Fußball: "Deutschland kann Weltmeister werden"

Fußball : "Deutschland kann Weltmeister werden"

Ehrenspielführer Uwe Seeler glaubt beim höchst unterhaltsamen Treffen der WM-Legenden in Remscheid an das DFB-Team.

Meist heiter, manchmal auch nachdenklich, hier und da ein wenig belanglos, dann aber auch wieder scharf und pointiert - herrlich, wie sich zweieinhalb Stunden sorgenfrei über Fußball plaudern lässt. Erst recht, wenn man sich so profunde Szene-Kenner einlädt, wie es die Volksbank Remscheid-Solingen am Mittwochabend zum "WM-Talk" getan hat: Ehrenspielführer Uwe Seeler, die beiden Weltmeister Rainer Bonhof und Olaf Thon sowie der Dritte des "Sommermärchens" von 2006, Jens Nowotny, sorgten zusammen mit Moderator Manni Breuckmann dafür, dass den rund 400 geladenen Gästen im Saal des Restaurants "Schützenhaus" die Zeit wie im Flug verging.

Remscheider Rollhockey-Asse mit Weltmeister: Julian Peinke, Olaf Thon und Yannick Peinke (v. li.). Foto: Privat

24 Jahre wartet der Deutsche Fußball-Bund inzwischen auf einen WM-Titel. Jetzt soll es die "Goldene Generation" der Schweinsteigers und Lahms endlich richten. Für Uwe Seeler ist die Sache trotz tropischer Temperaturen und personeller Probleme jedenfalls klar: "Zum Turnierstart sind die Spieler topfit. Deutschland kann Weltmeister werden." Die HSV-Legende ist inzwischen 77 Jahre, aber wegen ihrer Bodenständigkeit nach wie vor ungeheuer beliebt. Auch bei der jüngeren Generation. "Den lieben Opa möchte man am liebsten knuddeln", entfuhr es einer entzückten Zuhörerin. Vielleicht verschwand Seeler deswegen nach dem Ende der launigen Diskussion rasch in den Ehrengast-Bereich.

Weniger zum Knuddeln, aber trotzdem nahbar und auch als willige Autogramm-Schreiber präsentierten sich Seelers Mitstreiter. Olaf Thon (48) übernahm die Rolle des jovialen Dampfplauderers, Jens Nowotny (40) die des sachlich-ruhigen Analysten. Und Mönchengladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof (62) kam gewohnt knurrig, gleichwohl aber auch sehr scharfzüngig und schlagfertig daher. Bei dieser Melange hatte Moderator Manfred Breuckmann (62) leichtes Spiel, um die Prominenz aus der Reserve zu locken.

Das tat im zweiten Teil auch das Publikum bei einer Frage-und-Antwort-Runde. Ex-FCR-Präsident Heiner Düssel wollte Näheres zu Schürrle und Podolski wissen, Jürgen Wüster, ob die Abreise nach Brasilien nicht zu spät erfolgt. Und Günther Müller und Dominik Hartmann prüften, ob ihr Wunsch, Özil auf die Bank zu setzen, Resonanz bei den Promis fand. Tat es nicht.

So wanderte der Ball munter zwischen Bühne und Saal hin und her, und es gab hinterher keinen, der sich davon nicht gut unterhalten fühlte. Sowieso nicht, weil die WM-Aussichten trotz aller Sorgen rosig erscheinen: Neben Seeler trauen auch Thon und Nowotny der DFB-Elf den Titel zu - wenn zum gepflegten Passspiel auch noch der Mut zur Grätsche kommt. Nur Bonhof tanzte aus der Reihe. Brasilien sei sein Topfavorit. Vielleicht, weil er Dante immer noch mag.

(RP)