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Fußball: Der Präsident und sein Berater sind nicht mehr tragbar

Fußball : Der Präsident und sein Berater sind nicht mehr tragbar

Was für ein Verschleiß! In den vergangenen zehn Monaten hat der FCR einen Trainer und einen Sportlichen Leiter beurlaubt und zudem einen Präsidenten, eine Schatzmeisterin und eine Geschäftsstellenleiterin vergrault. Sponsoren sind auch abgesprungen. Und jetzt vollzog auch noch die gesamte Sportliche Leitung ihren Rücktritt. Eine niederschmetternde Entwicklung, für die Präsident Michael Kleinbongartz und sein sogenannter "Berater des Vorstandes in fußballspezifischen Fragen" Jürgen Wellmann verantwortlich sind.

Dieter Maar und Sigrid Meyer führten mit ihren Vorstandskollegen den Klub zuvor völlig unaufgeregt, dafür aber verlässlich und vertrauensbildend. Der FC Remscheid war auf einem guten Weg, um an der Fußball-Basis ebenso wie in der Wirtschaft verlorengegangene Reputation wiederzugewinnen. Ob das ausgereicht hätte, ein oder gar zwei Klassen höher zu klettern und an alte Zeiten anzuknüpfen, ist ungewiss. Zumindest hätte sich aber niemand das Maul über den Verein zerrissen.

Das ist inzwischen anders. Handelnde Personen werden unter merkwürdigen Begleitumständen rausgeworfen oder rausgeekelt. Dass gestern die komplette sportliche Leitung wegen Jürgen Wellmann ihren Rücktritt ankündigte, ist selbst für den FC Remscheid einzigartig. Sehr wahrscheinlich werden auch Spieler dem Klub den Rücken kehren.

Die Demission von Putz, Jakubauskas und Hosnjak hat ihre Ursachen nicht im Holperstart der erst in letzter Minute für diese Saison zusammengestellten Mannschaft. Der Abschied fußt vielmehr auf internen Vorgängen, die böse Zungen als Weichkochen bezeichnen. Stellen sich also die Fragen: Wurde das Trio gezielt zermürbt? Wollten andere handelnde Personen bestimmte Posten haben, die nun vakant sind? Wir werden es in Kürze erleben.

In jedem Fall geht man so nicht mit Menschen um, die mit Herz für ihren Verein arbeiten. Ingmar Putz hat in besseren Zeiten immerhin 141 Spiele für den FC Remscheid absolviert, Sigitas Jakubauskas gehört mit Unterbrechungen in diesem Sommer 25 Jahre dem Klub an, Markus Hosnjak ist sogar seit 28 Jahren im Verein. Solche Verbindungen werden nach nur vier Spieltagen sicher nicht wegen einer Lappalie gekappt.

Der Zwist zwischen sportlicher Leitung und Jürgen Wellmann, der doch eigentlich - mit bisher kaum wahrnehmbarem Erfolg - fürs Marketing zuständig sein sollte, eskalierte schon zum Ende der vergangenen Saison. Das gab's sogar schriftlich. Kleinbongartz stellte sich auch damals hinter Wellmann. Der hat nun das Duell gewonnen. Zumindest vorläufig, aber mit großer Wahrscheinlichkeit auf Kosten des Vereins, der mal wieder ein Bild zum Haareraufen abgibt.

Finanziell ist der Klub klamm. Gerüchte über nicht oder erst nach mehrmaligen Mahnungen bezahlte Rechnungen und verspätet eingehende Spieler-Bezüge reißen auch in der neuen Saison nicht ab. Das war mal anders. Stattdessen gibt es Firlefanz wie ein Vereinslied oder den Pelz von Rudi Röntgen. Und dann ist da ja auch noch das persönliche Prestigeobjekt des Präsidenten mit dem Umzug der ersten Mannschaft nach Reinshagen, dessen Sinnhaftigkeit sich nach wie vor nur exklusivsten Kreisen erschließt, dafür aber auch im eigenen Verein und in der betroffenen Vereinslandschaft mit Kopfschütteln begleitet wird. Das Kerngeschäft des FCR bleibt dagegen auf der Strecke.

Die Liste der jüngsten Irrungen, Wirrungen oder die vermeintlichen "Kommunikationsprobleme" im Verein ließe sich an dieser Stelle beliebig lange fortführen. Deswegen waren die gestrigen Demissionen die falschen. Es gibt nur eine Lösung: den Rücktritt von Michael Kleinbongartz. Dessen Bilanz und Außendarstellung in den letzten zehn Monaten ist verheerend. Und: Jürgen Wellmann muss gleich mitgehen. Mehr Scherben und Zwist, als Kleinbongartz und Wellmann zusammen mit ihren immer weniger werdenden Mitstreitern aufgetürmt haben, kann der FC Remscheid nicht mehr verkraften. Das einstige "Projekt Zukunft" ist gescheitert. Es muss jetzt vorrangig darum gehen, das "Projekt Untergang" zu verhindern.

VON HENNING SCHLÜTER

(RP)