Remscheid: Silvester wird nur noch bleifrei gefeiert

Remscheid: Silvester wird nur noch bleifrei gefeiert

An Silvester wird das neue Jahr lautstark begrüßt. Zudem ist es Zeit, sich zu verabschieden. Nicht nur von 2017, auch vom allseits beliebten Bleigießen.

An Silvester knallt, blitzt und rumst es traditionell an allen Ecken und Enden, um das neue Jahr lautstark willkommen zu heißen und das alte Jahr gebührend zu verabschieden. Damit das viele Haushalte in Remscheid so machen können, wird in den letzten Wochen vor dem Jahreswechsel auch am Lüttringhausener Standort der Firma Nico-Europe, die ihren Hauptsitz in Berlin hat, schwer gearbeitet. "Die Kollegen haben die Höchstphase des Versandes an den Handel hinter sich", sagt Marco Finessi, Verkaufsleiter in Berlin.

Derzeit gebe es sehr viele Neuheiten: "Es gibt praktisch zur Zeit keinen Hersteller, der nicht auf Neuentwicklungen setzt", sagt Finessi. Besonders gefragt seien in diesem Jahr die sogenannten Wunschraketen: "Die haben im Raketenkopf einen kleinen Schlitz, in den die Benutzer einen Zettel mit einem Wunsch stecken können", sagt der Verkaufsleiter. Damit könne man also seine Neujahrswünsche symbolisch "in den Himmel schießen". Ansonsten würde es hauptsächlich Weiterentwicklungen im Verbundfeuerwerk, also bei den kombinierten Raketen, geben: "Damit sollen in erster Linie mehr Lautstärke und Effekte produziert werden", sagt Finessi.

Wobei den Herstellern durch eine neue Verordnung ein Limit an Schwarzpulver vorgegeben sei: "Pro Rakete oder Böller dürfen ja schon immer nicht mehr als 500 Gramm verwendet werden. Neu ist, dass es im Verbund 2000 Gramm nicht überschreiten darf." Eine weitere Neuerung sei die europäische Zulassung per CE-Stempel: "Der löst die bisherige Zulassung durch das Bundesamt für Materialforschung und Entwicklung ab. Sie ist somit künftig europäisch geregelt", sagt Finessi. Dadurch könnten die Raketen und Böller auch im europäischen Ausland gefertigt werden - mit einer wichtigen Ergänzung: "Die Anleitung und alle anderen Texte auf den Raketen und deren Verpackung müssen in deutscher Sprache verfasst sein", sagt Finessi.

Neben den Raketen gehört in vielen Haushalten auch das beliebte Bleigießen zu Silvester wie die Gans zu Weihnachten. Aber auch vor dieser Tradition macht der Fortschritt nicht Halt, wie Finessi berichtet: "Bleigießen ist mehr oder weniger bereits aus dem Handel verschwunden, nur vereinzelt werden noch Restbestände verkauft." Das hänge vor allem mit dem giftigen Blei zusammen, das ab dem neuen Jahr verboten wird. "Die Gefahr, dass etwa Kleinkinder die kleinen Bleikügelchen oder Figuren verschluckten, ist einfach zu groß", sagt Finessi. Daher sei man auf ungefährlicheres Wachs umgestiegen.

Der Kunde werde das vermutlich erst zu Hause und bei näherer Betrachtung der Packung erkennen, meint der Berliner Verkaufsleiter: "Es sieht genauso aus, hat also eine silberne Färbung bekommen, und auch die Art der Figuren ist gleichgeblieben." Es müsse niemand darauf verzichten, einen Glücksklee, ein Schweinchen oder eine Glocke schmelzen zu lassen und zu etwas Neuem und Zukunftsweisendem im kalten Wasserbad formen zu lassen. "Das Abkühlverhalten ist auch sehr ähnlich", sagt Finessi. Der Handel habe das neue Produkt bereits gut angenommen - es bleibe nun abzuwarten, was der Endkunde dazu sage, meint Finessi: "Ich habe allerdings bei einer kleinen Umfrage im Freundes- und Familienkreis bislang nur positives Feedback bekommen."

Jetzt müssen die Knaller und das Blei nur noch besorgt werden, damit das neue Jahr entsprechend begrüßt werden kann. In Deutschland ist das nach wie vor nur an den drei Tagen vom 29. bis 31. Dezember möglich. Gezündet werden dürfen die Raketen und Böller übrigens nur an zwei Tagen - jeweils ganztätig an Silvester und Neujahr. Das ist europaweit unterschiedlich geregelt.

(RP)