Lokalsport: Aus der Höhe ins Becken von Sheffield

Lokalsport: Aus der Höhe ins Becken von Sheffield

Schwimmen: Hannes Schürmann absolvierte erst ein Trainingslager in Bulgarien, ehe es mit der Behindert-Nationalmannschaft zu den British Open ging, die ab heute ausgetragen werden.

Während Leichtathleten, Fußballer und normalerweise auch Schwimmer gerne in wärmeren Gefilden und bei Sonne trainieren, zog es die Paralympische Nationalmannschaft der Schwimmer in den tiefsten Winter. Im bulgarischen Belmeken fand vom 2. bis 26. April ein Höhentrainingslager statt. Im Teilnehmerkreis auch der Remscheider Hannes Schürmann (SG Bayer).

Der Deutsche Behindertensportverband wählte bewusst die Sportschule Belmeken, die auf 2050 Metern Höhe liegt, da die Weltmeisterschaften in diesem Jahr vom 30. September bis zum 7. Oktober in Mexiko City stattfinden. Die Sportschule Belmeken, die vor den Olympischen Spielen 1968 errichtet wurde und bereits dort zur Gewöhnung der Sportler an die Belastungen in der Höhe diente, beherbergte seitdem viele Sportgrößen. Austragungsort der Olympischen Spiele 1968 war, wie bei der diesjährigen Schimmweltmeisterschaft, ebenfalls Mexiko City durchschnittlich auf 2310 Metern Höhe liegend.

Für Hannes Schürmann war das erste Trainingslager in der Höhe eine ganz neue Erfahrung. Ungewohnt hoch war die Belastung auf den Körper bei den Trainingseinheiten in dünner Luft. In den ersten Tagen stand die Gewöhnung an die Höhe im Vordergrund und nach ein paar Tagen wurde die Trainingsbelastung kontinuierlich gesteigert. Kurz nach Sechs begann der Tag für die Sportler. Nach dem Frühstück Training, Mittagessen und abermals Training. Nach den Nachmittagseinheiten stand Regeneration in der Sauna oder auf der Massagebank bei der Physiotherapeutin auf dem Plan. Nach dem Abendessen ging es früh ins Bett. Alle drei Tage gab es einen freien Nachmittag, der zum Relaxen oder auch für Spaziergänge und Wanderungen im Rilagebirge genutzt wurde.

Durch eine Grippe geschwächt war Hannes Schürmann ins Trainingslager angereist. Da er in der ersten Tagen noch Antibiotika nehmen musste, konnte er erst nach einer Woche voll mit der Gruppe trainieren. Dabei fiel er laut einer Pressemeldung des Deutschen Behindertensportverbandes positiv auf. Die Bundestrainerin Ute Schinkitz sagt hier: "Wir können hier an Sachen arbeiten, die zuhause gar nicht möglich sind, und Hannes ist sehr bemüht, auch kleinste Dinge umzusetzen."

Neben der normalen Trainingsarbeit an Ausdauer und Technik kam auch die die Videoanalyse zum Einsatz. Zudem wurde jeden Morgen der Creatinkinase-Wert gemessen, der Aufschluss über den Belastungs- und Erschöpfungszustand der Sportler gibt.

Direkt aus dem Trainingslager in Bulgarien flog Hannes Schürmann mit der Nationalmannschaft nach Sheffield. Die dort von heute bis zum 30. April stattfindenden British Open sind die dritte Station der World Para Swimming Series. Schürmann, der auf die zweite Station der Weltserie in Sao Paulo verzichtete, wird aktuell an Nummer 22 der Rangliste der Serie geführt.

Der junge Remscheider möchte in Sheffield gute Leistungen zeigen und ist selbst gespannt, wo er wettkampfmäßig steht und welche Auswirkungen das absolvierte Trainingslager hat. Starten wird Schürmann über 50m Schmetterling, 200m Lagen, 100m Rücken, sowie über 50, 100 und 400m Freistil im Ponds Forge International Sports Centre.

Bundestrainerin Ute Schinkitz sagt zu den Erwartungen bei den British Open in der Pressemeldung des Deutschen Behindertensportverbandes: "Wir erwarten dort keine Bestzeiten, aber die Erfahrung zeigt, dass in den ersten drei Tagen das ein oder andere gute Resultat herausspringen kann. Wir wollen sehen, welche Schwerpunkte die Sportler auch im Wettkampf umsetzen können."

(red)