Fußball: FCR-Chaostage - platzt das "Projekt Zukunft" im Zwist?

Fußball : FCR-Chaostage - platzt das "Projekt Zukunft" im Zwist?

Hoppla. Da hat der FC Remscheid aber ein Erdbeben de luxe inszeniert, dessen Schockwellen vermutlich noch auf unbestimmte Zeit Wirkung zeigen werden. Trainer raus, Manager raus, alles - aber da streiten sich nun plötzlich die Fraktionen - ohne Wissen und Zustimmung von Präsident und Schatzmeisterin, die daraufhin sofort den geordneten Rückzug antraten. Palastrevolte? Eselei? Missverständnis?

Das Thema wird uns garantiert noch lange begleiten, aber sicher ist schon jetzt: Grandioser Verlierer ist einmal mehr der FCR, der sich gerade wieder eine seriöse Reputation erworben hatte. Jetzt muss der Klub einen beträchtlichen Imageschaden verdauen. Der erscheint nur reparabel, wenn entweder die eine Fraktion (Maar, Meyer) oder die andere (Kleinbongartz, Koch) enorme Wahrnehmungsstörungen im Umgang miteinander einräumt und dies der Öffentlichkeit plausibel erklären kann. Damit ist allerdings nicht zu rechnen.

Fraglich ist in jedem Fall, ob sich mit dem Gebaren von Dienstag die selbstgesteckten Ziele verfolgen lassen. Sportlich, aber auch im öffentlichen Ansehen und nicht zuletzt finanziell. Was Sponsoren davon halten, wie die Chefetage miteinander umgeht, lässt sich jedenfalls leicht erahnen. Schlimmstenfalls könnte der Hickhack also zu einem monetären Bumerang werden und das "Projekt Zukunft" schneller beendet sein, als es aus der Taufe gehoben wurde. Hochtrabende Ziele, die beinahe in Schutt und Asche enden - alles schon mal dagewesen.

Schlimm ist aber auch, dass die Trennung von Trainer Nikolic und Manager Zintner zwar der äußere Anlass dieser FCR-Chaostage ist, aber eigentlich nur noch als Randnotiz wahrgenommen wird. Das wird dem mit viel Herzblut versehenen Engagement der Geschassten definitiv nicht gerecht und droht obendrein die erhoffte Wirkung des Trainerwechsels verpuffen zu lassen.

Es wird also spannend sein zu beobachten, wie sich Mannschaft, Fans, Mitglieder und Geldgeber (aktuelle und potenzielle) verhalten. Umso mehr stehen die verbliebenen Verantwortlichen des FCR - ob mit oder ohne Amt - in der Pflicht, es besser zu machen. Ihr Start war allerdings wenig verheißungsvoll.

HENNING SCHLÜTER

(RP)
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