Seiteneinsteiger helfen den Grundschulen

Schule in Remscheid : Seiteneinsteiger helfen den Grundschulen

Personalnot prägt den Alltag in den Grundschulen. Das Land NRW setzt darum auf Seiteneinsteiger.

Es sind schwere Zeiten für Grundschulen. Personalmangel prägt den Alltag. „Es gibt selten einen Unterrichtsmorgen, der in ruhigem Fahrwasser verläuft“, hört GEW-Vorstand Ute Brocke von den Kollegen an den 17 hiesigen Grundschulen. Fällt eine Lehrkraft aus, setzt ein Dominoeffekt ein. „Die Belastung der Lehrer ist an der Kante“, weiß Brocke. Stellen sind zwar vorhanden, aber der Nachwuchs fehlt. In der Not setzt das Land NRW auf Vertretungslehrer und Seiteneinsteiger. Von letzteren sind seit 2017 neun an hiesigen Grundschulen eingestellt worden.

Voraussetzung: ein universitärer Abschluss mit möglichst pädagogischen Anteilen. Nena Leban bringt dies mit. Die 25-Jährige hat seit dem 24. August eine Vollzeitstelle als Musiklehrerin je zur Hälfte an der Grundschule Hasten und Daniel-Schürmann. Für sie war es ein Sprung ins kalte Wasser. 15 Klassen mit mehr als 400 Schülern unterrichtet die Slowenin, die nach sechs Jahren Studium in Köln Deutsch wie ihre Muttersprache spricht.

Nena Leban hat an der Musikhochschule ihren Bachelor of Music erworben, mit Instrumentalpädagogik und Orchester als Schwerpunkten. Ihr Hauptfach war das klassische Saxofon. Das Holzblasinstrument ist seit ihrer Jugend ein ständiger Begleiter. „Aber als Saxofonistin kannst du später nicht von den Konzerten leben.“ Auch mit ihren Honorarverträgen als Musikschullehrerin für Saxofon und Klarinette wäre sie auf Dauer mehr schlecht als recht über die Runden gekommen. „Eigentlich wollte ich deshalb Grundschullehramt obendrauf studieren.“ Da dies aber ein Zweitstudium gewesen wäre, hätte sie nur geringe Chancen gehabt, immatrikuliert zu werden.

Leban entschied sich für den unkomplizierteren Seiteneinstieg, bewarb sich an mehreren Grundschulen im Umkreis von Köln, um Anfang Juni ein Gespräch mit der kommissarischen Leiterin der Daniel-Schürmann-Schule, Dorothea Danecki, zu führen. „Dann habe ich lange gewartet.“ Am 24. August, ihrem ersten Arbeitstag, unterschrieb sie ihren Vertrag. 23 Stunden unterrichtet sie Musik, je zwei Tage in Hasten und an der Daniel-Schürmann. Der Dienstag ist für die kommenden zehn Monate Seminartag am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung. In Düsseldorf erhält Nena Leban das theoretische Gerüst für ihren Beruf.

Claudia Becker, Hastens Schulleiterin, stellte die Neue am ersten Tag als Musiklehrerin vor. Von Seiteneinstieg kein Wort. „Warum auch? Bei uns macht niemand einen Unterschied“, betont Becker, dass die Verstärkung für das 13-köpfige Kollegium voll integriert ist. Nicht nur, weil Musik traditionell ein Mangelfach in den Grundschulen ist und oft von Lehrern mit Zusatzqualifikationen abgedeckt wird. Claudia Becker befürwortet prinzipiell den Seiteneinstieg: „Wir brauchen Menschen, die sich für ihr Fach begeistern, dies weitergeben können und ein Talent für den Umgang mit Kindern haben.“ Nena Leban attestiert sie all diese Qualitäten. Die 25-Jährige gibt das Kompliment zurück: „Ich fühle mich sehr wohl in den Klassen.“ Wenn es die Schulleitung befürwortet, können Seiteneinsteiger übrigens nach zwei Jahren unbefristet übernommen werden.

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