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Über Baderegeln: Schwimmbad spiegelt die Gesellschaft

Über Baderegeln : Schwimmbad spiegelt die Gesellschaft

David Bremerich und die stellvertretende Teamleiterin Melanie Manß sind als Fachangestelle für Bäderbetriebe im Freizeitbad H20 für die Sicherheit der Badegäste zuständig. Senioren bilden eine große Gruppe der Schwimmer.

Herr Bremerich, wann waren Sie zum letzten Mal beim Schwimmen?

David Bremerich Tatsächlich in der vergangenen Woche. Ich sehe zu, dass ich zweimal pro Woche ins Wasser komme, um ein bisschen zu trainieren und fit zu bleiben. Ich versuche es aber mindestens einmal im Monat. Das muss aber jeder selbst entscheiden. Man muss aber schon fit bleiben, denn wenn man doch mal jemanden aus dem Wasser retten muss, kann das entscheidend sein.

Wie lange sind Sie schon Schwimmmeister?

Bremerich Meine Ausbildung habe ich 2010 angefangen und 2013 war ich damit fertig. Mit Ausbildung arbeite ich also schon seit acht Jahren in dem Beruf. Im H20 arbeite ich seit gut zweieinhalb Jahren.

Was macht den Beruf für Sie aus?

Bremerich Man hat jeden Tag mit neuen und anderen Menschen zu tun. Und auch wenn es einem nicht immer direkt bewusst wir - jeder will immer etwas Anderes von einem. Und dem versucht man dann gerecht zu werden. Wir sorgen für die Zufriedenheit der Gäste. Gleichzeitig hat man die Verantwortung für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Man muss eben den Überblick behalten.

Was sind Ihre Hauptaufgaben?

Bremerich Morgens geht es um sechs Uhr los, also drei Stunden vor Beginn des Badebetriebs. Dann werden erst einmal die Wasserproben genommen und so die Wasserqualität überprüft. Die Verkehrssicherungspflicht, wie das offiziell heißt, muss dann hergestellt werden - wenn also etwas vom Vortag liegengeblieben ist oder etwas gerichtet werden muss, das abends um zehn Uhr nicht mehr erledigt werden konnte. Wir sorgen dann auch für die allgemeine Ordnung und Sauberkeit im Bad.

Melanie Manß Man kann sich auf eine Arbeit konzentrieren, weil eben noch keine Gäste da sind. Vor Beginn des Badebetriebs agiert man, wenn die Badegäste da sind, reagiert man meistens.

Bremerich Dann kümmert man sich eben um den allgemeinen Ablauf, sieht zu, dass alle schwimmen können, beantwortet Fragen und ist für die Gäste da - sowohl in der Sauna als auch im Badebereich.

Wie beurteilen Sie heutzutage allgemein das Benehmen der Badbesucher?

Bremerich Ich habe in den acht Jahren, die ich jetzt dabei bin, schon einige Dinge gesehen... Gelernt habe ich zum Beispiel in einem sehr kleinen Bad - da kennt man Opa Heinz und Oma Gertrud, die morgens ihre Runden drehen. Das ist sehr familiär, aber sie hatten auch ihre speziellen Wünsche...

Manß ... Stammgäste eben...

Bremerich ... ja, die sagen: Das ist meine Bahn, da schwimme ich schon seit Jahren. Und dann gibt es auch Leute, die benehmen sich halt nicht so, wie man es sich wünscht.

Manß Das Freizeitbad ist ein Abbild der Gesellschaft. Von der hilfesuchenden Dame, von aneinandergeratenen Halbstarken, Familien, bei denen es gerade zwischen Eltern und Kindern Zoff gibt - es gibt bei uns wirklich alles. Von ganz tollen Gästen, bis zu denen, die man eigentlich gar nicht haben möchte.

Bremerich Wenn die Temperaturen steigen, ändert sich oft auch das Verhalten der Gäste. Jemanden, der sonst ganz gemütlich wirkt, muss man bei 25 Grad seltsamerweise ganz anders anpacken.

Wie sieht es mit der Schwimmfähigkeit aus - müssen Sie da vermehrt darauf achten?

Bremerich Mir ist aufgefallen, dass zu meinen Ausbildungszeiten mehr Kinder schwimmen konnten, als das heute der Fall ist. Kürzlich habe ich gelesen, dass nur jedes dritte Kind schwimmen kann, das hat mich schon schockiert.

Manß Ich stelle fest, dass die Verantwortung von den Eltern an die Schulen abgeschoben wird. So habe ich etwa von einem Elternteil gehört, dass die Gebühr für einen Schwimmkursus rausgeschmissenes Geld sei - denn das würden die an den Schulen ja eh machen. Früher war das anders, da konnten die Kinder schwimmen, wenn sie in die Schule kamen. Und die Schulen machen tolle Arbeit, aber können halt auch nicht alles auffangen.

Welches sind die häufigsten Badunfälle?

Bremerich Meistens sind es Kleinigkeiten, wir verteilen oft Pflaster.

Manß Es sind Unfälle, die durch das unsachgemäße Nutzen der Einrichtung passieren, etwa an den Rutschen, den Startböcken oder den Sprungtürmen. Ertrinkungsunfälle sind in letzter Zeit sehr selten geworden, weil wir präventiv sehr gut aufgestellt sind. Es waren zwar Kollegen im Wasser, aber eben bevor etwas Schlimmeres passiert ist.

Wie alt ist denn der durchschnittliche Schwimmer im H20?

Bremerich Das hängt ein wenig von der Tageszeit ab. Vormittags kommen neben den Schulen zum Großteil Erwachsene, meist die Stammgäste. Zum Nachmittag hin kommen dann eher die Familien.

Manß Ein ganz großer Faktor sind bei uns die Senioren, die zu Wassergymnastikkursen kommen. Und in den Ferien sind natürlich sehr viele Familien hier.

Kommen die Besucher mehr zum Schwimmen oder zum Plantschen ins H2O?

Manß Es werden schon alle Angebote genutzt. So etwa die Senioren, die nachdem sie ihre Runden geschwommen sind, sehr häufig ins Solebecken gehen, weil sie das Warme eben gerne mögen. Die Dampfgrotte ist da ebenfalls sehr beliebt. Familien, und vor allem die Kinder.

Welche Badelandschaft ist am beliebtesten?

Manß Definitiv die beiden Solebecken und die Dampfgrotte. Diese Angebote werden sehr gut angenommen. Und in der Übergangszeit auch das Außenbecken.

Können Sie Trends bei der Bademode beobachten? Was ist gerade in?

Manß In der Tat - und das ist nicht immer ganz schön. Denn eine Zeitlang war es in, dass die Badehosen bei Herren bis zu den Fußknöcheln reichten und zudem aus einem saugkräftigen Stoff bestehen.

Bremerich Ein anderer Trend ist es derzeit, dass sowohl Männer als auch Frauen Unterwäsche unter der Badekleidung tragen, was nicht erlaubt ist.

WOLFGANG WEITZDÖRFER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)