Remscheid: Spielzeugpistole löste höhnisches Gelächter aus

Remscheid : Spielzeugpistole löste höhnisches Gelächter aus

Karneval war schon längst vorbei und Halloween noch in weiter Ferne. Ein 53-jähriger Remscheider erinnerte sich sich dennoch an die Cowboyspiele seiner Jugend und die Gebrüder Dalton, als er plötzlich eine Chance sah, auf dieses Weise eine Unebenheit im Geldbeutel zu reparieren. Also bewaffnete er sich mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole und zog sich eine Sturmhaube über, wie sie Motorradfahrer tragen.

In diesem Aufzug suchte er im August 2017 die MPU-Begutachtungsstelle an der Bismarckstraße heim. Erst forderte er im Büroflur lautstark Bargeld, was dort nicht zu finden war. Dann trieb er einen Angestellten mit der vorgehaltenen Druckluftwaffe zum Empfang. Dort gab es eine Geldkassette, die ihm geöffnet wurde. Unter der Kleingeldschale fand sich einiges an Papiergeld - die Geschädigten sprachen von 1500 Euro, die man ihm aushändigte. Aus der Kleingeldschale bediente er sich vor seinem Verschwinden selbst - man kann schließlich jeden Cent gebrauchen.

Erfolg macht offenbar selbstsicher - jedenfalls beschloss der Angeklagte einige Monate später, in einem Friseurgeschäft an der Bismarckstraße die gleiche Inszenierung nochmals durchzuziehen. Die anwesende Frisörin hielt den vermummten Auftritt für einen Scherz und ließ sich davon nicht weiter beeindrucken. Selbst die vorgehaltene Pistole löste bei ihr nur ein höhnisches Gelächter aus. Das wiederum irritierte den Angeklagten derart, dass er mit den Worten "Ich glaube, Du bist mir zu cool" resignierte und den Laden verließ.

Auch der anschließende Versuch, in einem Computergeschäft in der Nähe mit der gleichen Masche zu Geld zu gelangen, war erfolglos. Geradezu mitleidig wurde ihm mitgeteilt, dass in einer hoch technisierten Zivilisation die Zahlung mit Bargeld mega-out wäre und die Kunden grundsätzlich mit EC- oder Kreditkarten bezahlen würden. Und außerdem wäre die Polizei bereits da, um ihn zu verhaften.

Vor dem Landgericht Wuppertal wird der Remscheider nun wegen des Verdachts der versuchten schweren Erpressung und schweren Raubes angeklagt. Ohne großes Nachfragen und recht kleinlaut bekannte sich der Angeklagte zu den Taten. Sein Anwalt kündigte schließlich für den nächsten Termin noch Einlassungen seines Mandanten an.

(RP)