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Remscheid: Sechs Jahre Haft wegen Kindesmisshandlung

Remscheid : Sechs Jahre Haft wegen Kindesmisshandlung

Ein 24-Jähriger ist vom Landgericht Wuppertal zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Am Donnerstag wurde im Prozess wegen Kindesmisshandlung nach zehn Verhandlungstagen das Urteil verkündet. Der 24-Jährige, der den Sohn seiner ehemaligen Lebensgefährtin schwer misshandelt hat, muss für sechs Jahre in Haft. Die Mutter des mittlerweile vierjährigen Max wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Für die 21-Jährige hatte die Staatsanwaltschaft zuvor eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten gefordert. Das Gericht sah darin die Verantwortung der Mutter für ihr Kind offenbar nicht ausreichend gewürdigt und erhöhte das Strafmaß. Deren ehemaligem Lebensgefährten hingegen wurde zugutegehalten, dass ihm die psychiatrische Gutachterin zuvor eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit psychopathischen Zügen attestiert hatte. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer sieben Jahre und sechs Monate Freiheitsentzug gefordert.

Beide Angeklagten hatten der Sachverständigen von erheblichen Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit berichtet. In der Urteilsbegründung kam erneut zur Sprache, dass der 24-Jährige eine rigide Sauberkeitserziehung erfahren hatte und selbst auch in die "Eisbadewanne" gesetzt wurde. Schläge waren augenscheinlich an der Tagesordnung. Diese Erziehungsmethoden setzte er um, als er sich mit dem Sohn seiner Lebensgefährtin konfrontiert sah. Die wiederum habe ein devotes Verhalten gezeigt und ihren Sohn nicht ausreichend schützen können.

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Was die Tat selbst betraf, schloss das Gericht ein Unfallgeschehen aus. Dass der Junge im Kinderzimmer hätte gestürzt sein können, ist aus Sicht der Kammer unwahrscheinlich. Dass es die Mutter des Jungen allein oder beide Angeklagten zusammen gewesen sein könnten, schloss das Gericht ebenso aus. Nach Aussage etlicher Zeugen und der Expertise der Gutachterin sah es der Richter als erwiesen an, dass der Stiefvater den damals Dreijährigen auf den Boden oder an die Wand geworfen haben soll. Zuvor war die Mutter des Jungen aus der Wohnung gegangen, um Zigaretten zu holen. "Sie haben Ihren Sohn allein gelassen, obwohl Sie wussten, dass ihr Lebensgefährte zu Gewaltausbrüchen neigt", wandte sich der Richter in der Urteilsbegründung an die Frau. Am Abend zuvor hatte es Streit gegeben, man hatte sich eigentlich getrennt.

Beide Angeklagten verfolgten die Urteilsverkündung nahezu regungslos. Der 24-Jährige eher blass, die Mutter des Jungen in sich gekehrt. Nochmals wurden sie damit konfrontiert, welche Folgen die Misshandlungen für den kleinen Max zeitlebens haben werden. Aufgrund einer halbseitigen Lähmung kann der Junge den rechten Arm nicht mehr richtig bewegen. Schlimmer dürften jedoch die kognitiven Einschränkungen sein, die nahe an der geistigen Behinderung diagnostiziert wurden. An eine normale Schulausbildung sei nicht zu denken. Hinzu komme ein hoher Therapieaufwand, der noch über Jahre hinweg das Leben des Jungen prägen wird. Mittlerweile lebt der Vierjährige wieder bei seiner Mutter. Beide werden intensiv vom Jugendamt betreut.

(RP)