGR macht's wie der BVB

Auch wenn der Trainer die "M-Frage" noch umschifft: Handball-Oberligist HG Remscheid stürmt nach dem sicheren 34:28-Heimsieg gegen den Angstgegner aus Neuss mit Riesenschritten der Meisterschaft entgegen.

Sie sind offenkundig Brüder im Geiste: Obwohl ihre Mannschaften scheinbar unaufhaltsam Richtung Titel marschieren, wird die "M-Frage" stets geschickt umschifft. Das machte Borussia Dortmunds Coach Jürgen Klopp am Samstag Abend nach dem Sieg in München genauso elegant wie wenig später Mike Novakovic nach dem 34:28 (16:12) seiner HG Remscheid gegen den Neusser HV.

"Wir können über den Titel reden, wenn wir ihn in der Tasche haben", brummte Novakovic. Andere sind dagegen etwas forscher in ihrer Einschätzung. Beispielsweise Ralf Hesse. Der ist nicht nur Vorsitzender der HGR, sondern auch eingefleischter BVB-Fan. Und er jubelte am Samstag Abend: "Jetzt glaube ich fest an beide Meisterschaften." Eine Prognose mit jeweils nur geringem Restrisiko.

Das sah auch René Witte so. Der ehemalige Trainer und Sportliche Leiter des TuS Wermelskirchen ist in der neuen Saison Trainer des Neusser HV und sagte nach dem Spiel der HGR gegen sein künftiges Team: "Der Sieg war verdient. Remscheid hat eine abgezockte Mannschaft, die lassen sich die Meisterschaft nicht mehr nehmen."

Darauf deutete in den voraufgegangenen 60 Minuten tatsächlich viel hin. Zwar erwischten die Gastgeber, bei denen Munkel, Schröder, Zeller und Krajnik angeschlagen ins Spiel gingen, keinen Auftakt nach Maß. Im Gegenteil: Weil die Deckung vor allem über den Kreis anfällig für Gegentore war und auch Neuss' Rückraumschützen Andreas Mailänder nicht so recht in den Griff bekam, lagen die Gastgeber zunächst zurück (5:7; 12.). Ein anschließender 5:0-Zwischenspurt brachte jedoch zunehmend Sicherheit ins Spiel der Gastgeber.

Fortan zog die HGR ungefährdet ihre Bahnen und hielt den einstigen Angstgegner sicher auf Distanz. Dazu trug nach der Pause auch die Umstellung der Deckung auf eine 4+2-Variante bei. "Das", sagte Novakovic hinterher, "war die richtige Variante."

Alles in allem zeigte sich Novakovic hinterher so gelöst wie selten und stellte sogar den einen oder anderen trainingsfreien Tag in Aussicht. Nur von der "M-Frage" wollte er nach wie vor nichts wissen. Denn nach der Karneval-Pause warten auf sein Team erst das Derby bei den Panthern und dann die kniffeligen Aufgaben gegen Mönchengladbach, in Solingen und schließlich bei Verfolger Königshof. "Unser Restprogramm hat es in sich", weiß der Coach.

Allerdings hoffen viele im HGR-Lager darauf, dass auch Königshof vor dem direkten Aufeinandertreffen noch Federn lässt. "Vielleicht in Neuss oder in Mönchengladbach", orakelte der verletzte HGR-Rechtsaußen Jan-Heiner Lück, der nach seiner Schultereckgelenkssprengung übrigens um eine Operation herumkommt.

HGR-Tore: Munkel (7/2), Schröder (6), J. Oberdick, Zeller (je 5), Gavrilovic (5/3), Steinhoff, Krajnik (je 3).

(RP)