Fußball: Ein Hauch von Grün weht bei den Kickern

Fußball : Ein Hauch von Grün weht bei den Kickern

Die Arbeitstagung des Fußball-Kreises gleicht einem basisdemokratischen Exkurs mit teils hitzigen Diskussionen.

Nein, es wurde nicht gestrickt und gehäkelt. Es wurden auch keine Grünpflanzen auf den Tischen drapiert und die Haarpracht war sportlich kurz statt wallend und wirr. Und doch ähnelte die alljährliche Arbeitstagung der Fußballklubs im Kreis Remscheid kurz vor dem Saisonstart ansatzweise dem Klischee eines Grünen-Parteitags. Denn im Gegensatz zu früheren Zeiten, als den Vereinen ohne viel Federlesens Fakten zum kommentarlosen Schlucken präsentiert wurden, setzt der neue Kreisvorstand auf Basisdemokratie. Das führte am Dienstagabend zu teils lebhaften Diskussionen, die sogar in Ansätzen das Gleichberechtigungs-Thema streiften. Höchst ungewöhnliche Vorgänge in Fußballerkreisen.

Als "Novum" bezeichnete Kreis-Obmann Carsten Stopka bereits zu Beginn den Umstand, dass diesmal kein Klub bei der Pflicht-Veranstaltung fehlte. Es sollte nicht das einzige Ausrufezeichen an diesem Abend bleiben.

Hitzige Diskussionen entfachte vor allem der Wunsch des Kreises, dass die Heimvereine zur Sicherheit im Allgemeinen und zum Schutz des Schiedsrichters im Besonderen künftig bei jeder Partie drei Ordner zu stellen und in den Spielbericht einzutragen haben. "Unpraktikabel" und "weltfremd" waren noch die mildesten Unmutsäußerungen aus dem Plenum, in dem vor allem die Sorge grassierte, beim besten Willen nicht die notwendige Anzahl von Menschen in akzeptabler körperlicher Verfassung für den Job auftreiben zu können. Nach langem Hin und Her lenkte Stopka schließlich ein: Künftig sollen die Heimvereine nach den eigenen Möglichkeiten Ordner stellen und diese in den Spielbericht eintragen.

Ein Hauch von "Grün" wehte nicht zuletzt bei der Frage durch den Saal, ob die Regelung, dass Frauen bei Kreisliga-Spielen keinen Eintritt zahlen müssen, im 21. Jahrhundert nicht antiquiert sei. Dies fand gerade bei den "Fundis" Gerd Kirchhoff (1. FC Klausen) und Klaus Hesse (Hastener TV) Zustimmung. "2013 muss für alle die Gleichberechtigung gelten", ätzte Kirchhoff. Und Hesse legte nicht minder süffisant nach: "Haben Männer bei Damenspielen eigentlich auch freien Eintritt?" Am Ende setzte sich der Traditionalisten-Flügel durch: Das weibliche Geschlecht darf weiter umsonst in der Kreisliga zuschauen.

(RP)
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