Denksport: Auch Denken ist Sport

Denksport: Auch Denken ist Sport

Der Goldenberger TV hat sein Programm erweitert und bietet seit kurzem "Ganzheitliches Gedächtnistraining" an. Dabei werden kognitive, soziale und emotionale Fähigkeiten trainiert. Der Spaß steht dabei im Vordergrund.

100 Jahre alt ist die vereinseigene Turnhalle des Goldenberger Turnvereins. Sie hat Tradition und ist denkmalgeschützt. Doch der Sport, den die Goldenberger betreiben, ist jung und dynamisch. Einradfahren und ZUMBA zählen dazu und die Trendsportart "Parkour", bei der in der Halle Kisten und Kästen auf schnellstem Wege mit dynamischen und flüssigen Bewegungen überwunden werden, und draußen in der freien Landschaft Pfützen, Blumenbeete und Mauern.

Da überrascht es nicht, dass die Turner seit kurzem auch den "Denksport" in ihr Programm aufgenommen haben. Für Marc Schiller, seit Anfang 2011 Vorsitzender des GTV, passt das sogar ausgezeichnet. "Dabei geht es doch auch um Fitness."

Und das sogar in vielfältiger Weise. Beim "Ganzheitlichen Gedächtnistraining", wie der Denksport eigentlich heißt, werden zwölf Trainingsziele durch eine Vielfalt von Übungen spielerisch angesprochen, trainiert und miteinander verknüpft. Assoziatives Denken und Fantasie, logisches Denken, Wahrnehmung und das Erkennen von Zusammenhängen sind einige der Ziele, die Gedächtnistrainerin Claudia Reichelt mit ihren Kurs-Teilnehmern einmal in der Woche anpeilt. Kognitive, soziale und emotionale Fähigkeiten werden dabei trainiert, ohne Leistungsdruck und in entspannter Atmosphäre.

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Der Aufwand ist gering. "Einen Stift und ein Blatt Papier", schlägt Claudia Reichelt vor. Alles andere bringt sie selbst mit. Einen Sack voll Überraschungen vom Flohmarkt, die zu Sprichwörtern, Redewendungen oder flotten Sprüchen animieren könnten. Oder Fotos, die Erinnerungen aktivieren. Krabbelsäckchen, um den Tastsinn anzusprechen, Bilder mit optischen Täuschungen, Spiegelschrift-Texten und Schüttelanagrammen. Und "Brain-Gym" (Lernunterstützende Bewegungen) wie die "liegende Acht" klappt sogar ganz ohne Hilfsmittel.

Die Übungen sind vielfältig. Sie werden so geplant, dass sich Anspannung und Entspannung im Verlaufe einer Stunde abwechseln und möglichst alle in der Gruppe angesprochen werden. Claudia Reichelt: "Für mich ist wichtig, dass alle Spaß haben." Auf Ergebnisse komme es nicht an. "Der Weg ist das Ziel", zitiert Claudia Reichelt Konfuzius. So gelingt es, nicht nur das Gedächtnis zu trainieren, sondern auch kreativ Neues zu schaffen. Zum Beispiel Gedichte, Sprüche, Geschichten.

Womit deutlich wird, dass am Goldenberger "Denksport" weniger Seniorinnen oder Senioren mit Gedächtnisproblemen teilnehmen als vielmehr solche, die Geselligkeit mit Spaß an Denk- und Gedächtnis-Übungen verknüpfen wollen. Wenn Gruppenmitglieder dann so weit sind, dass sie selbst auch Materialien mitbringen und eigene Gedichte vortragen, weiß Claudia Reichelt, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

(gp)