Remscheid: Spiel auf der Tonleiter der Sehnsucht

Remscheid: Spiel auf der Tonleiter der Sehnsucht

Das Duo "Tangoyim" feierte in der Stadtkirche am Markt mit jiddischem Tango den Rhythmus des Lebens.

Sehnsucht und Lebensfreude im steten Wechsel durchlebten die Besucher des Konzerts des Duos Tangoyim am Sonntagabend in der evangelischen Stadtkirche am Markt. Stefanie Hölzle an Geige, Bratsche und Klarinette sowie Akkordeon-Spieler und Sänger Daniel Marsch bestachen mit ihrem harmonischen Zusammenspiel und äußerst emotionaler Musik.

"Das ist wunderschön", flüsterte eine Besucherin ihrer Begleitung zu und schloss gleich darauf die Augen, während die Melodien des Duos Gefühle von Sehnsucht und Trauer heraufbeschworen. Ja, es dominierten die ernsten und nachdenklichen Töne, ein zaghaftes Gefühl von Melancholie und unterschwelliger Hoffnung. Besonders jene Stücke, in der Hölzle Gesang beisteuerte oder die Streichinstrumente zu Gunsten der Klarinette zur Seite legte, bestachen durch fragile Schönheit. Allerdings entlockte auch Marsch seinem Akkordeon anmutige Tonfolgen, die den angenehmen Schwermut der Melancholie verströmten. Letztlich war es aber das perfekte Zusammenspiel, das am meisten herausstach.

Die zwei Musiker konnten auch mit fröhlichen Melodien und flotten Rhythmen aufspielen, wie vor allem die jiddischen Tangos zeigten. Mit der lebensfrohen Art formten diese Lieder einen Kontrast, der sich positiv auswirkte, indem er sowohl die Emotionen der eher gesetzten als auch der beschwingten Momente des Konzertes stärker betonte. Wenn Hölzle die Finger über die Saiten flitzen ließ und Marsch eine tänzelnde Begleitung spielte, hielt es auch das Publikum nicht mehr ruhig auf den Plätzen und hier und da wippten die Füße mit.

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Gelungen waren auch auch die Ansagen, bei denen sich Marsch und Hölzle abwechselten. Meist fassten sie den Inhalt der Texte zusammen und lieferten noch interessantes Hintergrundwissen zu den Stücken. Manchmal zeigte man sich auch etwas augenzwinkernd. "Das nächste Lied ist ein Stück in eigener Sache", sagte Marsch etwa im Vorfeld des Liedes "Gassensänger", das sich ganz typisch im Spannungsfeld von Melancholie und Lebensfreude bewegte. Andere Stücke handelten hingegen von der Emigration in die USA oder - wie konnte es anders sein - der unerfüllten Liebe.

Mit dem engagierten und gefühlvollen Auftritt konnte das Duo das Publikum überzeugen. Immer wieder gab es lauten Beifall für die Musiker.

(hathi)
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