Remscheid: Schrotthändler werden von der Bahn abgehängt

Remscheid : Schrotthändler werden von der Bahn abgehängt

Die DB-Schenker AG hat die Belieferung mit Waggons eingestellt. Nun wird alles mit Lastwagen abgefahren.

Auf dem Parkplatz der Friedrich Ernst Wilms GmbH an der Reinshagener Straße knubbelt es sich in den vergangenen Wochen schon mal vor Transportern. Sie holen den Schrott ab, der dort gehandelt wird. "Wir haben doppelt so viele Fahrzeuge hier wie früher", sagt Marco Gehrmann, Disponent bei der Firma. Grund für den regen Lastwagenverkehr: Die Bahn hat zum Jahresende die Lieferung von Containern eingestellt. Die Friedrich Ernst Wilms GmbH liegt direkt an den Bahngleisen und verfügt über eine eigene Halle mit Gleisanschluss. Begründung: Das Liefern der Waggons sei nicht mehr rentabel. "Das bedauern wir sehr", sagt Gehrmann. Zwar gebe es Spediteure wie Sand am Meer, aber die GmbH hat nun höhere Kosten durch den Wegfall dieser Transportmöglichkeit. Vor fünf Jahren haben Vertreter der Deutschen Bahn, Abteilung Netz, mit Claudia Küster einen neuen Vertrag über den Gleisanschluss ihres Schrottplatzes an der Lenneper Straße ausgehandelt. Damit weiter Waggons geliefert werden, waren einige Reparaturen nötig. Unter anderem musste die Weiche erneuert werden. Die Investition von einer sechsstelligen Summe haben sich Claudia Küster (45) und ihr Vater Rolf Küster (72) lange überlegt. Für ein kleines Familienunternehmen, das in diesem Jahr seit 90 Jahren besteht, eine große Herausforderung.

"Wir haben es gemacht, weil die Bahn gesagt hat, die Verträge sind mindestens 15 Jahr gültig", sagte Claudia Küster. Die DB-Schenker AG, die für den Frachtverkehr zuständige Gesellschaft der DB, hat dem Unternehmen aber im vorigen Jahr mitgeteilt, keine Waggons mehr zu liefern. Die Verträge mit der DB-Tochtergesellschaft Netz scheinen nicht zu interessieren. "Wir müssen jetzt unseren Schrott mit Lastwagen abfahren", sagt Claudia Küster. Auch ihre Mengen haben nicht ausgereicht, dass die Bahn an einem Frachtgeschäft interessiert sei. "Für uns ist das jetzt alles unangenehmer", sagt Küster. Und die Investitionen könne sie wohl in den Wind schreiben. Gehrmann hatte gehofft, die Bahn hätte die Waggonlieferung besser koordinieren können. Aber darauf habe man sich nicht eingelassen. Sich von privaten Zulieferern sich versorgen zu lassen, sei viel zu teuer gewesen. Der Zug mit Schrotthandel scheint abgefahren zu sein. Die Krisen in ihrer Branche haben Claudia Küster aber so gestählt, dass sie ihren Optimismus nicht verloren hat. Irgendwie werde man wohl durchkommen.

(RP)
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