Remscheid: Spagat zwischen Messegesang und Liedern voller Lebenslust

Remscheid: Spagat zwischen Messegesang und Liedern voller Lebenslust

In die Lenneper Stadtkirche kamen am späten Sonntagnachmittag an die 80 Besucher, von dem schönen Sonnenwetter in beste Stimmung für Südamerikanisches versetzt, das in dem kühlen Kirchenraum angekündigt war.

Der 21-köpfige Kammerchor "Via Cantica" aus Bad Oeynhausen hatte Lieder aus "Der alten und neuen Welt" für seine letzte Tournee vorbereitet. Vor zehn Jahren war er durch den Lenneper Kantor Johannes Geßner für ein Orgelprojekt gegründet worden; Lieder aus verschiedenen Teilen der Welt gehören zu seinem Repertoire. Erster Beifall für die südamerikanischen Rhythmen brandtete erst spontan nach dem vierten Stück auf. Zuvor hatten sich alle an die Regel eines Kirchenkonzertes gehalten, erst am Schluss Applaus zu spenden.

Das Hirtenlied für das Christuskind "Convidando esta la noche" von Zéspedes schuf eine lebendige Brücke zwischen Publikum und Chor. In diesem Lied war der Wechsel zwischen choralartiger Geschlossenheit und Frömmigkeit im Refrain zu wilder, temperamentvoller Lebenslust in der besungenen Freude am kleinen Kind charakteristisch für das Konzert. Denn im Mittelpunkt stand die barocke Missa "Ego flos campi" des Juan Gutierrez de Padilla aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Zwischen den einzelnen Teilen der Messe wurden weltliche Lieder aufgeführt, so dass die beiden Seiten des Konzerts, die kirchlich gebundene Frömmigkeit und die Lieder mit volkstümlichen Elementen sich zunächst sehr fremd gegenüberstanden. Gutierrez de Padillas Messe erklang in heller, auch girlandenartig verlaufender Melodik. Wohlklingend war die Reinheit des Chorgesangs, in feinen Farben mit warmen Sopran- und Altstimmen, kräftigem, von nur sechs Männerstimmen getragenem Tenor und Bass. Wie ein kunstvolles Flechtwerk wirkte das Credo, in dem der "Amen"-Ruf in immer gleicher Form zwischen die unterschiedlichen Glaubenssätze gerufen wurde.

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Rhythmisch kontrastierend war die durchlaufend gezupfte Melodie des Kontrabassisten Rolf Fahlenbock, die Begleitungen durch das Gitarrenduo von Kai Heumann und Sergio Mansilla, der mit dem kecken Vogellied "Pájero chegüi" die Begeisterung auf seiner Seite hatte. Johannes Geßner bezog mit den drei Instrumentalisten heimische Musiker um den Freundeskreis des Lenneper Gitarristen Kai Heumann ein. Erzählerisch, in feiner Intonation erklang die poetische "Balada de Mallorca" von Manuel de Falla und das melodiöse "Ave Maria" des modernen Komponisten Joaquin Rodrigo.

Überzeugende Sprünge von der Zeit der Missionierung Lateinamerikas bis zu unserer Gegenwart prägten den Schlussteil des Konzerts. Mit dem humorvollen Lied eines verliebten Hirten aus dem Liederbuch von Upsala (1556) und das mitreißende, "Bambalé" von Jorge Gustavo Mejia setzten Akzente. Nach dem Dank durch Pfarrerin Antje Meng verabschiedete sich der Kammerchor mit dem "Vater Unser" in der sensiblen Komposition von Johannes Geßner.

(gsm)
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