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Sigurd Tesche: Im Bergischen Land schließt sich der Kreis

Der letzte Film von Sigurd Tesche : Im Bergischen Land schließt sich der Kreis

Dokumentarfilmer Sigurd Tesche ist im Januar gestorben. Seine Tochter führt das Werk des Pioniers fort. Am Dienstag läuft sein letzter Film im WDR.

Bis zuletzt dachte Sigurd Tesche an seine Filme. „,Du musst sie beenden‘ – dieses Versprechen hat er mir kurz vor seinem Tod noch abgenommen“, sagt seine Tochter Natali Tesche-Ricciardi. Ihr Vater starb im Januar dieses Jahres im Alter von 79 Jahren. Am Dienstag zeigt der WDR nun seinen letzten Film: „Das Bergische Land – Wasser, Wälder, Wunderwelten.“

Die Arbeit an der Endfassung des Films sei emotional sehr belastend gewesen, erzählt Natali Tesche-Ricciardi, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in den USA lebt und seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr in Deutschland war. „Ich habe getrauert, musste aber mehr oder weniger sofort die Filme fertig machen, Schnittänderungen prüfen und vieles mehr. Das war schlimm für mich.“ Anfänglich habe sie gar nicht erwarten können, dass der Film endlich fertig werde.

Jetzt, da die Arbeiten tatsächlich zu Ende sind, dominiert ein anderes Gefühl: „Es ist schwierig für mich, weil nun sozusagen unser Arbeitsverhältnis beendet ist und die direkte Verbindung zu meinem Vater nicht mehr besteht. Natürlich gibt es viele Dinge, die mich an meinen Vater erinnern, aber die gemeinsame Arbeit, die ein großer Bestandteil unseres Lebens war, ist weg.“

Die Fertigstellung des Films „Im Wald der Luchse“, der im August sehr erfolgreich in der ARD lief, hat Sigurd Tesche noch begleitet. Für den Film über das Bergische Land, der am Dienstag gezeigt wird, waren die Dreharbeiten zwar fast abgeschlossen – aber ein Großteil der Arbeit fing dann erst an. Natali Tesche-Ricciardi ist glücklich, dass das letzte Werk ihres Vaters im Bergischen Land spielt: „,Wo sind Sie denn am liebsten auf der Welt?‘ Das wurde mein Vater oft gefragt. ,Im Bergischen Land‘, hat er immer geantwortet – auch wenn er sehr viel von der Welt gesehen hat.“

Sie sei sehr froh, dieses letzte Werk zu haben, das sie für ihren Vater beenden konnte, sagt die 49-Jährige. „Am Schluss ist ein Sonnenuntergang im Schnee zu sehen. Den hat mein Vater selbst gedreht. Das ist ein perfektes Ende. Er hat seinen eigenen Sonnenuntergang gefilmt.“

Waschbär, Biber und Uhu spielen eine Rolle in dem Film, aber natürlich auch die Wupper und die alten Wassermühlen, denen Solingen seinen Weltruf als Klingenstadt verdankt. Ebenfalls gefilmt wurde im „Windloch“ bei Engelskirchen – nicht nur die größte Höhle in Nordrhein-Westfalen, sondern unter den größten zehn Höhlen Europas. Erst im vergangenen Jahr gelang es Forschern, sich Zutritt zu verschaffen – auf einer Länge von acht Kilometern konnte die Höhle inzwischen erforscht werden. „Das Wort ,Wunderwelten‘ im Titel gefällt mir besonders gut“, sagt Natali Tesche-Ricciardi.

Sie ist Kamerafrau, Moderatorin, Autorin – und führt die Firma ihres Vaters nach dessen Tod weiter. Mit zwei Kindern nicht ganz einfach, wie sie sagt. „Aber wir müssen da jetzt dranbleiben.“ Erstmals hat sie nun alle Fäden in der Hand. „Ich durfte immer vieles machen, aber vieles eben auch nicht“, erzählt sie. Ihr Vater sei ein sehr dominanter Mensch gewesen. „Es war nicht immer einfach für Mitarbeiter, neben ihm zu bestehen. Aber er war stets fair und großzügig.“

Ein stolzer, aber auch bescheidener bergischer Mann sei er gewesen. Bei der Fertigstellung des letzten Films seien viele Geschichten über ihn erzählt worden. „Es wurde viel an ihn gedacht und viel gelacht – und alle waren mit Eifer dabei, um ihm ein Denkmal zu setzen. Das Team war wirklich toll und hat mich unheimlich unterstützt“, sagt die Tochter.

Dass sie in große Fußstapfen tritt, ist ihr klar. „Den deutschen Dokumentarfilm ohne Sigurd Tesche können sich viele nicht vorstellen. Er war ein Pionier, ein Vorreiter.“ Mit einem eingespielten Team will Natali Tesche-Ricciardi diese Lücke nun füllen – und nicht zuletzt auch die Verbindung zu ihrem Vater nicht abreißen lassen.

Das nächste Projekt, das der WDR noch mit Sigurd Tesche vereinbart hatte, wird übrigens wieder im Bergischen Land gedreht. Diesmal geht es um die Talsperren. Der Film wird bereits produziert, Natali Tesche-Ricciardi koordiniert alles aus Übersee.

Mit dem letzten Film schließt sich für die Tochter auch ein Kreislauf. „Mein Vater hat genauso angefangen, seit er in der frühen Jugend von seinen Eltern eine Kamera bekam: Er ist durch das Bergische Land gezogen und hat Tiere fotografiert und gefilmt. Es war seine Passion.“