Remscheid: Schüler pflegen Gedenkkreuz

Remscheid : Schüler pflegen Gedenkkreuz

Die Klasse 6 a des Röntgen-Gymnasiums hat sich dazu bereit erklärt, die Stelle sauber zu halten, an der vor mehr als sieben Jahren die Polizistin Kirsten Späinghaus-Flick erstochen wurde. Gestern erläuterte ein Beamter den Schülern, was damals geschah.

Als Kriminalhauptkommissar Ralf Bäcker die Fotos vom Tatort an der Albrecht-Thaer-Straße herumreicht, kehrt Ruhe ein in die Klasse 6a des Röntgen-Gymnasiums. Beeindruckt studieren die 28 Mädchen und Jungen die Bilder. Darauf zu sehen sind ein Polizei-Auto, Kreidestriche, einen Mannschaftswagen, Menschen. „Das ist ja unsere Straße“, ruft ein Mädchen. Hier, unweit der Schule, wurde am 27. Februar 2000 die Polizistin Kirsten Späinghaus-Flick erstochen.

An die schreckliche Tat erinnert ein Gedenkkreuz. Auf Initiative der BM haben sich die Kinder bereit erklärt, den Ort zu säubern. Anwohner hatten sich am „Heißen Draht“ zur redaktion über den ungepflegten Zustand beschwert. Nun wollen die Röntgen-Gymnasiasten regelmäßig nach dem Rechten sehen. „Wir mussten sie gar nicht dazu überreden“, berichtet Klassenlehrerin Kerstin Ottersbach, die meisten hätten sofort zugestimmt. Und so nehmen die Schüler ihre freiwilligen Pflichten nicht nur während des Hofdienstes wahr. Auch auf dem Weg zur Schule oder dem Nachhauseweg sammeln sie Müll ein und sorgen dafür, dass der Gedenkort seine Würde behält.

Mit Fragen bestürmt

Weil die Kinder aber nur wenig über die Hintergründe wissen, besuchte jetzt auf Vermittlung der BM Ralf Bäcker die Klasse. Er ist PR-Mann bei der Polizei und kannte die ermordete Kollegin. Der zweifache Vater gab den Schülern geduldig Auskunft, die ihn mit vielen Fragen bestürmten. Um wie viel Uhr geschah die Tat? Gab es Zeugen? Wie geht es dem Polizisten, der den Mord mit ansehen musste? „Bekommt man da Angst?“, fragte ein Junge.

Ralf Bäcker machte aus seinen Gefühlen kein Geheimnis. „Natürlich ist das belastend“, erzählte er. Angst empfinde er aber nicht als Nachteil, im Gegenteil: Sie zwinge auch Polizisten zur Vorsicht. „Bevor man etwas macht, sollte man erst mal darüber nachdenken.“

Beeindruckt zeigten sich die Kinder auch von den schusssicheren Westen, die Ralf Bäcker mit in die Klasse gebracht hatte. Die eine war völlig zerfasert, nachdem probeweise Schüsse auf sie abgegeben worden waren. Die Projektile waren in den Schichten der Weste hängen geblieben und steckten noch gut sichtbar im Gewebe. Ein Stich mit dem Messer jedoch hatte die Weste durchlöchert – auch sie hätte die Polizistin nicht schützen können. Zu guter Letzt übermittelte Ralf Bäcker den Schülern den Dank und die Grüße des Ehemannes der Polizistin, der sich über das Engagement der Schüler „sehr gerührt“ gezeigt habe. Jetzt kennen die Kinder endlich auch die Geschichte, die hinter dem Kreuz steckt.

(RP)