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Sparkasse Remscheid: Coronakrise beschleunigt digitalen Wandel

Sparkasse Remscheid mit neuem Vorstand : Coronakrise beschleunigt Digitalisierung

Mit Peter Hardebeck ist der Vorstand der Sparkasse wieder vollzählig. Das Arbeiten im Homeoffice habe sich als ein Modell für die Zukunft bewährt. Immer mehr Kunden zahlen auch kleine Beträge mit der Scheckkkarte.

Ganz oben auf dem Strategieplan zur Zukunft der Sparkasse steht der Themenkomplex Digitalisierung. Das neue Geschäftsmodell mit App, online-Banking, elektronischem Postfach und Chats mit den Beratern soll bis spätestens 2028 ausgereift sein. Die Coronakrise hat diesen Umwandlungsprozess enorm beschleunigt, wie Vorstandssprecher Michael Wellershaus berichtet. Die Skepsis, seine Überweisungen von zuhause aus zu erledigen, sei bei vielen Traditionalisten unter den Kunden deutlich geringer geworden. Die Sparkassen-App erfreue sich zunehmender Beliebtheit. Auch das Bezahlen mit der Scheckkarte, und seien es nur die drei Weizenbrötchen beim Bäcker, habe zugenommen.

Laut Wellershaus hat die Sparkasse einen digitalen Stresstest bestanden. Bereits im Januar gab es die interne Vorgabe, das Arbeiten von zuhause aus zu testen. Dafür investierte die Bank in die erforderliche Infrastruktur. Dieser Schritt sei der Sparkasse gerade zu Beginn der Coronakrise sehr zu gute gekommen. „Wir haben 150 Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt“, berichtet Wellershaus. Das ist etwa die Hälfte der Belegschaft gewesen.

Die Digitalisierung dürfe aber nicht die persönliche Beratung und der Nähe zum Kunden im Wege stehen. Das Angebot, Gespräche unter vier Augen zu führen, sei durch die Möglichkeit zu einen Video-Chat ergänzt worden. Denn der Beratungsbedarf in finanziell unsicheren Zeiten sei zurzeit sehr intensiv. Vorstandsmitglied Norbert Thelen berichtet von aus seiner Sicht unkomplizierten Angeboten der Bank, Menschen bei der Tilgung der Kredite entgegen zu kommen, wenn sie in Schwierigkeiten sind. Bis zu neun Monaten können die Tilgungsraten ausgesetzt werden. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Kunden durch die schwierige Zeit zu kommen“, sagt Thelen. Das gelte ebenfalls für Gewerbetreibende und den Mittelstand. Der Informationsbedarf sei groß. Es gelte abzuwägen, welches Instrument am besten geeignet sei, den jeweiligen Betrieb durch die Absatzflaute und die Zeit ohne Einkünfte zu führen. Dabei werden Fragen geklärt, ob ein Kredit in Frage komme, oder welche steuerlichen Möglichkeiten sich ergeben. „Wir müssen da sehr genau hinschauen“, sagt Thelen. Die Sparkasse verstehe sich in der Krise auch als Sparringspartner, mit dem die Geschäftsmodelle unter die Lupe genommen werden, sagt Wellershaus.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, der zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der Bank ist, sieht die Remscheider Wirtschaft insgesamt gut aufgestellt. Wann die Absatzmärkte für die exportstarken Unternehmen wieder funktionieren, könne von Remscheid aus nicht beeinflusst werden. Er regte aber an zu schauen, wie die Lieferketten aussehen, und ob das Kriterium der Nachhaltigkeit nicht stärker berücksichtigt werden könne.

An der digitalen Transformation der Sparkasse wird Peter Hardebeck künftig noch stärker mitreden und mitgestalten als bisher. Der 49-Jährige rückte in den Vorstand der Bank auf. Nach dem Ausscheiden von Frank Dehnke zu Beginn des Jahres, ist der dreiköpfige Vorstand nun wieder vollständig. Als Überwachungs- und Risikovorstand gehört die Gesamtbanksteuerung und der Compliance-Bereich zu seinen Aufgabenschwerpunkten. Zudem trägt er Verantwortung für die Marktfolgetätigkeiten im Kreditgeschäft. 2028 ist für Hardebeck kein Datum, das ihn sonderlich beunruhigen würde. Er sieht die Sparkasse Remscheid, der er seit 2009 angehört, für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt.