Leichtathletik: Alte Liebe und das "Tal des Todes"

Leichtathletik: Alte Liebe und das "Tal des Todes"

Sylt hat es ihm angetan. Der schmale Streifen Land in der Nordsee ist für BM-Mitarbeiter Frank Putsch eine Art zweiter Wohnsitz geworden. Doch so oft er schon dort war: Am Sylt-Lauf hatte der Ex-Handballer, der sich inzwischen zum Ausdauerläufer gewandelt hat, noch nicht teilgenommen. Bis jetzt. Wie es dem Teilzeit-Nordlicht erging, schildert er hier:

"Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehn, wann werd ich sie wiedersehn?"

Die Rockband "Die Ärzte" sprechen mir jedes Mal aus der Seele, wenn ich meine Lieblingsinsel Sylt verlasse und nicht so genau weiß, wann ich dorthin zurückkehre. Meine Liebe zur Insel wollte ich schon seit Jahren dokumentieren, indem ich beim Sylt-Lauf mitmache. Der ist immer im März, zum Frühlingsanfang. 33 333 Meter sind dabei zu absolvieren, einmal vom Süden in den Norden der Insel. Dieses Jahr passt es endlich mal: Als "Nachmelder" bin ich dabei.

Schon auf der Fahrt zum Start wird über das Wetter philosophiert. Das ist Insel-üblich und ein wichtiger Faktor bei diesem Ereignis. Erst wurde Südwind angekündigt. Das hätte Rückenwind bedeutet. Doch schließlich sagen die Wetterfrösche West-Nordwestwind voraus. Leichter Gegenwind und Wind von der Seite. "Vier bis fünf Windstärken" merken die Einheimischen an. Ist ja schon mal was.

Pünktlich um zehn Uhr ist der Startschuss. Auf den ersten 15 Kilometern ist kaum ein Zuschauer am Streckenrand zu finden. Der Lauf wird hauptsächlich durch hupende Autos begleitet, die teilweise im Schritttempo neben uns her fahren. Kilometer 16 führt dann zur Westerländer Strandpromenade. Plötzlich sind Zuschauermassen am Streckenrand. Es herrscht Partystimmung. Ich glaube fast, ich bin im Ziel, so stimmungsvoll geht es hier zu. Dabei habe ich erst die Hälfte der Strecke geschafft…

Vorher war überall zu lesen: Die erste Hälfte ist leichter zu laufen. Erst danach wird es hart. Also: Kraft gut einteilen und nicht zu schnell angehen. Das habe ich beherzigt und merke: Die Warnungen stimmen. Zwischen Kilometer 23 und 29 sind wieder kaum Zuschauer zu sehen, die Läufer sind mehr oder weniger unter sich.

Jetzt weiß ich auch, warum das "Tal des Todes" seinen Namen hat. Hier geht es stetig bergauf. Oftmals hat man 50 Meter vor und hinter sich keinen Läufer. So langsam muss ich meine letzten Kräfte mobilisieren, um im Ziel anzukommen.

Noch drei Kilometer. "Franky, jetzt hast du Rückenwind", werde ich angefeuert. Doch davon merke ich nichts. Ich biege auf die Zielgerade ein. 'Mal gucken, ob ich noch spurten ansetzen kann', schießt es mir durch den Kopf. Doch ich lege den Gedanken schnell ad acta, denn hier bläst einem der Wind jetzt mit voller Kraft ins Gesicht.

Nach 2.55.40 Stunden habe ich es geschafft. Meine Liebe zur Insel habe ich nachhaltig bewiesen. Und die wird nie zu Ende gehen – trotz des Laufs…

(RP)