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Aus den Vereinen: Doping-Opfer und Schirmherrin

Aus den Vereinen : Doping-Opfer und Schirmherrin

Rica Reinisch, dreimalige Olympiasiegerin im Schwimmen, unterstützt die Aktion "Sterne des Sports". An ihre eigenen Sternstunden denkt sie mit gemischten Gefühlen zurück. Sie wurde dem systematischen DDR-Doping unterzogen und bezahlte dafür mit ihrer Gesundheit.

Eigentlich könnte sie Werbung für Zahnpasta machen, so strahlend lacht sie und bleckt dabei die weißen Zahnreihen. Tatsächlich ist Rica Reinisch in Sachen PR unterwegs, allerdings in diesem Fall nicht für sich: Die 47-Jährige ist Schirmherrin der Aktion "Sterne des Sports", deren regionale Entscheidung von der Volksbank Remscheid-Solingen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund ausgerichtet wird und in der es für teilnehmende Vereine viel Geld zu gewinnen gibt (siehe "Info").

Wenn es um Sport geht, weiß Reinisch, wovon sie redet. Dreimal hat sie 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau Gold gewonnen. Die Schwimmerin im Badeanzug der damaligen DDR war über 100 und 200 Meter Rücken sowie als Rückenspezialistin mit der 4x100m-Lagenstaffel nicht zu schlagen. Neben Edelmetall war jeweils ein neuer Weltrekord die Ausbeute. Nicht zuletzt deswegen wurde die gebürtige Sächsin ("Ich komme aus dem Tal der Ahnungslosen") 1989 in die Ruhmeshalle des internationalen Schwimmsports aufgenommen.

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Das ist ein Grund, stolz auf sich zu sein — auch wenn sich ein Schatten über den Erfolgen der damals erst 15-jährigen Olympiasiegerin breitgemacht hat. Denn nach ihrer Zeit als Spitzenschwimmerin bekam Reinisch Herzrhythmusstörungen und mehrere Entzündungen des Herzmuskels. Folge des systematischen DDR-Dopings, das ihr ohne eigenes Wissen verabreicht wurde.

"Ich war ein pubertierendes Mädchen und wollte unbedingt die Beste sein", sagte Reinisch vor einiger Zeit in einem Interview mit dieser Zeitung: "Ich wusste nicht, welche perfiden Mittel dafür eingesetzt wurden." Sie machte reinen Tisch, packte aus — und wurde dafür auch noch kritisiert. "Ich bin ja sowieso der Nestbeschmutzer, hüben wie drüben", beschrieb sie einmal ihre Situation: "Ich war die erste und meines Erachtens auch einzige Olympiasiegerin, die den Schneid hatte, an die Öffentlichkeit zu gehen."

Ihren Lebensmut, ihre positive Grundeinstellung hat sich Reinisch nicht nehmen lasen. Trotz aller gesundheitlichen Rückschläge, die sie bis heute verfolgen. Inzwischen lebt sie in Aachen, leitet dort eine PR-Agentur und arbeitet als Moderatorin. Das tat sie auch bei der Auftaktveranstaltung für die "Sterne des Sports" in der Remscheider Volksbank-Filiale. "Es ist wichtig, die Leistungen der vielen Sportvereine aus dem Verborgenen zu zerren und richtig darzustellen", sagt Reinisch. Das tut sie gerne. Und lacht dabei so strahlend, dass im Kopfkino die Zahnpasta-Werbung zurückkehrt.

(RP/rl)