Sozialticket könnte Altersarmut lindern

Sozialpolitik : Sozialticket kann Altersarmut lindern

Bei der ersten Armutskonferenz im Neuen Lindenhof sammelten die Teilnehmer Vorschläge. 840 Rentner sind in Remscheid auf Grundsicherung angewiesen, weil die Rente nicht zum Leben reicht.

Armut ist nicht immer offensichtlich. Auch in Remscheid nicht. 2018 bezogen zum Beispiel 840 Rentner in der Stadt (etwa 60 Prozent davon Frauen) die Grundsicherung, weil die Rente nicht zum Leben reicht. Von der Armut ihrer Familien waren im vergangenen Jahr 3903 Kinder und Jugendliche betroffen. Ideen für Lösungen und Hilfsansätze waren das Ziel der ersten Armutskonferenz, zu der die Partei „Die Linke“ am Samstag in den Neuen Lindenhof einlud.

Rund 50 Teilnehmer aus Verbänden, Vereinen, Verwaltung und Bürgerschaft diskutierten im Stil des Formats World-Café mit Experten über Kinderarmut, Wohnungslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit und Altersarmut. Diese vier Themen sind in der Kommune die dringendsten Bereiche der Armut in Remscheid, erklärte Brigitte Neff-Wetzel, sozialpolitische Sprecherin der Ratsfraktion. Die Gespräche wurden so angeregt geführt, dass die angestrebten 15 Minuten zum Wechseln der Gruppen nicht eingehalten werden konnte. Nach und nach füllten sich die Pinnwände mit Vorschlägen, die die Partei nach Möglichkeit als Antrag in den Rat bringen möchte.

In Bezug auf die Kinder- und Altersarmut waren sich die Teilnehmer einig, dass die Arbeit vor Ort in Quartieren gestärkt werden muss. Zentrales Stichwort war dabei die Schaffung von Treffpunkten durch Stadtteilzentren. Man müsse den Älteren die Würde wieder zurückgeben, sagte Marko Röhrig von der IG Metall.

Er schlug die Einführung eines Sozialtickets vor, das den Senioren nicht nur die kostenlose Nutzung des öffentlichen Verkehrs ermöglichen würde, sondern auch den Zugang zur Kultur (kostenfrei oder zumindest deutlich reduziert). Steuererleichterungen sowie komplette Gebührenbefreiung bei Vereinen, Banken oder der Bibliotheksnutzung waren weitere Ideen der Gruppe. Zudem wurden Patenschaften angeregt.

Patenschaften war ebenfalls ein Stichwort zur Wohnungslosigkeit. Mietpaten könnten potenziellen Vermietern als Ansprechpartner bei Problemen dienen, schlug Michael Ketterer vom Jugendamt vor.

Eine Mietausfallgarantie könnte einen zusätzlichen Anreiz zur Vermietung leerstehender Wohnungen bieten. Bei den Vermietern, egal ob privat, öffentlich oder Genossenschaft, müsse zuerst ein Umdenken stattfinden, betonte Teilnehmer Karl Strock. Denn Stigmatisierung ist das größte Problem. Zu den weiteren Ideen zählte, das Tagescafé der Caritas ins Zentrum zu rücken und Gespräche zwischen Stadt und Vermietern in die Wege zu leiten.

Kindern und Jugendlichen aus armen Familien müsse verdeutlicht werden, dass sie eine Zukunft haben, forderte Gottfried Meyer (Linke) in Bezug auf die Themen Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit. Die Frustration und Zukunftsangst der arbeitslosen Jugendlichen sei das größte Problem. Obwohl es mit „KAOA“ schon ein Programm für einen besseren Übergang von Schule zum Beruf gibt, sei das ein Schwachpunkt, befanden die Teilnehmer. Die Betriebe sollten aktiver werden, mehr ausbilden.

Hauptamtliche „Kümmerer“ in den Quartieren als Begleiter der Kinder bei Schulaufgaben oder anderen Dingen des Alltags lautete ein Vorschlag der Gruppen zur Kinderarmut. Öffentliche Lernräume zu schaffen sei wichtig, weil vielen Familien der Platz fehle.

Dazu müsse auch der Zugang zu den Offenen Ganztagen an Schule überdacht werden, merkte Sozialdezernent Thomas Neuhaus an.

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