Sommerempfang 2024 der Bergischen IHK Launiger Abschluss eines Abends ernster Worte

Wuppertal / Solingen / Remscheid · Mit jedem Jahr wird die Zahl der geladenen Besucher beim nach neuen Konzept gestalteten IHK-Empfang größer. Was auch mit den prominenten Gästen zu tun – diesmal waren es Journalistin Anja Kohl und Kabarettist Florian Schröder.

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So war der Sommerempfang 2024 der Bergischen IHK

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Foto: Jürgen Moll

Christian Lindner hat den offiziellen Teil des Sommerempfangs der Bergischen Industrie- und Handelskammer noch etwas hinaus gezögert. In die Rolle des Bundesfinanzministers war Florian Schröder als Zugabe seines 30-minütigen Gastspiels geschlüpft und spielte zur Freude der rund 900 Gäste in der Wuppertaler Stadthalle überzogen mit dem von Kunstpausen Redestil des FDP-Politikers.

Es war ein launiger Abschluss einer knapp dreistündigen Veranstaltung, die wie schon in den beiden Jahren zuvor geprägt war von ernsten Worten. „In stürmischen Zeiten allerorten – weltpolitische wie regional – werden die Aufgaben nicht weniger. Aber ich freue mich, dass wir heute gemeinsam netzwerken können und vorher spannende Informationen und vielleicht auch das eine oder andere Unterhaltsame genießen können“, hatte IHK-Geschäftsführer Michael Wenge den Abend eröffnet.

Die Rollen waren klar verteilt. Für das Unterhaltsame war neben Florian Schröder die Tanzschule Schäfer aus Wuppertal mit ihrem „Dance4Fans“-Meisterteam zuständig. Mit dem Sachlichen waren IHK-Präsident Henner Pasch und Anja Kohl beauftragt. Die Journalistin und Fernsehmoderatorin (u.a. „Wissenschaft vor Acht / ARD) sprach über „Welt im Wandel – die deutsche Wirtschaft und ihre Chancen“.

Dass Anja Kohl gleich zu Beginn ihres 40-minütigen Vortrags sämtliche Vertreter aus Unternehmen, Wirtschaft und Politik zum aktiven Bewegen mit Aufstehen sowie Strecken und Recken brachte, hatte symbolischen Wert für ihre Kernaussage: „Bewegen Sie sich, seien Sie mutig, erfüllen Sie Ideen mit Leben“.

Dem motivierenden Aufruf war ein ernüchternder Blick auf den Status-Quo der deutschen Wirtschaft vorausgegangen. Ein Aufschwung sei in Deutschland nicht in Sicht, die wirtschaftlichen Grenzen seien erreicht. „Eine Wertschöpfung findet zwar statt, aber nicht in Deutschland“, führte die Wirtschafts- und Börsenexpertin aus. „Deutsche Großunternehmen investieren in großem Stil in Ost-Europa oder China.“ Ihre Beobachtung: Gewinne auf Basis des Gewohnten zu erzielen, funktioniere vielleicht noch aktuell – „aber es ist ein Auslaufmodell“. Das zu ändern, sei das Schwierigste. „Denn auf Dauer drohen die Vermögenswerte der industriellen Revolution wertlos zu werden.“

Henner Pasch war zuvor in seiner Rede in vielen Punkten ähnlich deutlich geworden. Lokale Dauerbrenner-Themen wie konjunkturelle Entwicklung, Ausbildung, Fachkräftemangel, die Standstreifen-Diskussion auf der Autobahn 3 oder das Chaos um den Ausbau des Fernwärme-Netzes in der Elberfelder Innenstadt erwähnte er nur am Ende als Randaspekt. Stattdessen stellte der IHK-Präsident das Grundgesetz in den Mittelpunkt. „Mir war es wichtig, es zu ehren und unserer Politikerinnen und Politiker an das Grundgesetz und seine unglaubliche Güte zu erinnern.“

Die Liste der Kritikpunkte war lang. Allen voran standen das Schulwesen und das gesellschaftliche Miteinander. „Ist irgendeine Form der Demut bei den politisch Verantwortlichen zu erkennen, dass sie beim Thema Bildung ihrem im Grundgesetz formulierten Auftrag nicht nachkommen“, lautete eine rhetorische Frage Paschs. „Ausbaden müssen es die Schülerinnen und Schüler sowie die Unternehmen.“ Die Qualifikation vieler Bewerberinnen und Bewerber sei so schlecht, dass die Ausbildungszeit zu einem großen Nachhilfeunterricht für Lesen, Schreiben und Rechnen ausarte.

Apropos Bewerber. Henner Pasch appellierte an die Politik, darauf zu achten, dass sich Leistung weiterhin lohnt: „Fakt ist, dass wir alle in jüngster Zeit viel zu oft Bewerbungsgespräche führen mussten, in denen uns unser Gegenüber gesagt hat, dass es sich vor dem Hintergrund der umfänglichen Versorgung des Staates persönlich nicht lohnt, aufzustehen und Leistung zu zeigen“ – auch wenn diese Gespräche (noch) die Ausnahme seien.

Wenn Henner Pasch aber die Unternehmen im Bergischen Land anschaue, dann zeige sich, dass das Prinzip, zum Wohle der Allgemeinheit zu dienen, in besonderem Maße gelebt werde. „Wenn möglich und nötig, bauen sie sogar Kitas und helfen dem vollkommen überforderten Staat auch hier – wenn man sie denn lässt.“